Dietmar und Geli Unterwegs

2008 / Dezember: Libyen mit dem Geländewagen – 3. Reise

Aller guten Dinge sind 3, könnte man auch in dieser Situation meinen, denn beim 3. Mal in Libyen erreichen wir das Akkakus Gebirge, im Südwesten Libyens, unser großes Ziel schon seit 2005. Inzwischen ist uns Libyen schon vertraut, wir finden dieses Abenteuer sehr spannend und interessant. Wir sind sehr froh, dass wir dieses landschaftlich schöne Land so nah und intensiv kennen lernen konnten. Diese Möglichkeiten gibt es seit 2011 auf Grund der politischen Entwicklung nicht mehr.

Bereits am Ende der „1.LRR“- Rallye im März 2008 war uns klar, wir starten einen erneuten Versuch um das Akkakus Gebirge zu bereisen. Unsere Freunde Wolfgang und Karla, wir haben sie bei der letzten Reise in Libyen kennengelernt, möchten das auch! So werden die Kontakte und Beziehungen, die wir hier in Libyen haben, genutzt und die nächste Reise wird 

  • privat organisiert
  • libysche Reiseunternehmen Aania mit einbezogen
  • mindestens 3 Wochen Reisezeitraum geplant
  • das Akkakus Gebirge als zentrales Ziel fest eingeplant
  • ein Besuch der Unesco- Welterbestätten Leptis Magna und Sabratha bei Tripolis vorgesehen
  • wenn wir es zeitlich schaffen, der erloschenen Vulkan Wau-en-Namus als Reiseziel aufgenommen!     

Die Organisation und die Vorbereitung klappten reibungslos. Reisezeitraum sollte der 19. Dez. 2008 bis 12. Jan. 2009 werden.

Am 19. Dez. brechen wir auf und nach 1044 km, tief in Italien, in Cremona, checken wir in das zuvor gebuchte Hotel ein. Am nächsten Tag, nach nur 185 Km treffen wir im Hafen von Genua ein und begrüßen unsere Freunde! Die weiteren Abläufe sind ähnlich wie bei den vergangenen Reisen, auch nutzen wir die uns bekannten Übernachtungsmöglichkeiten! Die Grenzpassage nach Libyen ist problemlos, das Fahrzeug mit den Guides steht bereit und sie nehmen uns in Libyen in Empfang.

Weiter geht es nach Zuwara, dort treffen wir den Organisator unserer Reise in Libyen, bei einem Kaffee besprechen wir alles weitere bevor es über Nalut zum 1. Schlafplatz geht. In dieser Nacht zum 23. Dezember war es sehr kalt. Es war Frost, unser Zelt war völlig weiß mit Raureif bedeckt. In Ghadames kommt noch ein weiterer Guide dazu, so begleiten uns nun 3 junge Männer in einem Toyota Pick Up. Damit sind wir 3 Fahrzeuge, die sich durch das große „Dünenmeer“ Richtung Süden kämpfen und die 670 km entfernte Oasenstadt Al Awaynat, das Tor zum Akkakus, ansteuern. Diese Strecke führt uns ausschließlich durch den Dünensand, bergauf und bergab.

Wir werden von Dienstagmorgen bis Freitagabend unterwegs sein, das Weihnachtsfest in den Dünen unter dem klaren Sternenhimmel verbringen (3 Nächte) und am Abend des 2. Weihnachtsfeiertages in der Oase ankommen. Dafür lassen wir nun auch die Mandara Seen aus, das Wetter ist gut und wir wollen kein Risiko eingehen. Zum Weihnachtsabend gibt es Kartoffelsalat mit Würstchen, ganz traditionell, Kerzen und Süßigkeiten. Wir sitzen alle noch lange am Feuer und denken in diesen Stunden ganz besonders an die Lieben zu Hause.

