Dietmar und Geli Unterwegs

03.07.2019 Auf dem Onegasee und der Insel Kishi

Nachts sind wir durch sechs Schleusen auf dem Fluss Kowzha gefahren. Der Abstieg vom Fluss in den Onega-See ist der beeindruckendste. Hier ist ein Höhenunterschied von 80m zu überwinden. Am Morgen durchfahren wir die letzte Schleuse und sind nun im Onega-See, Europas zweitgrößtem See nach dem Ladogasee nordöstlich von Sankt Petersburg. Der See ist 248km lang und 89km breit. In ihm liegen 1300 Inseln, fast alle im nördlichen Bereich.

Wir sind jetzt in Karelien und damit am Beginn der Taiga.

Hier wächst die Karelische Birke, ein seltener und sehr wertvoller Baum.

Nach dem Frühstück dürfen wir auf die Kommandobrücke und erfahren einiges über die Steuerung des Schiffs.

Ludmilla hat uns vorher mit den technischen Daten gefüttert.

Unser Schiff wurde 1983 in Boizenburg in der DDR gebaut. Es ist 129m lang, 17m breit und 13m hoch. Es hat einen Tiefgang von 3m und eine Geschwindigkeit von 26km/h. Es gibt 5 Decks mit 150 Kabinen. 120 Besatzungsmitglieder arbeiten für uns. Da relativiert sich der Preis der Reise sehr rasch.

Vor dem Essen hören wir noch einen Vortrag über Katharina die Große, eine bemerkenswerte Persönlichkeit, an der sich die Geister heute noch scheiden. Immer wieder ist erstaunlich, dass die Russen sie als Zarin verehrten, obwohl sie als verarmte deutschen Prinzessin in das Zarenreich kam.

Am Nachmittag erreichen wir die

6 km lange Museumsinsel Kishi mit ihren traumhaften Holzbauten, die seit 1990 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Über neu angelegte Holzstege können wir zu der frisch restaurierten Sommerkirche mit 22 Kuppeln gehen. Sie ist 37 m hoch.

Die Schindeln für die Dächer werden mit der Axt geschnitzt. Eine Meisterarbeit.

Diese mit silbrig glänzenden Holzschindeln gedeckte Kirche ist der Inbegriff nordrussischer Holzbaukunst.

Die Mehrgenerationenbauernhäuser haben einen großen Grundriss und alles befindet sich unter einem Dach, Stall, Scheune, Wohnräume, damit man im Winter nicht aus dem Haus musste. Hier lebten bis zu 15 Personen zusammen in einem einzigen Wohn- und Schlafraum.

Was war da für ein Hierarchiegehorsam und für Toleranz notwendig um dieses Gemeinschaftsleben zu ertragen.

Für uns allein wäre es schwierig gewesen, die Insel zu erreichen.

Also ist diese Reise für uns ideal.

Wir sind hier am nördlichsten Punkt unserer Reise und um 24 Uhr begrüßt das Abendrot wirklich das Morgenrot. Der neue Tag beginnt.

Am Horizont sehen wir noch das Abendrot der untergehenden Sonneund darüber kommt das Licht der bald aufgehenden Sonne aus den Wolken.

2 Kommentare

  1. Liebe Angelika, lieber Dietmar,
    Ihr Beiden habt Euch eine wunderschöne Reise (eigentlich ein Geheimtip) ausgesucht und dazu auch das passende Wetter. Ihr habt gutes Zeitgefühl an den Tag gelegt: Nicht nur die weißen Nächte, sondern seid Ihr auch nach Beendigung der Restaurationsarbeiten in Kishi gewesen. Ich hatte jedesmal Baukräne im Bild der beeindruckenden 16 Kuppeln.
    Eure Bilder lassen Erinnerungen wach werden. Wir haben diese Reise zweimal gemacht, davon einmal mit der Bunin. Der Kapitän und die Hoteldirektorin sind mir als Gesicht noch in Erinnerung.
    Obwohl Ihr sehr anschaulich schreibt, können keine Worte die Atmosphäre der Reise widergeben. Sei es an Bord oder während der Ausflüge, der Vorträge oder künstlerischer Darbietungen. Am Beeindruckensten ist jedoch der Himmel in Karelien. Nirgendwo sonst hatte ich das Gefühl solcher Weite und zugleich eigener Einheit mit der Natur. Die Dörfer am Ufer strahlen die Gelassenheit der Erfahrung aus, schon viele Jahrzehnte so zu stehen, politische Wirren als kurzlebigen Funken überdauert zu haben und noch mehrere Jahrhunderte so erleben zu werden. Vierhundert Jahre alte Klöster, vierhundert Jahre alte Dörfer, getragen von Generation über Generation bis zu unserer Zeit, und nach uns wird es wohl so weiter gehen.
    Viel Erlebenwertes wartet auf Euch auch in Mandrogi. Natürlich der Höhepunkt St. Petersburg. Falls es möglich ist, macht an einem Tag einen Ausflug nach Petershof (ein prachtvoller Garten), am anderen Tag nach Katharinenhof (ein prachtvoller Pallast).
    Eine herrliche Reise. Genießt sie und bleibt gesund.

    1. Hallo ihr Lieben,
      euer Blogkommentar hat uns sehr berührt und wir haben ihn gleich an unsere Hoteldirektorin weiter geleitet. Sie ist beeindruckt und bedankt sich für das positive Feedback.
      Ja, es war eine beeindruckende Reise, inzwischen sind wir wieder zu Hause.
      Auf dem Ladoga-See hatten wir das Glück eines wolkenlos Nachthimmels und da küssten sich Abend- und Morgenröte über Stunden. Wir lieben diese Zeit und möchten nicht schlafen gehen.
      Beeindruckend war für uns auch, dass wir per Video über die kunstvolle Herstellung
      uns längst bekannter Souvenirs aufgeklärt wurden. So kann man die kleinen Kunstwerke viel mehr schätzen.
      In Petersburg haben wir die Stadt allein erkundet, denn in den Hauptsehenswürdigkeiten waren wir erst vor 4 Jahren und jetzt zur Hauptreisezeit sind ja noch mehr Menschen überall.
      Wir haben uns eher an den Parks und den Blicken über die Newa erfreut.
      Obwohl in Russland noch vieles sehr traditionell ist, spüren wir bei der Jugend doch eine sich ändernde Mentalität. So wusste unsere junge Moskauer Freundin nichts mehr über die Verkaufskultur im GUM vor 45 Jahren.
      Russland fasziniert uns und wir sind sicher nicht das letzte mal in diesem Riesenreich gewesen zu sein !
      Wie war eigentlich eure Lenareise ? Davon würden wir gern mehr erfahren.
      Beste Grüße

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