Dietmar und Geli Unterwegs

29. Juni 2019 Moskau – Christi Erlöser Kathedrale und Prominentenfriedhof

Wir können heute ausschlafen, unser Stadtprogramm beginnt erst nach dem Mittagessen.

Der Regen hat immer noch keine Lust aufzuhören.

So quälen wir uns mit dem Bus wieder durch die verstopfte Stadt und lauschen den interessanten Ausführungen unserer Stadtführerin.             Wir bekommen von ihr bestätigt, dass die Menschen sicher nicht mit allem einverstanden sind, was politisch im Land entschieden wird. Aber wenn irgend jemand von außen versucht, das Land zu spalten oder zu belasten,  z.B. durch Sanktionen, dann rücken alle zusammen und entwickeln Ideen, um ihr Land zu stärken.                                                                                   Überall erleben wir eine heiße Heimatliebe.

Bei der Christi Erlöser Kathedrale angekommen bewundern wir wieder, mit welcher Detailtreue die neue Kirche der alten gleicht.                                    Die Christ-Erlöser-Kathedrale gilt als das zentrale Gotteshaus der Russische-Orthodoxen Kirche und gehört mit 103 Metern zu den höchsten orthodoxen Sakralbauten weltweit.                                                                        Die am linken Ufer der Moskwa westlich des Kremls stehende Kathedrale wurde ursprünglich 1883 erbaut, während der Stalin-Diktatur 1931 zerstört und von 1995 bis 2000 weitestgehend originalgetreu wiederaufgebaut.     Die Geschichte des Bauwerkes ist sehr interessant:                                       Anlass für ihren Bau war der Sieg Russlands über Napoléon Bonaparte im sogenannten Vaterländischen Krieg von 1812.                                                  Mit der Errichtung einer monumentalen orthodoxen Kathedrale, die in ihren Ausmaßen alle bisherigen russischen Kirchenbauten in den Schatten stellen sollte, wollte der damalige Zar Alexander I. die Dankbarkeit für den hart und verlustreich errungenen Sieg ausdrücken und zugleich die Macht und die überragende Größe des Russischen Kaiserreiches demonstrieren.    Die Errichtung von Kirchenbauten als Zeichen der Dankbarkeit für historische Siege Russlands war im Zarenreich eine jahrhundertelange Tradition.                                                                                                                     Der 1. Entwurf von 1817 sah wegen der angestrebten Monumentalität der neu zu bauenden Kathedrale vor, sie auf den 70 Meter hohen Sperlingsbergen zu errichten, wodurch die Kathedrale innerhalb Moskaus praktisch von überall aus sichtbar sein sollte.                                                    Der Entwurf sah ein für Russland bis dahin einmaliges, mit ausgedehnten säulengestützten Portalen versehenes Kirchenbauwerk von fast 250 Metern Höhe vor, dessen Kuppelkonstruktion an den Petersdom in Rom erinnern sollte. Allerdings konnte der Entwurf nicht verwirklicht werden. Der Baugrund auf den Sperlingsbergen erwies sich als zu weich und instabil für ein Gebäude dieses Ausmaßes. 1832 stellte der renommierte russisch-deutsche Architekt Konstantin Thon (1794–1881) einen neuen Entwurf für den Kirchenbau dem Zaren Nikolaus I. vor.                                          Architektonisch unterschied sich der neue Entwurf vom alten erheblich: Die Kathedrale sollte an die traditionelle, russisch-byzantinische Bauweise für orthodoxe Sakralbauten anknüpfen und sich damit harmonisch in das Gesamtbild des Moskauer Stadtkerns einfügen. Am 10. April 1832 billigte der Zar den Entwurf Thons.                                                                                    Da sich auf dem Baugrundstück zu dieser Zeit ein Frauenkloster befand, was die Nonnen nicht verlassen wollten, verzögerte sich der Baubeginn noch um mehrere Jahre.                                                                                         Die feierliche Einweihung der Christ-Erlöser-Kathedrale war ursprünglich für das Jahr 1881 geplant, da die Kathedrale zu dieser Zeit bereits weitgehend fertig war.                                                                                          Allerdings verhinderte die Ermordung des Zaren Alexander II. im März jenes Jahres die Zeremonie. Erst zwei Jahre später fand die Einweihung zusammen mit der Krönung seines Nachfolgers, Alexander III., am 26. Mai 1883 statt. Begleitet wurde sie von einem Feuerwerk und einem Glockengeläut sämtlicher Moskauer Kirchen.                                                        Seit ihrer Einweihung war die Kathedrale das Zentrum des russisch-orthodoxen Lebens.                                                                                                    Die Kathedrale blieb nach der Revolution zunächst noch bestehen. Endgültig besiegelt wurde das Schicksal der Kirche einige Jahre später, nachdem beschlossen wurde, auf dem Grundstück der Kathedrale den monumentalen Palast der Sowjets errichten zu lassen. Der Kirchenbau, der dem neuen Palast weichen sollte, wurde daraufhin geschlossen und ausgeräumt und am 5. Dezember 1931 gesprengt.                                            Nach Kriegsende verlor jedoch das Vorhaben für den Palast seine ursprünglich Priorität und war nach Stalins Tod 1953 Geschichte. Stattdessen wurden die Fundamente für die Errichtung des Freibades Moskwa genutzt. Dieses wurde 1960 fertiggestellt und bot Bademöglichkeiten in einem ganzjährig beheizten Schwimmbecken.          Mit der zunehmenden Wiederkehr der orthodoxen Kultur in der Sowjetunion Ende der 1980er Jahre während der Perestroika wurde in der Öffentlichkeit immer häufiger die Wiedererrichtung der Erlöserkathedrale und ihre Wiedereinrichtung als religiöses Zentrum Russlands gefordert. 1990 bildete sich eine Bürgerinitiative für den Wiederaufbau.                  Kurze Zeit später wurde das inzwischen marode gewordene Schwimmbad abgerissen. Am 7. Januar 1995 erfolgte an seiner Stelle die Grundsteinlegung für den Neubau.                                                                        Um den Nachbau möglichst originalgetreu zu halten, wurde nicht nur auf alte Entwürfe und Skizzen zurückgegriffen, sondern auch auf Erinnerungen von Zeitzeugen und auf zahlreiche Fotos des alten Bauwerks. Da die Grundmauern nicht wie ursprünglich aus einzelnen Backsteinen, sondern aus Stahlbeton errichtet wurden, gelang der Wiederaufbau mit fünfeinhalb Jahren wesentlich schneller als der Bau des Originals.             Am 31. Dezember 1999, symbolisch zum 2000. Jahrestag der Geburt Christi, wurde die neue Kathedrale erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der Regen hat nachgelassen als wir die Kathedrale verlassen.

