Dietmar und Geli Unterwegs

30. Juni 2016 Nahe der chinesischen Grenze bei Rang Kul

Heute morgen glaubte jeder von uns zu träumen – unsere Autos standen alle im Wasser – obwohl es nachts nicht geregnet hatte. Woher kam das Wasser? Unser Begleiter erklärte uns, im Dorf gäbe es einen Kanal, der aus dem Berg gespeist wird. Kommt von dort zu viel Wasser durch Regen oder Schneeschmelze, läuft er über und das Wasser ergießt sich auf die Wiese, auf der wir standen. Unser schöner Hundebesuch kam sich verabschieden.

Auf der „Straße“ nach Murgab war zu sehen, dass eine Planierraupen versucht, die größten Unebenheiten zu beseitigen, mit begrenztem Erfolg.

Nach 34 km und 1,5 Stunden Fahrzeit waren wir wieder in Murgab.

Zuerst tanken, 43 l Diesel mit Eimer abmessen und mit Trichter einfüllen, Frischwasser an der Pumpe abfüllen, einkaufen auf Murgabs Markt, der aus lauter Containern besteht und weiter Richtung Norden.

Die Straße scheint gut, wir bewundern die Landschaft, da ist sie weg, die Straße. Durch ein Hochwasser vor langer Zeit wurde die Brücke weggerissen. Jetzt führt die Straße durch das zum Glück ausgetrocknete Flussbett. Und was wird bei Frühjahrshochwasser? Da macht sich vielleicht heute noch keiner Gedanken.

Dann geht es rechts ab nach Osten auf die Piste nach Rang Kul. Wieder Stop, die Furt ist nicht passierbar, zu viel Wasser im Fluss. Also zurück und weiter nach Norden.

Dann kommt die offizielle Straße nach Rang Kul, eine schaurige Waschbrettpiste. Wir werden ordentliche durchgeschüttelt. Ab 60km/h wird sie erträglich, aber wie lange können wir das fahren bis die nächste heftige Querrinne kommt?

An den beiden schönen Seen können wir nicht anhalten, Mückenalarm. Die Biester stechen sofort, ohne Vorwarnung.

Also weiter nach Rang Kul. Vor dem Ort Militärkontrolle wegen der Grenznähe zu China – etwa 10 km. Die Grenzposten kommen aus einem entfernten Gebäude gerannt, sie haben hier wohl lange keine Fremden gesehen.

Auf dem Dorfplatzen stoppen wir und wir sind sofort umringt von Jung und Alt in chicen Kirgisenmützen, der Stolz aller Männer.

Der Dorfälteste, der frühere Schuldirektor, ist sehr an einem Gespräch mit uns interessiert. Er erzählt uns, dass ab September wieder 280 Schüler hier lernen und die meisten im Internat leben, da der Weg in die Schule aus den Dörfern zu weit ist. 40 Lehrer unterrichten bis zur 11. Klasse. Jetzt haben alle Ferien und sind bei ihren Familien zu Hause und helfen u.a. bei der Sommerweidung der Tierherden.

Man bietet uns an, in Jurten zu schlafen oder mit dem Kamel zu reiten. Wir lehnen dankend ab.

Wir suchen ein wenig abseits vom Dorf möglichst mückenfrei einen Schlafplatz. Da gibt es nur ein riesengroßes, offenes Hochplateau in 3800 m Höhe mit Rundumblick auf 4 bis 5000er. Im Norden und Osten die weißen Bergketten Chinas. Wir sitzen wie auf dem Präsentierteller. Das Wetter wechselt ganz schnell, Sonnenschein, Sandsturm, Windstille, alles im ständigen Wechsel.

Abends kommen 6 Ziegen-,Schaf-und Rinderherden bei uns vorbei, alle geführt von halbwüchsigen Ferienkindern. Sie sind neugierig, trauen sich aber nur zögerlich näher. Die Kirgisen, die hier ja überwiegend leben, scheinen zurückhaltender zu sein als die Tadschiken. Aber sie sind genau so freundlich.

Abends haben wir mal Appetit auf deutsches Essen, es soll Kartoffeln mit Rouladen und Rotkohl geben, aber fast wäre der Traum geplatzt, die Kartoffeln wurden ewig nicht gar in 3800 m Höhe. Doch mit genügend Geduld bekamen wir sie essbar.

Das schaurige Wolkenspiel des Abendhimmels konnte uns nur kurzzeitig fesseln, es wurde rasch empfindlich kühl – 12 Grad.

Draußen fahren ab und an noch Autos über die Hoppelpiste im Dunkeln. Wo wollen die noch hin in dieser scheinbaren unbewohnten Einsamkeit? Wir werden es nicht erfahren und wir träumen schon alle von Kirgisien. Wir sind alle ein bisschen pamirpistenmüde. Aber die größte Herausforderung für Autos und uns kommt ja noch, der 4655 m hohe Akbaital Pass.

unser Stellplatz am Morgen unter Wasser
hier haben die Wassermassen eine Brücke weggerissen

der Grenzzaun zu China
Bildmitte, der pensionierte Direktor der Schule

die schneebedeckten Berge sind bereits in China
ein Sandsturm steht über dem Dorf

heimatliches Essen nach 10 Wochen,Rouladen

  1. Hallo zusammen,
    wie es scheint, wird es nun so richtig abenteuerlich.Ob die Autos bei 4655 Höhenmetern noch richtig gehen? Jedenfalls gibt es nicht viele, die mit dem Auto in so einer höhe waren.

    Unser kleines Abenteuer findet in 181 m Höhe auf dem Iseosee statt, auf den floating piers von dem Vehüllungskünstler Christo. Übermorgen werden sie nach 12 Tagen wieder abgebaut und dann kann sie niemand mehr in Natura sehen.
    Der Pamir aber bleibt und wird voraussichtlich die Menschheit überleben.

    Viel Freude und Glück bei der weiteren Fahrt.

    Moni und Werner

  2. Na, langsam kommt doch die Sehnsucht nach der Heimat oder?? Wenn schon Rouladen und Rotkohl auf dem Speiseplan steht! Aber solange Euch alle nicht der Lagerkoller packt , scheint ihr ja alle noch
    guten Muts zu sein! Wir wünschen Euch weiterhin viel Glück und vielleicht bald bessere Pisten!
    Die Berliner
    Birgit und Frank
    1000 Grüße an Kerstin & Bernd

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