Immer wieder müssen wir in den Sandpassagen die Luft ablassen, teilweise auf 0,8 bar, und in den steinigen Abschnitten wieder aufpumpen, damit die Flanken des Reifens nicht durch die spitzen Steine zerstört werden. Bei jeder Rast wird auch das Auto kontrolliert, so musste ich feststellen, dass 4 Schrauben vom Unterfahrschutz fehlen und eine direkt von den Steinen „ abgeschert“ wurde. Schrauben verschiedenere Größen hatten wir mit, so wurden die fehlenden schnell ersetzt.

Die Begleiter, sie waren vom Volk der Tuareg, zeigten uns auch wie im Wüstensand Brot gebacken wird und wie mit wenigen, vertrockneten, dünnen Zweigen dass Teewasser gekocht wird. Wir genossen die Ruhe, die Einsamkeit und die Weite dieses Landes.

Am Samstag, dem 27. Dezember gegen 14.00 Uhr erreichen wir das lange ersehnte Akkakus Gebirge im Südwesten Libyens! Wir fahren entlang an den bizarren Felsformationen und bewundern, was die Natur geschaffen hat. An einem schönen Fleck, vor einer beeindruckenden Steinkulisse, die von der untergehenden Sonne in ein phantastisches Licht versetzt wurde, schlagen wir unser Nachtlager auf! Am Feuer servieren unsere Begleiter einen echten Tuaregtee, das ist grüner Tee mit viel Minze und Zucker. Am Morgen sind wir immer wieder beeindruckt, wieviel Spuren von kleinen Käfern, Vögel und anderen Tieren um unser Auto zu sehen sind. Weiter geht es durch diese zauberhafte Landschaft und bald können wir sehr alte Felszeichnungen bewundern.

Plötzlich, nach einer nicht gesehenen und „schwungvoll“ gefahrenen Bodenwelle gab es ein nicht „gutes“ Geräusch. Schnell stellten wir fest, dass eine Schraubenfeder hinten gebrochen ist, in deren Folge sich auch der Abstand zwischen Rad und Radkasten stark verringerte. Als erste Maßnahme haben wir das Gewicht im hinteren Teil des Pajero reduziert. Das Ersatzrad wurde abgebaut und auf dem libyschen Pick Up verstaut, den Reservekanister nahm Wolfgang. So konnten wir etwas langsamer die Fahrt fortsetzen. Die weitere Strecke führte uns an gigantischen Steinformationen mit Bögen, Säulen und Toren, wie wir sie noch nicht gesehen haben, vorbei. Plötzlich sahen wir in einem Gebiet vorwiegend schwarzes Gestein, als wäre es verrußt.

Am Abend kontrollieren wir das Auto und müssen feststellen, dass beide Federn hinten im unteren Bereich 2 x gebrochen sind. Wir demontieren beide Federn, entfernen die Trümmerstücken und schaffen damit wieder eine gerade Auflage für den unteren Ring der Feder. Das Rad dreht frei, nur der Federweg im Radkasten hat sich um 8-10 cm verringert! Die Federn, es waren „old man Emu“-Federn aus Australien, sie haben nun auch schon mehr als 8 Jahre “gedient“  und  in Marokko, Libyen und Tunesien „schwere“ Arbeit geleistet. Mit dem Satellitentelefon nahmen wir Kontakt zu dem libyschen Organisationschef auf, er wollte in  Tripolis Federn besorgen, es gelang ihm aber nicht.

Nun ging es „vorsichtiger“ weiter, sofern das überhaupt in diesem Gelände möglich war. Die traumhafte Landschaft entschädigte uns und wir mussten auch keine Einschränkungen unserer Reise vornehmen. Lediglich die Überlegung zum „Wau-en-Namus-Krater“, dem ehemaligen Vulkan, zu fahren, wurde nun gestrichen ! Mindestens 3 Tage würden wir dafür benötigen, die hatten wir einfach nicht zur Verfügung .

