Dietmar und Geli Unterwegs

1. September 2016 1. Schultag in Irkutsk und ganz Russland

Der Blick aus unserem Hotelzimmer ist so abwechslungsreich, das ist kaum zu beschreiben. Die andere Uferseite der Angara sehen wir immer in einem anderen Licht, mal im Morgenlicht mit Frühnebel durchzogen, mal im grellen Mittagslicht, in der Abendsonne, bei Nacht, dazu eine Eisenbahnlandschaft wie im Miniaturpark und dazwischen Flussschiffe. Bei herrlichstem Sommerwetter gehen wir auf Erkundungstour in die Stadt. Überall sehen wir Hinweise auf das 355. Gründungsjubiläum der Stadt in diesem Jahr. Sie wurde 1661 gegründet. Am Gagarinboulevard sind überall neue Parkbänke anlässlich des Jahrestages mit der 355 darauf aufgestellt worden und in jede Bank ist ein Spruch eines berühmten Menschen eingebrannt worden. Die Russen legen sehr viel Wert auf Erinnerung und kollektives Gedächtnis. Und die Jugend verinnerlicht das und ehrt ihre „Alten“ wie in Sljudjanka, wo auf einer Tafel neben der Traditionslok die Namen aller „Verdienten Eisenbahner“ der Region eingraviert wurden. Hier in Irkutsk stehen, wie in vielen anderen Städten, die Namen verdienstvoller Bewohner des Hauses auf einer Tafel.
Bereits 1686 erhielt Irkutsk das Stadtrecht und wurde zu einem wichtigen Warenumschlagplatz. Hier handelten Chinesen, Russen und Mongolen mit sibirischen Pelzen, Seide und Tee. Irkutsk wurde das Tor zum Osten: Von hier aus begann die Eroberung des weiten Landes bis nach Alaska.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts sorgte eine Gruppe junger Adliger dafür, dass Irkutsk auch zum geistig-kulturellen Zentrum in Sibirien aufstieg. Die sogenannten Dekabristen – benannt nach dem russischen Monatsnamen Dezember – wollten die Zarenherrschaft abschaffen. Doch der Aufstand wurde kurzerhand im Dezember 1825 niedergeschlagen, die Aufständischen hingerichtet oder zur Zwangsarbeit nach Sibiriens Osten verschleppt.

Heute ist Irkutsk eine pulsierende, moderne Großstadt mit rund 600 000 Ew. Und sie ist die Gebiets(Oblast)haupstadt.

Sie verströmt ein angenehmes Flair mit ihren alten Holzhäusern, Kirchen, dem Fluss, der Uferpromenade, lustigen Plastiken und den nette Cafés und gute Gaststätten. Und natürlich finden wir auch eine Pizzeria „Papa Johns“, das Richtige für D. Doch bevor wir dahin gehen, schlendern wir die Uferpromenade entlang und beobachten die vielen Schulanfänger in ihren reizenden Schuluniformen, immer schwarze Röcke oder Hosen und weiße Hemden oder Blusen. Bei den Mädchen dazu weiße Haarschleifen. Auch die Großen tragen diese Schulkleidung selbstverständlich und selbstbewusst, manchmal noch mit weißer Schürze.

Auch für die Studenten ist heute der erste Studientag. Eine Gruppe steht auf der Ufermauer, filmt sich und ruft glücklich: мы студенты!!! Die ganze Uferpromenade ist ein Festplatz für Kinder. Ein Ausflug mit einem Flussdampfer auf der Angara soll für viele als Höhepunkt dazu gehören. Wir haben auch einen Platz auf dem Schiffchen erstanden und warten nun aufs Ablegen.

Da gibt es eine Durchsage, alle stehen auf und verlassen das Schiff. Was ist los? Schiff defekt? Da spüren wir es, wie aus dem Nichts kommt plötzlich starker Sturm aus Norden. Hier scheint man das zu kennen, alle Schiffe legen an, Sonnenschirm werden eingefahren, ansonsten geht das Leben weiter. Der Sturm bringt eine Wetteränderung. Das herrliche mediterrane Sommerwetter geht zu Ende, eine Kaltfront schleicht sich von Norden her. Morgen soll sie hier sein. Der Sturm ist ihr Vorbote. Er zauselt abends kräftig durch unser Hotelfenster. Nichts mehr mit südlicher Sommernacht. Nur gut, dass wir trotz der Wärme eine Jacke mitgenommen haben.

Bei unserem Bummel durch die Stadt stehen wir irgendwann am Denkmal für

Zar Alexander III., der hier noch verehrt wird, da er die Grundsteinlegung für den sibirischen Teil der Transsib veranlasste.

Natürlich begegnen wir auch Lenin und Gagarin. Die Russen sind tolerant mit ihrer Geschichte. Sogar ein Denkmal für Irkutsks Katzen gibt es.

Vor der Harlampioskirche empfängt uns das Abendgeläut, ein richtiges Musikstück von Hand geläutet. In der Kirche wohnen wir der Abendandacht bei und hören herrlichen Männergesang, der beeindruckt. Харлампий, nach dem die Kirche benannt ist war ein berühmter Mann in der Zarenarmee. Welche Beziehung er zu der Kirche hat, ist uns noch nicht verständlich geworden.

Wir fühlen uns wohl hier mitten in Sibiriens Oblast-Hauptstadt, sie lässt uns vergessen, dass wir auf der Heimreise sind.

Sonnenaufgang über der Angara

im Hintergrund unser Hotel

es kommt Sturm auf, über dem Fluss


Big Ben in Irkutsk

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