Dietmar und Geli Unterwegs
Reisetagebuch unserer Wohnmobil-Reise an den Küsten Spaniens und Portugals

22.-24. April 2019 Über Lagos, Cabo de São Vicente und Sines nach Lissabon

Als wir uns der Stadt Lagos nähern, brüten in Flussnähe wieder viele Störche, sogar auf Baumstümpfen und einer Packung großer Gasflaschen, ein explosiver Nistplatz. Ein Hochspannungsmast mit 13 Nestern war allerdings die verrückteste Entdeckung.

Lagos liegt an einer wunderschönen Küste mit riesigen Sandstränden, versteckten Buchten und einer malerischen Kulisse. Der Campingplatz befindet sich mitten in der Stadt und ich kann mich gut erinnern, dass wir mit dem Wohnwagen schon hier waren vor über 20 Jahren.

Am Abend bummeln wir durch die Altstadt. Lagos ist für seine Altstadt mit engen Gassen und die Stadtmauer bekannt. Nachts ist diese interessant beleuchtet.

Am nächsten Tag besuchen wir die Klippen und die Atlantikstrände. Eine steile Holztreppe führt zur Sandbucht Praia do Camilo hinab. Wenn die Flut kommt, ist man in den kleinen Buchten eingeschlossen. Die nahegelegenen Klippen der Ponta da Piedade bieten einen Panoramablick auf das Meer, die Bucht, die Landzunge und den dortigen Leuchtturm.

Zum Schutz der Klippen und der Besucher hat man weitläufige Holzstege gebaut. Bei der Ponta da Piedade handelt es sich um eine Reihe faszinierender Kalksteinfelsen. Die Formationen gelten als schönste Naturlandschaft der westlichen Algarve. Die Landzunge südlich von Lagos ist seit Jahrtausenden mächtigen Winterstürmen ausgesetzt, die die einzigartigen Felsenformationen geschaffen haben. Dazu gehören Steinbögen, Grotten und versteckte Höhlen.

Die Geschichte der Stadt ist bemerkenswert. Bereits die Phönizier und Griechen siedelten an der Bucht von Lagos, weil hier Thunfisch, Sardinen und Krebse gefangen werden konnten. Die Karthager führten im 4. Jahrhundert Wein- und Olivenanbau ein. Lagos‘ Hafen war im 15. Jahrhundert Ausgangspunkt zahlreicher Afrikaexpeditionen, die Portugal unter Heinrich dem Seefahrer (Dom Henrique o Navegador) unternahm. Heinrich erhob Lagos zu einem bedeutenden Stützpunkt seiner Flotte und ließ hier ab etwa 1440 die Karavelle entwickeln und bauen. Dieser neue Schiffstyp nach dem Vorbild der arabischen Dhau war nicht nur seegängig und küstentauglich zugleich, sondern auch in der Lage, hoch am Wind zu segeln und gegen die vorherrschende Windrichtung zu kreuzen.

Ab 1433 stach der Seefahrer Gil Eanes mehrfach von Lagos aus in See, um schließlich erstmals über das Kap Bojador hinaus zu segeln. Das an der Nordwestküste Afrikas liegende Kap, das heute zur Westsahara gehört, galt damals als Grenze der Welt, ein Überschreiten als gefährlich oder gar unmöglich und der zurückzulegende Küstenverlauf Afrikas war überwiegend noch nicht kartographiert. Der Entdecker Gil Eanes traute sich mit seinen Schiffen weiter nach Süden.

Durch die Afrikafahrten portugiesischer Schiffe gelangten schwarze Sklaven aus Guinea und dem Senegal erstmals in der Neuzeit nach Europa. Lagos erhielt 1444 einen bedeutenden Sklavenmarkt, dessen Gebäude noch heute besteht. Erst 1820 wurde der Menschenhandel verboten. Die ehemalige nigerianische Hauptstadt Lagos, heute die zweitgrößte Stadt Afrikas, wurde nach der portugiesischen Kleinstadt benannt. Sie war Ausgangshafen der Sklaventransporte für den Sklavenmarkt in Lagos/Portugal.

Auf dem heutigen Platz der Republik befand sich der historische Sklavenmarkt. Unter den Arkaden wurden die Schwarzafrikaner angebunden und zum Verkauf angeboten. Auf dem Platz steht seit 1960 ein Denkmal für Heinrich den Seefahrer (Infante D. Henrique), das anlässlich seines 500. Todestages aufgestellt wurde. Man hätte lieber ein Denkmal für die vielen Sklaven errichten sollen.

Im Jahr 1476 geriet Christoph Kolumbus vor Lagos bei einem Piratenüberfall in Seenot und gelangte dadurch erstmals nach Portugal.