Am Mittwoch, Silvester, erreichen wir nach 1530 km Fahrt nur im Sand und Piste, das 1. Mal wieder eine feste Strasse bei Garama. Es geht weiter zum „Camp Africa“, das wir bereits gut kannten. Hier habe ich im März meinen Geburtstag „gefeiert“ und nun werden wir hier den Jahreswechsel 2008 zu 2009 begehen. Am Neujahrstag starten wir zu den Mandara Seen, wir mieten uns ein Auto mit Fahrer, weil wir diese Tour unseren „gekürzten“ Federn nicht zumuten wollen. Diese Strecke sind wir schon zweimal gefahren, sie ist anspruchsvoll und sehr schön. So können wir die Seen und Landschaft um die Mandara Seen genießen! Übrigens sind wir dieses mal über die Dünen von oben an die Seen heran gekommen und haben so eine wundervolle Perspektive!

Am Freitag, dem 02.01. fahren wir weiter Richtung Norden. Nach einer Übernachtung in Sabha erreichen wir am Samstagabend die UNESCO-Welterbestätte „Leptis Magna“, ca. 120 km östlich von Tripolis. Diese archäologische Stätte wurde überwiegen von den Italienern freigelegt, zur Zeit erst 5 %. Die Ausgrabungen begannen 1912. Der Titel „UNESCO-Welterbe“ wurde dieser Anlage 1982 verliehen. Innerhalb der großen Ruinenstätte sind der severische Triumphbogen, die Thermen, das alte und neue Forum und das Theater aus römischer Zeit sehenswert. Auf der gegenüber liegenden Seite des Wadi Lebdah liegen das sehr gut erhaltene und wieder hergestellte Amphitheater und der direkt am Meer liegende Circus. Es handelt sich um die größte erhaltene antike Stadt der Welt. Die Besichtigung hat uns sehr beeindruckt.

Sonntag geht es nach Tripolis, im Zentrum ist viel Verkehr, die Stadt ist sehr sauber. Rückblickend sind wir erschüttert, wenn wir die Bilder, die seit 2011 gezeigt werden, sehen. Wir fragen uns, warum dieses Land zu dem gemacht wurde, wie es heute ist. Die Auswirkungen dieser Situation spüren wir Europäer durch die Flüchtlingsströme, die von Libyen ausgehen. Alle  Verantwortungsträger in Europa sollten sich die Frage stellen, welchen Anteil sie an dieser Entwicklung haben.

Wir bezogen unser Zimmer im Hotel „Four Seasons“ im Zentrum von Tripolis, ein sehr schönes Hotel. Bevor wir am Montag, dem 05.01. Tripolis verlassen, schauen wir uns die Stadt an und staunen über die vielen Brautkleiderläden.

Bei einer Temperatur von 18 Grad erreichen wir die nächste UNESCO-Welterbestätte Sabratha, ca. 70 km westlich von Tripolis. Das antike, dreistöckige Theater in Sabratha ist sehr bekannt. Durch den Hafen wurde diese alte Stadt ein großer Handelsplatz! Weiter geht die Fahrt über Zuawa , wo wir im Hotel übernachten. Dort treffen wir uns zum Abendessen  noch einmal mit dem Organisator der Reise. Bei interessanten Gespräche erfahren wir noch viele Detailinformationen zu dem Land und deren Menschen.

Am Dienstag, dem 06.01. geht es an die tunesische Grenze. Nach nur 1 Stunde ist alles erledigt und wir sind in Tunesien. Es geht  weitere in die Region Matmata. Hier schauen wir uns die Höhlenwohnungen an. Am Abend erreichen wir wieder das uns bekannte Hotel in Gabes . Selbst ein Kellner, den wir im März und bei der Hinreise gesprochen haben, erkennt uns wieder. Er empfiehlt uns sein selbst hergestelltes Olivenöl, was wir am nächsten Morgen auch kauften!

Am Mittwoch erreichen wir Hammamet , checken in das Hotel „ La Sultan“ ein, phantastisch, dort bleiben wir noch einen Tag und entspannen in den tollen Gartenanlagen des Hotels und am Strand bei 18 Grad und schöner Sonne!

