Dietmar und Geli Unterwegs

07. und 08.07.2026 Altstadt von Česky Krumlov

Wir verlassen Rossatz Richtung Aggstein und schauen immer nach links und rechts, ob wir pflückbare Marillen sichten.

Die Wachau, immer wieder schön

Es werden schon welche verkauft, aber die große Ernte hat noch nicht begonnen.

Es ist noch eine Woche zu zeitig. Also lassen wir uns überzeugen, verzichten auf’s Selberpflücken und kaufen drei Kilo.

Sie sind sehr lecken. Dann geht’s zurück nach Krems, über die Donau, durch die Ausläufer des Wiener Waldes hoch zu den Böhmischen Bergen. Die Architektur der österreichischen und böhmischen Dörfer unterscheidet sich deutlich. In Österreich dominieren Einzelgehöfte, in Böhmen sind die Häuser die ganze Straße entlang unmittelbar aneinander gebaut. 
Am Nachmittag führt uns die Straße aus den böhmischen Bergen hinab ins Moldautal.

Česky Krumlov, Burg

Wir fahren um die Altstadt von Cesky Krumlov und landen am Moldaucamp, direkt am Fluss, wo reges Treiben herrscht, denn hier starten und landen ganz viele Flussurlauber mit ihren Booten und Zelten.

Wir finden einen Platz oberhalb der Zelterwiese und können das Treiben aus der ersten Reihe beobachten. 
Am späten Nachmittag machen wir und auf den Weg in die Altstadt von
Český Krumlov.

Es ist ein Städtchen mit mittelalterlichem Charme. 
Über eine Brücke gelangen wir vom Burg- und Schlossareal in die fabelhafte Altstadt, die einzigartige Bürgerhäuser, romantische mittelalterliche Häuschen und Kneipen zu bieten hat. Bemerkenswert ist die St.-Veits-Kirche, in der sich die Familiengruft des Adelsgeschlechts der Rosenberger befindet. 

Bei einem gemütlichen Abendessen in der „Alten Mühle“ können wir die fünfstöckige Mantelbrücke bewundern, die die Obere Burg mit dem Schlosstheater verbindet.

Ausserdem beobachten wir die verrückten Flösser, die wagemutig Touristen über das Wehr der Moldau jonglieren. 

Dann lassen wir uns  einfach treiben  durch die Altstadt von Český Krumlov, denn am besten erleben wir den märchenhaften Charakter des historischen Stadtzentrums zu Fuß.

Dabei entdecken wir malerische Gässchen und bunte Bürgerhäuserfassaden und immer wieder den Blick zur Burg.

Die Stadt war einst Herrschaftssitz des Adelsgeschlechts der Rosenberger, die zu den reichsten Adeligen des Königreichs Böhmen gehörten und nach und nach ganz Südböhmen beherrschten. Die Rosenberger trugen zum Fortschritt der gesamten Region bei. 
In einer Strasse entdecke ich das Museum über Egon Schiele. Das werde ich am Mittwoch besuchen. 

In der Nacht tröpfelt es ein wenig und früh herrscht trübes Wetter. 
Wir beobachten das Treiben der Flusswanderer. Alle Handgriffe beim wasserdichten Verpacken der Gegenstände sitzen perfekt, in kurzer Zeit ist alles verpackt und die Familien starten moldauabwärts. 
Am  frühen Nachmittag kommt die Sonne hervor und wir brechen zu dem geplanten Museumsbesuch auf. 

Von Egon Schiele habe ich erstmals etwas gelesen als mir ein Buch über seine Muse und Lebensgefährtin Wally Neuzil in die Hände kam. 

Egon Schiele

Zu Lebzeiten war er ein armer Schlucker. Heute hängen seine Bilder in berühmten Galerien und werden zum Teil mit Millionenbeträgen gehandelt. 

Die Mutter von Schiele lebte in Krumlau. Deshalb zog es ihn immer wieder hierher. Kaum ein anderer Ort inspirierte ihn  so wie Krumau, eine der schönsten Renaissancestädte Europas und architektonisches Juwel ersten Ranges.

Schönheit und Lage inmitten der böhmischen Kulturlandschaft machten diese Stadt seit jeher zum Anziehungspunkt für Maler und Schriftsteller.
Auch Schiele war von Krumau, der Geburts- und Heimatstadt seiner Mutter zeitlebens begeistert; er kannte die kleine Stadt bereits seit seiner Kindheit von Verwandtschaftsbesuchen und auch die Ferien während seiner Akademiezeit verbrachte er in Krumau.

Schon 1906 zeichnete er eines seiner Jugendwerke nach einem hiesigen Motiv: „Das Budweiser Tor in Krumau“; es sollte die früheste bekannte Landschaftsdarstellung Schieles werden.
Nach der Ausbildung begann er, seine eigenen künstlerischen Formen und Inhalte – ausgehend vom Jugendstil und fasziniert vom Expressionismus – zu entwickeln, was ihm vorerst weder finanziellen Erfolg noch gesellschaftliche Anerkennung brachte.
Der Großstadt Wien müde, bezog Schiele im Mai 1910 in Krumau Quartier, um ein neues „Malerleben“ zu beginnen, gefolgt von seinen gleichgesinnten Kollegen. Die drei jungen Künstler erregten durch ihr unkonventionelles Auftreten bald Aufsehen bei der kleinstädtischen Bevölkerung, trotzdem dachte Schiele daran, sich ganz in Krumau niederzulassen.

Dieses an der Moldau gelegene Städtchen mit seinen ineinander geschachtelten Häusern und alten Mauern reizte ihn malerisch, wobei er immer wieder den Blick auf seine Motive von erhöhten Punkten aus suchte. Viele seiner schönsten Städte- und Landschaftsbilder entstanden hier.
Dann reiste er wieder nach Wien. 
Im Mai 1911 übersiedelte Schiele mit seiner Lebensgefährtin Wally Neuzil – früheres Modell von Gustav Klimt – nach Krumau; begeistert bezogen sie das Gartenhaus des kunstsinnigen Kaufmanns Max Tschunko, wo Schiele endlich auch im Freien arbeiten konnte. 
Beide waren fast ohne Geld nach Krumau zurück gekommen. Die lebten sehr frei. Das idyllische Treiben in der Künstlerklause fand jedoch ein rasches Ende. Das in wilder Ehe lebende Paar sowie die Tatsache, dass Schiele sehr junge Mädchen Modell sitzen ließ, empörte die Kleinstädter derart, dass er sich gezwungen sah, Krumau im August 1911 wieder zu verlassen: „Ich will nicht an Krumau denken, so lieb habe ich die Stadt, aber die Leute wissen nicht, was sie tun.“
Dennoch kehrte er immer wieder für kürzere Aufenthalte nach Krumau zurück, skizzierte die Architektur seiner „Stadt am blauen Fluß“ und verarbeitete sie in seinem Wiener Atelier zu großformatigen Krumauer Stadtvisionen.
So ein Hintergrundwissen hilft schon, die Bilder besser zu verstehen. 

Am Abend wird sich der Campingplatz wieder mit Bootstouristen füllen. 
Und wir werden morgen die Heimreise antreten und unsere Südtour 2026 beenden.

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