15. Mai 2018 Wroclaw (Breslau)
Die Nacht war weniger laut als befürchtet. Um Mitternacht verstummten die Musiker und wir konnten erholsam schlafen. Der Morgen verspricht einen schönen Tag und ich fange langsam wieder an, mich in unserer Enge einzuleben.
Mit meinem umwerfenden Englisch kläre ich alle anstehenden Fragen. Meine Kinder wären stolz auf mich und würden sich krank lachen. In der Straßenbahn hilft dann Russisch weiter um Fahrkarten zu kaufen – wir bekommen zwei geschenkt👏.
In der City angekommen, finden wir bald das Rathaus und genießen. Bald sieht uns ein Student, der Stadtrundfahrten anbietet. Wir nehmen dankend an und entscheiden uns für eine Stunde. Er führt uns zu den bekanntesten Stellen der Stadt und wir erfahren dabei, dass Wroclaw/Breslau mit fast 640.000 Einwohnern nach Warschau, Krakau und Łódź die viertgrößte Stadt des Landes sowie Hauptstadt der Woiwodschaft Niederschlesien ist. Als Hauptstadt der historischen Region Schlesien ist die kreisfreie Großstadt an der Oder (Odra) Sitz eines römisch-katholischen Erzbischofs und eines evangelischen Diözesanbischofs. Mit zahlreichen Unternehmen, Hochschulen, Forschungsinstituten, Theatern und Museen bildet Breslau das wirtschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Zentrum Niederschlesiens. Im Jahr 1945 wurde Breslau gemäß dem Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung gestellt. In seiner wechselvollen Geschichte hatte Breslau nach dem Tod des letzten Piastenherzogs Heinrich VI. zu Böhmen (und zeitweise Ungarn) sowie zu Österreich und Preußen gehört.
Die Region Schlesien, in der Breslau liegt, fand erstmals bei Tacitus im Jahr 98 Erwähnung sowie um 150 bei Ptolemäus in seinem Werk zur Germania magna. Der slawische Stamm der Slezanen siedelte sich im 6. Jahrhundert an der Oder an und errichtete auf der Dominsel eine Burganlage.
Ob sich der Name „Schlesien“ vom germanischen Stamm der Silinger oder vom slawischen Stamm der Slezanen ableitet, ist umstritten. Der Name Wortizlawa oder auch Wratislawa wurde erstmals um das Jahr 900 erwähnt und bezeichnete eine slawische Marktstadt. Diese befand sich auf einer Insel in der Nähe dreier Nebenflüsse der Oder. Um das Jahr 1000 wurde innerhalb der Burganlage mit dem Bau des Domes begonnen. Das befestigte Gebiet um die Burg war schon damals eine kleine Stadt, in der etwa 1000 Menschen wohnten.
Im Jahre 1138 wurde Breslau Hauptstadt des bis 1201 polnischen Teilfürstentums Schlesien. Wenig später ließen sich die ersten deutschen Siedler am Südufer des Flusses nieder, an der Stelle der späteren Universitätsgebäude. Während der Mongolenangriffe wurde Breslau 1241 zerstört, jedoch in den folgenden 20 Jahren durch deutsche Siedler wieder aufgebaut. So erhielt Breslau im Jahr 1261 das Magdeburger Stadtrecht. Breslau erlebte eine wechselvolle Geschichte. 1945 wurde die Stadt schwer zerstört. Es war das Stalingrad an der Oder. Von 30.000 Gebäude wurden 21.600 vernichtet, davon viele wertvolle Kulturgüter. In den folgenden Jahren wurde die Stadt liebevoll und detailgetreu wieder aufgebaut. Sie ist heute unbedingt eine Reise wert.
Wir schlendern nach der Rundfahrt ums Rathaus und genießen die Architektur, suchen die kleinen Zwergenskulpturen, lachen über Spatzen, die im Sturzflug über die Köpfe der Gäste fliegen und verwöhnen unseren Gaumen.
Beim Kauf von Briefmarken zerfetze ich mit dem Reißverschluss des Portemonnaies einen 50-Zloty-Schein – autsch!!! Mit meinem „perfekten“ Englisch bekomme ich auf einer Bank einen neuen dafür, nachdem mehrere Formulare ausgefüllt wurden. Zurück am Camp erwartet uns wieder der markerschütternde Musiksound. Der einsetzende Regen kann die Begeisterung der Künstler nicht mindern.
Morgen geht es weiter Richtung Osten.











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