Dietmar und Geli Unterwegs

03. Juli 2016 Osh, die zweitgrößte Stadt Kirgisiens

Heute Nacht gab es ein wenig Regen, eigentlich nicht erwähnenswert. Aber die Murenabgänge des Vortages in diesem Tal ließen uns doch hellhörig sein. Doch wir hatten, wie auf der ganzen bisherigen Reise, Glück. Am Morgen kamen uns Gula, die Ärztin und die Nachtschwester verabschieden. Man fühlt sich mit fremden Menschen für kurze Zeit so nah und weiß im nächsten Moment, dass es kein Wiedersehen gibt. Good bye. Wir fahren an dem jetzt wenig Wasser führenden Gülchö entlang. Links und recht stürzen oft Fluten aus dem Bergen, deshalb gibt es häufig Furten, die schneller geräumt werden können und nicht kaputt gehen. Bald gilt es einen neuen Pass zu erklimmen – den 2402m hohen Tschyrtschyk-Pass. Das Erdreich ist intensiv ziegelrot und und als Kontrast dazu die satten grünen Wiesen. Auf dem Gipfel ein buntes Sommerlager von Jurten, Bauwagen, Tiergattern für Pferde, Rinder und anderen Getier.

Und ganz oben das Denkmal für Tileke Baatür, einem Volkshelden aus dem 17. Jh.

Die Menschen suchen sofort Kontakt, auch hier verweisen Sie uns auf gemeinsame arische Wurzel und sie informieren uns über die aktuellen Fussballergebnisse.

Wir sprechen mit einem 90jährigen und seiner gleichalterig, überaus beweglichen Frau. Sie sind 77 Jahre (kein Irrtum) verheiratet und waren scheinbar immer Nomaden. Wir dürfen Kumis, vergorene Stutenmilch, kosten. Sie schmeckt wie andere Sauermilchprodukte, aber wir sind vorsichtig.

Das ist nicht die einzige nette Begegnung hier oben. Aber alle benennen, sprengt den Rahmen des Blogs.

Von da an geht es immer schneller bergab, das Tal weitet sich, die Berge werden niedriger und kurz vor Osh endet das Weideland abrupt und Getreideanbau beginnt flächendeckend.

DerSulajman Too Berg, das beherrschende Wahrzeichen von Osh, kündigt uns die Stadt an.

Es ist drücken heißt, inzwischen 32 Grad, chaotischer Straßenverkehr und Wochenmarkt. Da müssen wir durch zu unserem Hotel, das wir schon sehen, für uns aber unerreichbar scheint. Rund um uns hupt es, wir sind total eingekeilt. Wir Frauen springen aus den Autos, eilen ins Hotel und in kürzester Zeit sichern wir 4 Zimmer und eine Zufahrt zum Hotelparkplatz. Es geht steil bergab an Marktbuden vorbei, die erst ihre Überdachungsstricke lösen müssen. Ein Schirm bleibt trotzdem an einem Auto hängen. Das Hupkonzert hinter uns nimmt kein Ende. Uff, geschafft, alle im sicheren Hoteltiefparkplatz, angelegt wie eine Mausefalle. Wie kommen wir hier nur wieder raus? Interessiert uns aber im Moment nicht. Jetzt erst einmal Zimmer und Dusche und aklimatisieren. Und im Fernsehen läuft die Wiederholung des Fußballkrimis Italien – Deutschland, der EM 2016, der uns trotz Wissens um das Ergebnis, den Atem raubt beim Elfmeter schießen.

Dann auf Geldsuche gehen. