Dietmar und Geli Unterwegs

14. Juni 2016 An einem Bergsee, benannt nach Alexander dem Großen

In unserer Freizeitoase am Varzobfluss ist Frühstück nicht inklusive, deshalb essen wir in unseren Autos bei angenehmen Morgentemperaturen. Um 9 Uhr geht es weiter nördlich immer höher in die Berge. Die Straße ist gut ausgebaut und deshalb mautpflichtig. Wir gewinnen schnell an Höhe, der Fluss liegt inzwischen tief unter uns. Die Farben der Berge wechseln ständig. Erste Altschneereste am Hang und darauf eine Schafherde. Auch auf der Straße wird eine sehr große Herde nach oben getrieben. Die LKW-Fahrer sind sehr ungeduldig, auch Ihr Fahrstil ist halsbrecherisch. Die erste Gebirgskette, das Hisorgebirge haben wir geschafft,hier sind wir mit dem Auto schon 2700 m hoch,dann gilt es das Zerashangebirge zu erklimmen. Immer öfter müssen wir durch unbeleuchtet enge, kleine Tunnel fahren. Im ersten Moment hat sich das Auge trotz Scheinwerfer nicht an die Dunkelheit gewöhnt – Blindfahrt und da werden wir noch überholt – halsbrecherisch!!! Das Zerashangebirge überqueren wir in einem sehr langen fast vollständig unbeleuchteten, unbelüfteten Tunnel. Wir merken nur an der Richtung des im Tunnel fließenden Wassers, dass wir den höchsten Punkt des Massivs überschritten haben. Dann mitten im Tunnel eine unbeleuchtet Baustelle – für Fahrer und Bauarbeiter lebensgefährlich!!!

Nachdem wir dieses Abenteuer überstanden haben, wird die Luft vor uns zu einer roten Wand. Wir erfahren nicht, woher diese Wolke stammt und wir kämpfen uns wieder fast im Blindflug hindurch. Nach einer Teepause biegen wir in ein Seitental ab. Die Straße wird immer holpriger, aber die Blicke in die Berge und zu dem tosenden Fluss entschädigen uns für die Anstrengungen. Der Bergsee, benannt nach Alexander dem Großen, der hier gewesen sein soll, liegt eingebettet in die riesigen Bergmassive und wird von mindestens 3 Gebirgsbächen gespeist. Eine Wanderung rundherum ist nicht möglich, weil Privatgrundstücke bis an den See reichen und eingezäunt sind. Das Wasser ist sehr kalt, deshalb läd es auch nicht zum Baden ein. Aber die herrlich klare, kühle Luft (26 Grad bei der Ankunft) belebt und entspannt. Unser Stellplatz ist in einer Höhe von

2212 m.Hier soll in der Nähe ein Wasserfall sein. Ich begebe mich allein auf den Weg, der anfangs sehr bequem ist, da steht plötzlich ein junger Mann hinter mir. Ich erschrecke ganz schön. Ich komme mit ihm ins Gespräch und er erzählt mir, dass er Australier sei und hier in Zentralasien zu Fuß unterwegs sei und von Kirgisien komme, morgen nach Duschanbe und danach nach Usbekistan wolle. Was für eine kleine Welt. Dass ich alles richtig verstanden hatte erfuhr ich später. Er wollte dann schneller weiter und so trennte sich unser Weg wieder.

Der Pfad wurde dann schmaler und steiniger.So verzichtete ich auf den Wasserfall, erfreute mich an dem tosenden Fluss und den Blumen, hier oben blühen noch die Heckenrosen und der Ginster, und trat den Rückweg an.

Wieder bei den Autos hatten sich Besucher aus Duschanbe eingefunden, die uns kennen lernen und unsere Autos sehen wollten. Das ganze endete mit einer Einladung zum Essen morgen Abend in Duschanbe. Da sind wir jetzt alle sehr gespannt!!!

3 Kommentare

  1. Hallo, habe heute erst den Block geöffnet und bin ohne alles zu sehen und zu lesen begeistert.
    Ich freue mich schon auf weitere Beiträge.
    Vielen herzlichen Dank und schöne Grüße aus der Oberlausitz
    Horst

  2. Ja, sehr mutig, es hätte vielleicht auch ein Bär sein können?

    Ich habe erst jetzt die Antwort auf meine Frage gelesen und bedanke mich. Wollt ihr denn nicht eure Erlebnisse selbst veröffentlichen? So schön geschrieben (Deutschlehrerin?) so herrliche Bilder und so interessante Länder, über die die meisten keine Vorstellung haben, das könnte man ja zu einem kleinen Reisebericht in Buchform weiterverarbeiten, denn so sagte Goethe in seiner Zueignung (Faust 1) schon: „Warum sucht ich den Weg so sehnsuchtsvoll, wenn ich ihn nicht den Brüdern zeigen soll?“
    (Ich bin u.a. in einem Goethemuseum aufgewachsen, über dessen Eingangs-Tür dieses Zitat in den 50er und 60er Jahren zu lesen war, sonst wüsste ich das auch nicht.)

    Ich überlege es noch mal und ihr bitte auch. Wenn, dann würde ich einen passenden Beitrag im Forum http://www.campen.de wählen, weil es mir unter mehreren anderen als das Sachlichste und Seriöseste erscheint. Es gibt dort auch einen Outdoor- Bereich.

    Bin auf euer Abendessen sehr gespannt.
    Alls Gute von Werner und Moni.

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