Dietmar und Geli Unterwegs
Reisetagebuch unserer Wohnmobil-Reise an den Küsten Spaniens und Portugals

16. Mai 2019 Von Bilbao zur „Dune du Pilat“, der größten Wanderdüne Europas

Der Weg aus Bilbao geht über verschlungene Autobahnen nicht durch die Stadt. Beachtlich diese Straßengestaltung. Nach 100 km Berg- und Talfahrt sind wir an der Grenze zu Frankreich. 3168 km waren wir überwiegend an Spaniens Küsten unterwegs, adios Land der stolzen, schönen Menschen, der Olivenhaine und Orangenplantagen, der Kreisverkehre und Fußgängerüberwege.

Nun geht es nördlich Richtung Bordeaux. Die Berge hören auf und wir fahren durch flaches Küstenland. Auf der Autobahn haben uns sofort die Mautfänger in ihren Fallen. Französische Autobahnen sind ein teures Pflaster. Am Parkplatz der Düne angekommen, finden wir bestätigt, was wir schon gelesen haben, übernachten ist hier nicht erlaubt.

Da wir nach 16 Uhr ankommen,entspannt sich die Parksituation schon und wir finden gut Platz. Dann steigen wir auf die Dune du Pilat, (auch Grande Dune du Pilat) genannt. Sie liegt direkt an der Atlantikküste bei Arcachon in der Nähe von Bordeaux und sie ist die größte Wanderdüne Europas.

Sie hat einen Nord-Süd-Verlauf und ist bis zu 110 Meter hoch, 500 Meter breit, etwa 2,7 Kilometer lang (geschätztes Volumen 60 Millionen Kubikmeter Feinster Sand). Auf der Westseite (zum Meer) hat sie eine Steigung zwischen 5° und 20°, die Ostseite fällt stark ab (30° bis 40°).

Die Düne hat eine reine Sandfläche von 135 Hektar, der umliegende Wald etwa 4000 Hektar. Da diese Gegend von großem ökologischem Interesse ist, wurde sie 1978 zum Naturschutzgebiet erklärt. Die Entstehungsgeschichte umfasst einige Jahrtausende. Das Meer, der Wind, die Strömungen, Stürme und Gezeiten sowie letztlich auch der Mensch trugen zur Entwicklung der Düne bei.

Ihre innere Struktur verrät ihre lange Evolution, die sich über etwa 18.000 Jahre zurückführen lässt. Die verschiedenen aufeinander folgenden Klimata und Vegetationen lassen sich im Inneren ablesen. Das Meeresniveau lag vor 18.000 Jahren 120 Meter unter dem heutigen. Am damaligen Strand legten sich Schotter, verschiedene Arten Sand und Kies ab. Als dann mit dem Ende der letzten Kaltzeit die Schnee- und Eisschmelze begann, in deren Folge der Meeresspiegel stieg, bedeckte er diese Materialien. In der folgenden Periode ließ das Meer feine Sedimente an den Küsten zurück. Starke Winde wirbelten diese auf und wehten sie an höher gelegene Landebenen. Die Dune du Pilat entstand damals durch die Überlagerung zweier anderer Dünensysteme.

Die ersten grundlegenden Forschungen fanden im Jahr 2000 statt, als Teile der Düne wegen Wind und Gezeiten erodierten. Man konnte vier verschiedene Schichten erkennen und untersuchen:

1. Es fanden sich graue silikatartige, organische und eisenhaltige Steine sowie Torf, Stämme und Äste, die sich in ausgezeichnet konserviertem Zustand befanden. Über eine Untersuchung der Pollen konnten die Wissenschaftler bestimmen, dass Pinien, Haselsträucher, Erlen, Birken und Weiden dieses sumpfige Gebiet bedeckten.

2. Die zweite Schicht befindet sich vier Meter oberhalb des Meeresspiegels. 4000 vor Christus transportierten starke Winde feinen Sand zu diesem Wald. Einige kleine Dünen zeichnen sich ab. Weiter im Landesinneren muss es Sümpfe und einen Teich gegeben haben.

3. Die dritte Schicht (20 bis 40 Meter) besteht aus Parabeldünen. In ihnen fand man Feuersteinerzeugnisse, die auf etwa 1000 vor Christus datiert werden, sowie Tongeschirr und Münzen aus dem Mittelalter.

4. Die vierte Schicht zeigt die Bedeckung der Parabeldünen mit den Barchanen (auch sichelförmig, jedoch zeigen die Enden zum Wind). Im 18. Jahrhundert war die Hafeneinfahrt zum Becken von Arcachon mit Inseln blockiert; das nordwestlich gelegene Cap Ferret rückte um mehr als 4000 Meter langsam nach Süden vor, was mit dazu beitrug, dass die Düne sich so formieren konnte, wie sie sich heute darstellt.

Die starken Winde transportierten weiterhin kubikmeterweise erodierten Sand zur Düne, ließen sie auf 118 Meter anwachsen und trieben sie so in unterschiedlicher Geschwindigkeit (zwischen einem und fünf Meter pro Jahr) nach Osten.

1994 entschied man, den nördlichen Teil der Düne zu stabilisieren. Man änderte mit Planierraupen das Profil der Düne, stellte kleine Palisadenzäune auf und pflanzte Ginster, Sträucher und Pinien. Nach fünf Jahren zeigte sich, dass dieses Projekt Erfolg hatte. Die Vegetation hatte die Düne am nördlichen Teil gefestigt und sie auf ihrem Weg zu den Häusern aufgehalten.

Im Gegensatz dazu gelangt eine Menge Sand an den südlichen Teil. Die Düne ist sehr aktiv. Es entstand eine Bresche, durch die der Wind pfeift und die 1994 aufgestellten Zäune zerstörte. Dort verschlingt die Düne weiterhin ungehindert den hinter ihr liegenden Wald.

Die Düne besuchen jedes Jahr deutlich mehr als eine Million Touristen. Sie gilt damit als das Naturdenkmal mit den zweitmeisten Besuchern in Frankreich. Über die steile Ostflanke kann man durch den tiefen Sand auf den Gipfelkamm klettern, ebenso über eine Treppe an der nordöstlichen Ecke. Von hier oben haben wir einen tollen Blick auf das Meer, die ganze Düne und die vorgelagerten Sandbänke, die bei Sturm die Nahrung für die Düne liefern.

Der Sockel der Düne ist größtenteils von Kiefernwald umgeben. Die Touristenattraktion ist auf der Rückseite mit Parkplätzen und drei direkt angrenzenden Campingplätzen erschlossen, die uns aber zu teuer sind. Deshalb suchen wir uns einen Stellplatz am Dordognefluss.

Wir fahren östlich an Bordeaux vorbei Richtung Paris und biegen an der Abfahrt 41 in das am Fluss liegende Weingebiet ab. Wir finden das Château Ester, mit einem schöne Stellplatz mitten im Weinanbaugebiet!

Sonnenaufgang über Bilbao

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