Unser nächstes Ziel ist der Prominentenfriedhof am Jungfrauenkloster, das zur Zeit wegen Renovierung geschlossen ist.

Auf dem Friedhof sind bekannte Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft, Politik, Militär und ihre Angehörigen bestattet. Die Menschen verehrten sie noch nach Jahrzehnten und pflegen ihre Gräber. Es gibt sehr große und unscheinbare Gräber, aber jedes hat seine Geschichte. Einige Persönlichkeiten sind auch uns bekannt. Und es wäre sicher spannend, länger zu verweilen.

Aber unser Schiff will heute noch ablegen und so müssen wir zurück fahren.

Um 17.30 Uhr heißt es:

AUF WIEDERSEHEN MOSKAU!

Unser Schiff „Ivan Bunin“ setzt sich Richtung Norden auf dem Moskau-Wolga-Kanal in Bewegung.                                                                                        Der Kanal wurde von 1932 bis 1937 gebaut zur besseren Wasserversorgung und Stromerzeugung für Moskau und zur Anbindung an die Wolga, um damit einen schiffbaren Weg zu haben von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer. Der Kanal ist 125 Km lang, 5,5m tief und 85 m breit. Es gibt 6 Schleusen mit 8 bis 11m Höhenunterschied. Dabei werden aus der Kammer 70.000 Kubikmeter Wasser heraus gelassen. Die Fahrt durch den Kanal dauert ungefähr 12 Stunden.

Am Abend erfahren wir noch einiges über den Namensgeber für unser Schiff, Iwan Alexejewitsch Bunin.

Er ist ein russischer Schriftsteller und er wurde am 22. Oktober 1870 in Woronesch geboren. Bunin führte die Tradition der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts fort. Bekannt wurde er vor allem durch seine realistische Prosa, deren Hauptthema das Leben im ländlichen und provinziellen Russland vor der Oktoberrevolution war. 1933 erhielt Bunin als erster Russe den Nobelpreis für Literatur. Er stammte aus der adligen Familie eines verarmten Offiziers und verbrachte seine frühe Kindheit auf dem letzten verbliebenen Gehöft der Familie in der Nähe von Orjol. Er verdiente seinen Lebensunterhalt unter anderem als Bibliothekar und Redakteur einer Zeitschrift. Diese druckte 1891 auch erste Erzählungen von ihm ab. Bunin selbst sah den Beginn seiner ernsthaften schriftstellerischen Arbeit 1893 in der Erzählung Tanka.                                                                   1895 übersiedelte er nach Moskau. Schnell wurde er in die dortigen Künstlerkreise aufgenommen und so machte Bunin Bekanntschaft mit Tolstoi, Tschechow und jüngeren Schriftstellern. Reisen durch die Ukraine führten Bunin seit 1895 unter anderem auf die Krim; aus dieser Zeit stammt seine Korrespondenz mit Tschechow.                                                                  Seit 1899 unterhielt er außerdem Briefkontakt zu Maxim Gorki.                        Die 1900 erschienene Erzählung Antonowskije Jabloki (Die Antonäpfel) markiert den Beginn des schriftstellerischen Erfolgs Bunins: Sie beschreibt in poetischer Weise Landleben des alten Russland und wurde später in allen russischen Lesebüchern abgedruckt.                                                        Auf Capri verbrachte er die Winter der Jahre 1912 bis 1914 gemeinsam mit Maxim Gorki.                                                                                                          Bunins reifere Erzählungen wandten sich thematisch dem „historischen Schicksal Russlands“ und dem Niedergang des russischen Dorfes zu.            In der Revolution 1905 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs sah Bunin deutliche Vorzeichen für den Untergang Russlands.                                     Nach der Oktoberrevolution verließ Bunin 1918 Moskau und zog sich zunächst nach Odessa zurück, bevor er Russland 1919/1920 mit dem letzten Schiff Richtung Frankreich verließ und sich in Grasse ansiedelte. Als einer der letzten Dichter der „Klassikergeneration“ um Tolstoi und Tschechow fand er in der Emigration Bewunderung und Anerkennung; seine Arbeiten aus dieser Zeit sind von entschiedener Ablehnung der Oktoberrevolution und der Sowjetunion geprägt. Darüber zerbrach die Freundschaft mit Gorki.                                                                                                                             In den Jahren 1945 und 1946 erwog er eine Rückkehr in die Sowjetunion, doch blieb er letztlich im Pariser Exil bis zu seinem Tode am 8.11.1953.          Nach seinem Tode wurde Bunin 1956 in der Sowjetunion rehabilitiert, und ein Großteil seiner Werke durfte dort wieder erscheinen.

Wir sind inzwischen weit in den Kanal hinein gefahren und genießen die Ruhe der Natur.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.