Am Freitag, dem 09.01.2009 um 17.00 Uhr legt die Fähre in La Goulette bei Tunis ab. Auf See „schaukelt“ sie etwas, es geht an Korsika mit schneebedeckten Bergen vorbei, weiter nach Genua wo wir am nächsten Tag um 16.00 Uhr den Hafen mit dem Auto verlassen. Am Abend um 20.30 Uhr erreichen wir das Hotel „Der Rierhof“in Klausen in Südtirol. Im Gasthaus „Zum Hirschen“ wartet schon eine ausgezeichnete Pizza auf uns!!!

Um 09.45 Uhr, am Sonntag brechen wir zur letzten Etappe nach Hause auf, erreichen die Wohnung um 18.00 Uhr nach  einer Strecke von 776 km. Damit schließt sich der Kreis nach insgesamt 7.020 km. Wir sind sehr glücklich und vollgepackt mit Erinnerungen und hatten zu dem damaligen Zeitpunkt noch den festen Entschluss, das fehlende Highlight, den Vulkan „ Wau-en-Namus“, in unsere späteren Reisepläne aufzunehmen!

Wir können uns aus heutiger Sicht, Mai 2020, nicht vorstellen, dass es in absehbarer Zeit wieder die Möglichkeit gibt, Libyen so zu bereisen, wie wir es getan haben! Es bleiben neben den Erinnerungen auch sehr schöne persönliche Kontakte mit Reiseteilnehmern, die wir noch heute pflegen und teilweise haben wir auch weitere gemeinsame Reisen unternommen.

Reiseroute – klicken zum vergrößern
Guten Morgen
Raureif am Morgen
Kontrolle am Unterfahrschutz
Weihnachten 
Am 24. Dezember
Wir müssen Schaufeln
Im Akkakus Gebirge
Im Akkakus Gebirge
Felszeichnungen
Unser Rastplatz im Akkakus Gebirge, in der Abendsonne
Nun kommen wir das 1.x von oben an den Mandara See
Am den Mandara Seen
An den Mandara Seen, ein von Kinder erstelltes Spiel
Unberührte Natur
Eine Reisegruppe mit Kamelen
Reparatur der Federn
Blick auf die gebrochene Schraubenfeder
Die gebrochene Schraubenfeder
Ein versteinerter Baum

 

Wir genießen die Ruhe
Hier sehen wir den „Spurenmacher“ im Sand
Kamele begegnen uns untetwegs
Unser „Haus„ Blick in den Morgen
Wir backen Brot
Die Glut des Feuers wird breit gezogen und in den heißen Sand der Brotteig gelegt und zugeschoben
Unter der Glut,im Sand ist das Brot
Das fertige Brot wird aus dem Sand geholt
Nach 1 Stunde wird der Sand wieder entfernt und das heiße Brot entnommen und gereinigt
Fertig, guten Appetit
Leptis Magna , Severischer Triumphbogen
Leptis Magna
Leptis Magna
Toilettenanlage in Leptis Magna
Leptis Magna
Im Hotel in Tripolis
Stadtrundgang in Tripolis
UNESCO Welterbe Sabratha
Höhlenwohnung in Matmata/ Tunesien
Hammamet Hotel „La Sultan“
In der Hotelanlage
Blick auf Korsika
Auf der Fähre

 

2 Kommentare

  1. Mir gar nicht mehr bewusst, dass ihr 2008 Weihnachten in der Wüste verbracht habt, und in das Jahr 2009 gerutscht seid. Ansonsten kann ich nur sagen wunderschöne Erinnerungen, die kann euch keiner nehmen. Seit Stolz auf euch.

    1. Liebe Gabi , danke, so ist es!
      Genau aus diesem Grund haben wir das auch jetzt
      ( zu Corona-Zeiten) aufgearbeitet
      Grüße
      Dietmar

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