27. August 2016 Славное море, священный Байкал
„Ruhmreiches Meer, du heiliger Baikal…“ an deinen Ufern erfüllt sich mein Jugendtraum und dieses Lied hat meine Sehnsucht nach dir begleitet. Jetzt sind wir hier nach unendlich scheinenden Kilometern, nach so vielen Erlebnissen und Erfahrungen. Die größte und beste Erinnerung werden die Menschen bleiben, denn nur mit diesen positiven Erlebnissen können wir auch die Natur genießen. Baikal, du bist nun unser Highlight, das größte Süßwasserreservoir der Welt, in dem 20% der Süßwasserreserven der Erde vereint sind. Gigantische!!! Das ist mehr Wasser als in den fünf großen Nordamerikaseen zusammen enthalten ist, unvorstellbar!!!
Sein Alter wird auf 25 Millionen Jahre geschätzt und er wird jedes Jahr um 2 cm breiter, also ein tektonisch aktives Gebiet. Er ist 636 km lang und zwischen 27 und 80 km breit. Seine Tiefe wurde 2010 neu vermessen und wird jetzt mit 1642 m angegeben. Es gibt unendlich viele Zuflüsse, die größten sind die Obere Angara, der Barguzin, die Selenga, aber es gibt nur einen Abfluss, die Angara, die durch das Irkutsker Wasserkraftwerk gestaut wird. Dadurch hat sich der Spiegel des Sees um 3 m gehoben. Das Dorf, bei dem wir jetzt stehen, wurde weiter oben neu aufgebaut.
Am Ufer suchten die Leute heute mit Detektoren nach Münzen und Wertgegenstände aus dem alten Dorf.
Die Herkunft des Namen des Sees ist umstritten. In der Turksprache bedeutet es bai kul „reicher See“, die burjatischen Ureinwohner nannten ihn Baigaal dalai – großes Gewässer und die alten Chinesen sagten Baichay – nördliches Meer. Alles klingt ähnlich.
Wir sind erst einmal verzaubert, sitzen am Ufer und können es noch nicht fassen hier zu sein.
Irgendwie versucht immer wieder jemand mit uns Kontakt aufzunehmen, mal sind es Leute von der Wasserrettung. Sie bringen uns ein Heft, wie wir uns beim Baden verhalten sollen und fragen, ob sie uns fotografieren dürfen. Später braucht ein junger Mann Streichhölzer, als Dankeschön bringt er uns zwei gegrillte Omule – lecker!!! Wir bedanken uns mit Whisky.
Am Abend, wir sitzen am Lagerfeuer, braucht jemand ein Messer für den Fisch, wir verstehen „Säge“ und er lacht sich scheckig.
Am Morgen besuchten uns die Kühe und am Nachmittag die Hunde. Wir waren für alle interessant.
Am Lagerfeuer fallen uns noch andere Begegnungen ein. So standen B&K in einer Werkstatt, wo sie von zwei Männern ihres Alters angesprochen wurden, die ihnen erzählten, dass der Vater des einen Mannes und Verwandte des anderen im Krieg umgekommen seien. B. erzählt darauf hin, dass sein Vater im Krieg ein Bein verloren hat. Schweigen auf beiden Seiten. Dann fragt der eine Mann B. nach dem Namen. Dann sagt er: “ Und ich bin Igor“ und reicht B. die Hand und weiter: „Der Krieg ist Geschichte, jetzt ist Frieden.“ Ein Ereignis, dass uns alle tief berührt.
Die Menschen unserer Generation haben mit Deutschland inneren Frieden geschlossen. Und die Jugend ist offen für alles Neue, Europa und die Welt. Russland ist grundlegend anders als vor 30 Jahren. Im russischen Fernsehen in den Hotels sind interessante Berichte über Städte in den USA zu sehen. Im Autohaus lernen wir eine junge Frau kennen, die in Boston studiert.
Sibirien ist nicht mehr hinter dem Mond. Es steht neben uns und wird uns überholen, wenn wir politisch nicht die Kurve bekommen. Hier werden uns offen die Hände gereicht.
Als K. zwischenzeitlich zu Hause war, ist sie immer wieder verständnislos gefragt worden, warum sie sich in so gefahrvolle Regionen begibt.
Ich glaube, bei uns wird zu wenig getan, um über den Osten ein reales Bild zu vermitteln.
Wir fühlen uns hier willkommen, herzlich angenommen und wir können uns ohne jede Einschränkung frei bewegen.
Heute war der Baikal zum Kennenlernen ganz sanft zu uns, kaum Wind und eine fast glatte Oberfläche, bei dieser Größe und möglichen Wellen von 5 – 6 m Höhe bei Sturm, eine Meisterleistung. Echtes Begrüssungswetter 🌞🌞🌞 Und das nutzte B. Zu einer ersten Mutprobe, er ging baden.




















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