Dietmar und Geli Unterwegs
Reisetagebuch unserer Offroad-Reise mit dem Pickup Truck durch Lettland, Littauen und Polen

24. August 2018 Durch die Altstadt von Riga

Pünktlich um 10.15 Uhr holt uns das kleine Flußschiffchen „Darling“, gebaut 1907, ab. Es hat irgendwo vor sich hingedümpelt bis ein Liebhaber, wahrscheinlich unser Kapitän, es aus seinem Dornröschenschlaf holte und es wunderschön wieder aufgebaut hat. Es gibt vier so kleine Kanalschiffchen, die mit Handyaudioguide die Gäste durch Riga schippern. Mal eine originelle, andere Art der Stadtrundfahrt.

Die Altstadt Rigas zählt zu den touristischen Hauptattraktionen aller Ostsee-Anrainer-Staaten. Zuerst queren wir die Daugava und sehen die riesigen Überseeschiffe am Passagierhafen stehen. Dann biegen wir in den Stadtkanal ein, der dort angelegt wurde, wo früher die alte Stadtmauer war. Als ehemals einflussreiche Hansestadt erschloss man über den Zugang zur Ostsee immer neue Märkte und Verbindungen. Dies ist einer der wichtigsten Grundsteine für die Pracht, die das internationale Publikum in den Altstadtgassen heute förmlich anstrahlt.

Auf der dem Daugava-Ufer abgewandten Rückseite wird das „Alte Riga“ durch einen im Mittel 250 Meter breiten Grünstreifen samt Wasserkanal und etlichen Prachtbauten eingefasst. In der Altstadt selbst reihen sich die Sehenswürdigkeiten auf gut und gerne einem Quadratkilometer Gesamtfläche nur so aneinander. Ein Ort, für den man sich definitiv ein wenig mehr Zeit braucht. Zwar lässt sich das Wichtigste auch an einem Nachmittag bewältigen, doch wer die Ursprünge und den Charakter Rigas in seiner ganzen Vielfalt erleben  und genießen will, sollte mehrtägig buchen.

Die teils mittelalterlich anmutenden Restaurants, Cafes, Bars machen den Altstadtbereich Rigas Tag und Nacht zum Treffpunkt von Reisenden, Studenten und Einheimischen. Kultureller Genuss, Kunst und Party finden auf engstem Raum statt, ohne einander zu widersprechen. Wir stärken uns nach der Boosfahrt in einem reizenden kleinen Gartenlokal erst einmal. Lauschen dann einer Straßenmusikerin und wandern weiter zum Pulverturm.

Der Pulverturm ist ein ehemaliges Lager für Schießpulver in der Torna iela/Straße nahe des Boulevard-Rings. Der um 1650 errichtete Rundbau stammt  ursprünglich aus dem 14. Jahrhundert, wurde zwischenzeitlich jedoch durch einen schwedischen Angriff auf Riga zerstört. An seiner stärksten Stelle ist die Mauer des ehemals in die Stadtmauer integrierten Turmes rund drei Meter dick.

Wir kommen vorbei an der Große und Kleine Gilde, gelegen am Livu-Platz, der größten Freifläche im Herzen der Altstadt. Sie dienten früher deutschen Kaufleuten und Handwerkern als Versammlungsort, heute werden sie für kulturelle Zwecke genutzt. Die so genannte Große Gilde wurde im 14. Jahrhundert gegründet und im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut. Aktuell befindet sich im Inneren des historischen Gebäudes der Konzertsaal der Staatlichen Philharmonie.

Dann kommen wir zum Schwarzhäupterhaus, das 1334 auf dem Rathausplatz errichtet wurde. Es galt lange Zeit als wichtigster wirtschaftlicher Versammlungsort der Stadt. Denn als Stützpunkt der Großen Gilde verkehrten hier hauptsächlich Kaufleute, um das Geschäftliche im gegenseitigen Informationsaustausch voranzutreiben. Kooperation und Handel legten den Grundstein für die Bedeutung Rigas als überregionale Wirtschaftsmacht und Hansestadt. Später – um 1475 – veränderte sich der Charakter des Hauses deutlich.

Nun bezogen die so genannten Schwarzhäupter, eine Vereinigung lediger ausländischer Kaufleute, die oberen Bereiche des Hauses, um zu feiern und zu trinken. Der ursprüngliche Bau  wurde nach dem 2. Weltkrieg, u. a. wegen seiner kaufmännischen Symbolkraft, gesprengt. Die heutige Rekonstruktion wurde erst zur Jahrtausendwende fertig. Dank seiner prächtigen Außenfassade, den originalgetreu wieder errichteten Festsälen und den ausgestellten Kunstobjekten gehört das Schwarzhäupterhaus inzwischen zu den Hauptattraktionen der Stadt.

Die Petrikirche ist unser nächstes Ziel. Die 1209 erbaute Petrikirche hat im Laufe der Jahrhunderte viel Zerstörung und Wiederaufbau erdulden müssen, zuletzt als Folge des 2. Weltkriegs. Der Wiederaufbau in den 70er Jahren wurde schließlich auch unter zeitgemäßen  Gesichtspunkten vollzogen.

Man gab dem Turm einen Aufzug, durch den sich Besucher heute den mühsamen Aufstieg auf eine rund 70 Meter hohe Aussichtsplattform ersparen können. Von hier oben hat man einen schönen Rundblick über die Altstadt. Im Inneren des Gotteshauses werden zeitgenössische Kunstwerke ausgestellt.

Von dem Kirchturm aus hat man einen guten Blick auf die Freiheitsstatue. Das Freiheitsdenkmal vor den Toren der Altstadt ist ein bedeutendes Symbol für die nationale Souveränität Lettlands. Es wurde im Zuge der ersten lettischen Unabhängigkeit (1918-40) erbaut. Am höchsten Punkt (über 40 Meter hoch) hält eine weibliche Figur drei Sterne senkrecht in den Himmel, welche die historisch bedeutsamsten Regionen Lettlands – Livland, Kurland und Lettgallen – verkörpern.

Es gäbe noch viel in der Altstadt zu sehen, doch wir sind k.o. Heldenmütig Stürze ich mich vor eine Taxe und sichere so die schnelle Heimfahrt. Am Camp ist wieder Regatta-Disko-Trubel bis nach Mitternacht. Ein Gewitter muss auch noch dazwischen poltern und ein Feuerwerk erhellt die Daugava zum Tagesabschluss.

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