Dietmar und Geli Unterwegs
Reisetagebuch unserer Wohnmobil-Reise an den Küsten Spaniens und Portugals

15. Mai 2019 In Bilbao

Mit dem Bus fahren wir vom Stellplatz 30 Minuten durch enge, steile Straße Richtung Altstadt von Bilbao. Die Busfahrer sind nicht zu beneiden für ihren Job, aber zu bewundern.

Die Altstadt von Bilbao – Casco Viejo

Ein Kontrastprogramm zur Neustadt ist das historische Zentrum, das Casco Viejo am rechten Flussufer. Der zentrale Platz Plaza Nueva markiert den Norden der Altstadt. Südlich davon liegt die Kathedrale von Bilbao. Hinter dieser Kirche befindet sich das Viertel der Siete Calles, dem ältesten Teil der Altstadt. Die “sieben Gassen” bilden das beliebte Kneipenviertel, welches sich bis an den Fluss hinunter zieht. Direkt am Ufer liegt die große, neu aufgeputzte Markthalle Mercado de la Ribera. Alle perfekt hygienisch ausgestattete Stände auf zwei Etagen für Fisch, Fleisch, Käse, Gemüse, Backwaren machen Lust auf Einkaufen. Im Untergeschoss ist eine Bar, im Keller die Tiefgarage. Die Fassaden sind mit Kacheln verziert, die Fenster mit bunten Glasmustern. Wirklich ein Schmuckstück.

In einer Ecke der Halle ist eine Ausstellung mit Vergleichsfotos über die Entwicklung der Stadt in den letzten 100 Jahren, auch von der Markthalle. Sehr beeindruckend. Wir durchschlendern alle Gassen und staunen, wieviel kleine Modeboutiquen für Damen und Kinder es gibt mit reizenden, individuellen Modellen, vor allem für die ganz Kleinen.

An den unterschiedlichen Balkon- und Fassadengestaltungen können wir uns nicht satt sehen. Zwischen 13.30 und 16.30 ist Siesta und die meisten Läden sind geschlossen. Da werden die Heinzelmännchen der Stadtreinigung aktiv. Mit großen Staubsaugern werden Papier und Kippen aufgesaugt, mit LKWs Pappe und Müll der Händler entsorgt, mit Kärchern werden die Bänke, Mülltonne, Hauswände vom Hundepipi abgespritzt und die kleinen Rundbesenfahrzeuge kehren in allen Gassen. So eine Reinigungsarmada haben wir noch nirgendwo gesehen.

Bei einem Blick nach oben durch manche Gassen können wir sehen, dass Bilbao rundherum von grünen Bergen umgebene ist, es liegt wie in einem Kessel am Ufer des verschlungen Rio Bilbao. Die Gezeiten des Golfes wirken sich am Fluss bis zur Altstadt aus.

Die Stadt ist bekannt für das von Frank Gehry entworfene Guggenheim-Museum, das im Jahr 1997 eröffnet wurde und der Stadt neues Leben einhauchte. Das Museum beherbergt berühmte moderne und zeitgenössische Kunstwerke; es ist ein geschwungenes, mit Titan verkleidetes Gebäude, das alle Blicke auf sich zieht.

Für uns ist es zu weit weg von unserer Busstrecke. Wir sehen es nur von unserem Stellplatz.

Die Geschichte der Stadt ist wechselhaft. Diego López V de Haro gründete die Stadt an der Mündung des Nervión am 15. Juni 1300. Zum Zeitpunkt der Gründung befand sich dort, wo heute Bilbao la Vieja steht, ein kleines Dorf von Eisenschmieden, Seeleuten und Bauern.

Die Landwirtschaft verschwand mit der Zeit, aber das Eisen und das Meer haben sich als bestimmende Elemente Bilbaos im Laufe der Geschichte erhalten.

Das hochwertige Eisenerz der nahen Bergwerke wurde schon von den Römern geschätzt und ausgebeutet. Die Tatsache, dass die Mündung ein großes Stück weit schiffbar ist, machte es möglich, im darin gelegenen Hafen, der sicherer war als jene an der Küste, die Waren Kastiliens zur Ausfuhr nach Europa zu verladen.

Auch wenn schon Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Bau der ersten Hochöfen begonnen wurde, sollte die Entwicklung Bilbaos erst 1874 richtig anlaufen. Damals vereinigten sich die Gemeindebezirke von Abando und Begoña, es erfolgte die planmäßige Erweiterung des Stadtkerns, und so bedeutende Gebäude wie das Theater Arriaga, die Börse oder die Alhóndiga (ehem. Wein- und Spirituosenlager) wurden erbaut.

Im Jahr 1886 wurde die Universidad de Deusto gegründet. Die industrielle Entwicklung an der Flussmündung, die Gründung von Eisenhütten und Schiffsbauunternehmen, förderten das Bankwesen und den Handel und machten Bilbao zur Hauptstadt der baskischen Wirtschaft.

Der industrielle Niedergang ab den 1970er Jahren hat sich in der Region stark bemerkbar gemacht. Allerdings gelang es der Stadt, ihre wirtschaftlichen Aktivitäten zu diversifizieren (umzuwandeln, zu modifizieren) und seit Anfang der 1990er Jahre vom Image einer hässlichen, grauen, schmutzigen Stadt loszukommen, das ihr jahrzehntelang anhing.

Der inzwischen Bilbao-Effekt (auch: „Guggenheim-Effekt“) genannte Boom versetzte die durch eine hohe Arbeitslosigkeit belastete Industriestadt Bilbao in einen prosperierenden (gedeihlichen) Taumel, der sich auch auf das ganze Land auswirkte. Voraussetzung war die Integration der sich über 15 Kilometer entlang der Trichtermündung des Nervión hinziehenden heterogenen Stadtteile, die zusammenhanglos existierten.

Ein wichtiges Element der Modernisierung und Verbindung war die von Sir Norman Foster geplante Metrostrecke. Deren puristisches Design erhielt eine „Liebeserklärung“: Die Bilbaínos tauften die Abgänge „Fosteritos“.

Die Stadt macht heute einen freundlichen, hellen und sauberen Eindruck mit schönen Erholungsparks rundherum. Der Fernverkehr wird über riesige Autobahnknoten um die Stadt herumgeführt.

Von unserem Bergstellplatz blicken wir auf das neue Estadio de San Mamés.  Es ist seit 2013 die neue Heimspielstätte von Athletic Bilbao. Mit rund 50.000 Plätzen. Das neue Stadion wurde unmittelbar neben dem alten San Mames von 1913 errichtet. Ähnlich wie die Allianz Arena in München ist auch das Stadion von Atlético Bilbao mit LED-Leuchten an der Außenwand ausgestattet, die in den rot-weißen Vereinsfarben leuchten. Wenn ein Tor fällt, blitzt die Außenhaut auf.

Das San Mamés wurde im September 2014 als eines von zwölf europäischen Stadien für die Fussball-Europameisterschaft 2020 ausgewählt. Das Stadion ist für drei Gruppenspiele und eine Partie im Achtelfinale vorgesehen. Bilbao hat sich von einem hässlichen Entlein zu einem stolzen Schwan gemausert.

Wir sind angenehm beeindruckt und freuen uns das wir diesen Ort für unseren Aufenthalt ausgewählt haben.

Die Markthalle

Das Theater

Der Bahnhof

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