Nach dem Erdbeben von 1755 verwüstete eine gewaltige Flutwelle mit elf Metern Höhe die Stadt. Anschließend wurde Lagos neu aufgebaut und die Stadtmauer aus jener Zeit umgibt noch heute weite Teile der Altstadt.

Weiter geht unsere Fahrt zum Cabo de São Vicente. Das Cabo de São Vicente bei Sagres bildet gemeinsam mit der benachbarten Ponta de Sagres die Südwestspitze des europäischen Festlands. Die Algarve endet dort in einer felsigen, bis zu 70 Meter hohen Steilküste mit karger, baumloser Vegetation.

Wir sind erstaunt, dass heute hier kein eisiger Wind weht, es ist erstaunlich mild. Um das Kap ranken sich viele Mythen. Das Kap ist seit dem Neolithikum ein heiliger Ort, wie Menhire (Steinsetzungen) in der Umgebung zeigen.

Die Griechen nannten den Ort Land der Schlangen und seine Bewohner „Bewohner des äußersten Westens“, von den Römern wurde er Heiliges Vorgebirge genannt, als magischer Ort am Ende der Welt, an dem die Götter wohnen und die Sonne im Meer versinkt. Die Christen benannten die Küstenspitze nach dem Heiligen Vinzenz von Saragossa, einem Schutzpatron der Seefahrer.

Auf dem Cabo de São Vicente befindet sich ein Leuchtturm, dessen Lichtkegel 32 Seemeilen (knapp 60 Kilometer) über den Atlantik reicht und der als der lichtstärkste Leuchtturm Europas gilt. Auf einem der weltweit meist befahrenen Seewege halten Schiffe zum Kap einen großen Sicherheitsabstand, weil der Ozean hier gefährlich und wild ist.

Die Gebäude rund um den Leuchtturm werden jetzt als Museum, Restaurant und Souvenirläden genutzt. Vor der Anlage betreiben deutsche Mädels einen Stand, in dem es „die letzte Bratwurst vor Amerika“ gibt. Da müssen wir natürlich zuschlagen und essen eine Thüringer Bratwurst,auch wenn wir nicht nach Amerika wollen.

Nun heißt es Abschied nehmen von dir, Algarve, in deinem Frühlingskleid mit deinen bunten Klippen und den phantasievoll ausgewaschenen Felsen und Grotten. Es war sehr schön, dich wieder zu sehen.

Warst du vor über 500 Jahren der Ausgangspunkt für die Entdeckung der „Neuen Welt“, bist du heute ein Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt. Nun führt uns der Weg nach Norden Richtung Lissabon. So, wie wir vom Kap Vinzente losfahren, beginnt es zu regnen. Die Natur freut sich.

In Sines, einer Hafen- und Industriestadt machen wir noch einen Abstecher zum Denkmal von Vasco da Gama, der hier um 1469 geboren wurde. Am 8. Juli 1497 startete Vasco da Gama, 28jährig, im Hafen von Lissabon mit seiner Flotte. Mit ihm fuhren rund 170 Mann, unter anderem Kapitäne, Steuermänner und erfahrene Seefahrer. Vasco segelte mit ihnen durch den Atlantik, rund um die Küste West- und Ostafrikas herum.

Am 20. Mai 1498, nach fast einem Jahr Seefahrt, erreichten sie die indische Stadt Calicut an der Malabarküste. Sie hatten es geschafft: Vasco da Gama als Anführer der Flotte war der erste Europäer, der auf dem Seeweg um Afrika herum Indien erreichte. Doch auf dem Erfolg konnte er sich nicht ausruhen. Schließlich gehörte zu seinen Aufgaben auch, dass er Verhandlungen mit der dortigen Regierung führte und Handelsvereinbarungen traf. So trat Vasco guten Gewissens den Rückweg an. Am 9. September 1499 nahmen ihn die Portugiesen am Hafen mit einem großen Fest in Empfang. Es folgte eine gute Zeit für den Seefahrer: Der König zeichnete ihn mit verschiedenen Ehrungen aus. So durfte er den Titel „Dom“ und „Admiral des Indischen Meeres“ tragen.Wir blicken, wie da Gama, aufs Meer aber unser Fernweh ist nicht mehr so groß.

Weiter geht es Richtung Lissabon, wir sind spät dran. Es regnet in Strömen. Das Navi führt uns sicher durch das Autobahngewirr von Lissabon bis zu dem in unserer Erinnerung wunderbaren Campingplatz. Es ist spät, nass, kalt als wir ankommen. Nichts ist mehr so schön wie in unserer Erinnerung von vor 21 Jahren als der Platz aus Anlaß der „EXPO 98“ ganz neu eröffnet war und die Sonne strahlte.

Trotzdem, wir freuen uns auf Lissabon.

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