Dietmar und Geli Unterwegs

10. Juni 2016 Gastfreundschaft im Langartal

Aus 1200 m Höhe fahren wir wieder weg von dem immer noch tosenden Qisildaryo. Um 8.45 Uhr sind schon wieder 32 Grad. Der Qisildaryo begleitet uns noch eine Weile mit unbändiger Wucht. Dann wird das Tal und sein Flussbett breiter und er beginnt sich zu beruhigen. Dörfer und Felder säumen seinen Weg. Die Getreideernte ist in vollem Gange. Am Straßenrand werden Ziegeln getrocknet. Die Schule wird neu gestrichen. Alle Menschen sind in dieser Hitze emsig beschäftigt und trotzdem haben fast alle Zeit uns zu grüßen oder zu winken.

Das nächste Dorf ist ein „Einkaufszentrum“, bis hierher werden wohl die Menschen aus dem Bergdorf zum Einkauf müssen, 14 km von unserem Schlafplatz entfernt und dann noch der Aufstieg in die Berge. Wieder auf der Hauptstraße Shahrisabz – Termiz fahren wir 15 km südlich und biegen dann ins Langartal erneut Richtung Berge ab.

Ein Stausee liegt vor uns, der Qisildaryo wird hier gebändigt. Ganz zahm ruht er jetzt in der Sonne und tränkt einige Tierherden und Unmengen Grashüpfer. Wollen wir noch einmal an seinem Ufer rasten, sogar in ihm Baden? Nein, hier ist es zu heiß zum Verweilen. Wir fahren abermals in die Berge.

Nach weiteren 20 km beginnen herrlich rote Bergmassive mit traumhaften Schluchten. Ein Adler erhebt sich in die Lüfte. Die Flussbetten sind weitestgehend ausgetrocknet. Hier gibt es nur „Frühlingsflüsse“.

Nach weiteren 5 km sind wir im Dorf Langar in 1136 m Höhe und bei 37 Grad angekommen. Katta Langar ist für gläubige Muslime die wahre “ Heimstatt Gottes auf Erden“ und genießt den gleichen heiligen Ruf wie die Stadt Buchara.

Bei einer Bauernfamilie dürfen wir auf den Hof fahren. Sofort werden uns Matten zum Ausruhen auf die Wiese in den Schatten gelegt und das halbe Dorf interessiert sich für uns. Wir schauen der Hausfrau beim Spinnen, der Tochter beim Brot backen und dem Hausherrn beim Bewässern seines Gartens zu. Alles geschieht wie vor 100 Jahren. Keiner kann sich vorstellen, wie einfach die Menschen leben, aber sie sind nicht arm, sie sind reich im Herzen von einer unendlichen Gastfreundschaft. Wir bekommen ein Brot und frische Sauerkirschen.

Abends sehen wir, wie das einzige Huhn in eine kleine Erdhöhle eingesperrte wird. Bei dem gemeinsamen Abendplausch erregt unsere aufblasbare Solarlampe großes Interesse. Sie wäre für die Menschen hier ein echtes Geschenk.

 



  1. Ich bin mal wieder begeistert. Eure Fotos sind toll, aber bestimmt kein Vergleich mit der Wirklichkeit. Weiterhin eine gute Fahrt.
    Monika

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