Dietmar und Geli Unterwegs

13.Oktober 2026 Der erste Tag in Padua

In Triest geht es vom Stellplatz auf schmalen Straßen steil nach unten Richtung Hafen,

denn wir verpassen eine Auffahrt nach Venedig. Als wir uns im Hafen wiederfinden, müssen wir uns neu sortieren, um dann die Autobahn aus der Stadt heraus zu finden.

Im großen Bogen geht es wieder steil nach oben auf ein riesiges Betongebäude zu, das Triester Krankenhaus. An der Karstkante angekommen, sind wir erneut im Flachland und es bleibt uns ein traumhafter Blick auf das blaue Meer tief unter uns. Nun führt uns die Autobahn erst nach Norden Richtung Udine und dann nach Westen an Venedig vorbei bis Padua.

Die Stadt liegt am Rand der Po-Ebene, 30 km westlich von Venedig, am Fluss Bacchiglione und hat 208.000 Einwohner. 

Wir finden am nördlichen  Rand der Stadt einen großen Stellplatz und werden von dem netten Platzwart in alle technischen Möglichkeiten des Platzes eingewiesen. 

 

Ganz in der Nähe ist die Endstation der einzigen Strassenbahn Paduas, die mitten durch das Zentrum der Stadt fährt. 

Die Translohr Padua, französisch für Straßenbahn auf Gummirädern, besteht aktuell aus einer Strecke, SIR 1, die den Norden der Stadt mit dem Süden verbindet und dabei den Fernbahnhof bedient und dann durch das historische Stadtzentrum fährt. Sie ist seit 2007 in Betrieb und heute 10,3 Kilometer lang mit 26 Haltestellen. Die Bahnen verkehren im 6-Minuten-Takt, eine Fahrt kostet 1.70€ und an den Haltestellen sind überall Ticketautomaten. 

Für die Zukunft wird an zwei weitere Strecken gebaut. 

Wir kaufen vier Tickets und steigen in die Bahn. 

Mitten in der Innenstadt verlassen wir die Tram und fühlen uns sofort in einer typischen italienischen Stadt aufgenommen, im Gegensatz zu Triest, das den Atem einer kühlen habsburgischen Stadt verströmte.

Nach wenigen Seitengassen befinden wir uns im Zentrum der Stadt und begegnen  jungen Leuten mit Lorbeerkränzen auf dem Kopf, die mit Freunden unterwegs sind. Was bedeutet das? Sie feiern ihren Universitätsabschluss. Es handelt sich dabei um eine tief verwurzelte italienische Tradition. Das Phänomen lässt sich durch folgende Bräuche erklären: 

Wer in Italien sein Studium erfolgreich abschließt, wird offiziell zum Laureato(Akademiker) . Das Wort leitet sich vom lateinischen Laurus (Lorbeer) ab. Bereits im antiken Rom wurden Sieger und Dichter mit Lorbeer gekrönt. In Italien, und ganz besonders an der traditionsreichen Universität Padua, wo dieser Brauch seinen Ursprung haben soll, bekommt jeder Absolvent direkt nach der Verteidigung der Abschlussarbeit von Freunden oder der Familie einen solchen Kranz aufgesetzt. 

Jetzt merken wir erst, wie viele junge Leute hier unterwegs sind, denn

Padua ist eine berühmte Universitätsstadt mit einer der traditionsreichsten Hochschulen Europas, die schon im Jahr 1222 gegründet wurde und damit zu einer der ältesten europäischen Universitäten  nach Bologna (gegründet 1088) und Modena (gegründet 1175) gehört. 

Wir kommen auf den  belebten Piazza della Frutta, wo noch immer Obst, Kräuter, Gemüse und vieles mehr verkauft werden. 

Auf der anderen Seite eines sehr langen Gebäudes liegt der Scala delle Erbe, der Kräutermarkt. 

Mit 82 Metern Länge und 27 Metern Breite ist der  Palazzo della Ragione, der ehemalige Sitz der städtischen Gerichte von Padua, einer der größten stützenlosen Säle in Europa.

Das Gebäude, das als eines der berühmtesten zivilen Bauwerke Europas zur Zeit der Kommunen gilt, wurde ab 1218 mit dem Ziel errichtet, die Märkte zu trennen und neu zu organisieren und außerdem einen Sitz für die Rechtspflege zu schaffen.

Zwischen 1306 und 1308 wurden drei großen Räume in einen einzigen Saal umgewandelt und das Dach in Form eines umgedrehten Schiffsrumpfs aus Holz gestaltet.

Der Maler Giotto und seine Werkstatt wurden beauftragt, die Wände mit Fresken zu bemalen; der Bilderzyklus wurde jedoch 1420 durch ein Feuer zerstört.
Die Fresken wurden später restauriert. Der Freskenzyklus ist einer der sehr seltenen mittelalterlichen astrologischen Zyklen, die bis heute erhalten sind. Die Verbindung zwischen den Gemälden und der Funktion des Ortes erklärt das Vorhandensein von Tierfiguren, die die Insignien der Gerichtssitze darstellten.

Im Saal steht ein große Holzpferd, das ein reicher Edelmann im 16. Jh. für ein festliches Ritterturnier angefertigen ließ und dann der Stadt stiftete.

In dem großen Saal hängt ein Foucaultsches Pendel. Es besteht aus einem 20 Meter langen Stahlseil und einer 13 Kilogramm schweren Kugel, die durch ihre Schwingung die Erdrotation sichtbar macht.

Unter dem Pendel befindet sich eine kreisrunde Aluminium-Bodenplatte mit einem Durchmesser von gut zwei Metern. Entlang dieses Kreises sind 180 weiße LEDs sowie optische Sensoren angebracht.
Wenn das Pendel schwingt und sich die Erde darunter wegdreht, registrieren die optischen Sensoren die veränderte Schwingungsebene. Beim Vorbeizug der Kugel schalten sich die LEDs schrittweise und nacheinander ein. Jede leuchtende LED markiert dabei ein Zeitintervall von etwa 10 Minuten.
So wird die Erdrotation visuell sichtbar gemacht. Mit der Zeit bildet sich ein wachsender, leuchtender LED-Bogen am Boden ab, der die Drehung der Erde unter dem Pendel exakt dokumentiert.

Die beiden Seitentreppen, die den Zugang zum majestätischen Palazzo della Ragione ermöglichten, wurden nach den ausgestellten und verkauften Waren benannt. 

Am Ende des Scala delle Erbe steht der Torre dell’Orologio, der berühmte astronomische Uhrturm. Die Uhr wurde von einem Astronomen 1344 gebaut und ist die älteste funktionierende astronomische Uhr auf einem Turm.

Auf dem eleganten blauen Zifferblatt sind die Tierkreiszeichen und die Umrisse der ptolemäischen Theorie, das astronomische System, das die Erde in den Mittelpunkt des Universums stellte, abgebildet.    

Der 30 Meter hohe Turm hat fünf Innengeschosse: In den ersten drei befinden sich Teile des Uhrwerks, in den beiden anderen wohnten der Uhrmachermeister, der Wächter und der Verwalter des astronomischen Werks. 

Wir sind von allem sehr beeindruckt und beschließen den Abend dann mit einer Pizza. 

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