Dietmar und Geli Unterwegs

30.06.2019 Auf der Wolga erreichen wir Uglitsch

Am Morgen haben wir den Kanal bei Dubna verlassen und fahren jetzt auf der Wolga beziehungsweise dem Wolgastausee. Die Wolga ist bis hierher aus den Waldaibergen über Twer immer nach Osten geflossen und wendet sich jetzt nach Norden.

Endlich gibt es keinen Regen mehr und ganz Mutige sonnen sich bei 8 Grad Morgentemperatur auf einem Nachbarschiff.

Bevor wir am Nachmittag Uglitsch erreichen, werden wir über Techniken russischer Handwerkskunst informieren. Uns wird erst jetzt bewusst, welche Schätze wir schon von früheren Reisen mit nach Hause gebracht haben.

Als wir an der Stadt Kaljasin vorbei fahren, sehen wir in der Mitte des Stausees einen Glockenturm aus dem Wasser herausragende, die Überreste einer Kathedrale. Der Großteil der Stadt liegt auf dem Seegrund.

Unsere Germanistikstudentinnen Karina und Swetlana zeigen uns eindrucksvoll welche aufwendige Handarbeit das Chochloma Geschirr ist. Durch eine spezielle Lackschicht ist das Geschirr und Besteck resistent gegen heißes Wasser und Alkohol.

Die Geschichte des Geschirrs aus Lindenholz reicht über 300 Jahre zurück und hat ihre Wurzeln in der Ikonenmalerei. Die Geheimnisse der Farbgebung, insbesondere die Goldgrundierung wurde von Generation zu Generation weitergegeben.

Am Nachmittag erreichen wir dann das Städtchen Uglitsch, das direkt an der Wolga liegt und einige sehenswerte Kirchen hat.

Eine begeisterte Stadtführerin bringt uns die Geschichte ihrer Stadt nahe.

Uglitsch hat 40.000 Einwohner. Die Menschen lebten hier zu Sowjetzeiten von der Uhrenindustrie. ( 10.000 Beschäftigte).Nun arbeiten noch 200 Personen dort.

Jetzt kommen die Uhren aus China und die Leute müssen bis Moskau zur Arbeit fahren.

Da ist man über die Touristen froh. Sie bringen ein bisschen Geld.

Uglitsch wurde im Jahre 937 erstmals erwähnt und ist eine der Städte des Goldenen Ringes um Moskau. Der Name der Stadt stammt nach Meinung einiger Historiker vom russischen Wort ugol – Ecke – ab, da die Wolga nahe der Stadt einen knickähnlichen Bogen macht.

Während der Zeit der mongolischen Eroberungszüge im europäischen Russland im 13. Jahrhundert wurde die Stadt mehrmals niedergebrannt und verwüstet. Nach 1450 hatte Uglitsch zeitweise eine überregionale Bedeutung als Handelszentrum und prägte auch eigene Münzen. Ebenfalls im 15. Jahrhundert ließ Fürst Andrej einen Kreml in der Stadt errichten, also eine für altrussische Städte typische, mit einer Mauer und Wachtürmen umgebene Festung.

Nach dem Tode Iwans des Schrecklichen kamen seine Frau Maria und sein Sohn Dmitri nach Uglitsch. Dort kam Dmitri 1591 unter ungeklärten Umständen ums Leben. Vermutet wird, dass Regent Boris Godunow ihn ermorden ließ, um die Familie der Rurikiden auszulöschen und selbst Zar zu werden.

An der Stelle, an der Dmitri starb, errichtete die Stadt im Jahre 1692 die Demetrios-Kirche. Der russische Dichter Alexander Puschkin griff dieses Thema in seinem Drama Boris Godunow auf.

1611 wurde Uglitsch erneut verwüstet, diesmal von den Truppen Pseudodimitri des II., die vom polnisch-litauischen Szlachcic Jan Piotr Sapieha angeführt wurden. Nach der Befreiung der Stadt konnte sie in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erneut einen wirtschaftlichen Aufschwung als Handelsstadt verbuchen, auch entstanden in dieser Zeit in Uglitsch mehrere steinerne Kirchengebäude.

Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein gab es in Uglitsch kaum Industrie.

Erst in der Zeit nach der Oktoberrevolution begann sie sich hier zu entwickeln, nachdem in den 1930er-Jahren nahe Uglitsch ein Wasserkraftwerk errichtet wurde. Allerdings fielen dem Kraftwerksbau mehrere alte Kirchengebäude und ein Kloster zum Opfer. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in Uglitsch mehrere Industrieobjekte.

Im November 2008 wurde ein Kabelwerk der französischen Firma Nexans in Betrieb genommen.

Einige der bekanntesten Bauten sind neben dem Kreml das Kloster Mariä Schutz und Fürbitte (1483) und die Erlöserkathedrale (1485). Sie stammen beide aus der Blütezeit der Stadt.

Auf dem Rückweg versuchten die Einwohner mit ein bisschen Kunst und Kultur die Touristen zum Geld-Ausgeben zu bewegen.

Dank des freundlichen Wetters waren alle milde gestimmt und ließen sich zu Käufen bewegen.

Abends auf dem Schiff wurde es bei lauter Folkloremusik noch sehr ausgelassen.

Die Natur zauberte an den Abendhimmel noch einen Regenbogen und wunderbares Abendrot über den Stausee bis 23.30 Uhr. Um 2 Uhr morgens wurde es schon wieder hell. Wir kommen in das Gebiet der „Weißen Nächte“. Wir lieben diese Zeit in diesen Regionen !

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