Dietmar und Geli Unterwegs

04. Juni 2016 Das Samarkand der Wissenschaften

War nun die Nacht im harten Bett besser oder an der vielbefahrenen Straße. Das wird sicher jeder von uns anders beurteilen. Ich jedenfalls bin heute ziemlich k.o. und würde am liebsten weiter schlafen.  Doch Dilshod steht schon mit einem Taxi bereit und es geht hoch über die Stadt zu Ulug Begs Sternwarte.

Was dieser Herrscher und Wissenschaftler im 15. Jh. mit vielen anderen Astronomen mit den damaligen einfachen Gerätschaften berechnet und beobachtet hat, ist genial.

Doch Genies haben immer Neider und Gegner. In den Augen der Krieger und seiner Söhne sollte er ein Eroberer sein wie sein Großvater. Seine Söhne schickten ihn auf eine Pilgerreise und ließen ihn dabei ermorden.

Alle Wissenschaftler verließen das Land. Das Planetarium verfiel und war für die Nachwelt unauffindbar.

Erst 1908 begannen russische Archäologen nach dem Planetarium zu suchen, da sie in Bibliotheken die Werke von Ulug Beg gelesen hatten. Sie fanden die unterirdischen Überreste des alten Planetariums und rekonstruieren in Modellen den 3-geschossigen Bau. Ulug Beg und seine Wissenschaftler entdeckten Mondkrater, Meteoriten, sie berechneten die Umlaufbahnen der Planeten um die Sonne und, und, und.

All das Wissen geriet im Mittelalter in Vergessenheit. Die Amerikaner entdeckten und berechneten alles neu.

Inzwischen ist Usbekistan selbstbewusst genug, zu erklären, das haben unsere Wissenschaftler schon im 15. Jh. heraus gefunden und so tragen verschiedene Himmelsobjekte wieder Ulug Begs Namen.

Danach fahren wir zu einer Nekropole, einer Gräberstadt Schah-i Sinda. Sie wirkt wie ein Freilichtmuseums timuridischer Baukunst. Bei unserem Gang durch Gräberstrasse mit ihren fliesengeschmückten Fassaden bieten sich unendlich viele Fotomotive.

Hier soll auch ein Cousin des Propheten Mohammed begraben sein. Deshalb ließ Timur hier Grabstätten für Verwandte und wichtige Persönlichkeiten errichten. Die Bauleuten und Handwerker verschleppte er aus den eroberten Gebieten. Sie brachten das Wissen um die Keramiktechniken, Kuppelkonstruktionen und Farbtechniken mit.

Anschließend fuhren wir zu einer kleinen Papierfabrik, die auf traditionelle Weise handgeschöpftes Papier aus Maulbeerbaumrinde herstellt. Die Maulbeerbaumzweige sind ein Abfallprodukt der Seidenraupenzucht. Die Raupen fressen nur die Blätter. Die Zweige werden gewässert, die Rinde wird abgeschält, dann werden braune und helle Teile der Rinde mit einem Messer durch Schaben getrennt. Die weißen Teile werden gekocht, gestampft, gewässert, geschöpft, getrocknet und mit Horn, Stein oder Muschel geglättet. Dann ist ein edles Papier fertig.

Jetzt sind wir vollgestopft mit Wissen aber hungrig.

In einer traditionellen Plovgaststätte bekommen wir zwei riesige Teller für uns alle. Es schmeckt superlecker.

Trotz der tollen Stärkung verzichten wir am Nachmittag auf weitere Bildung und entspannen uns.

Die Stadt hat noch viele Sehenswürdigkeiten, aber wir möchten jetzt wieder Natur, also geht es morgen weiter.


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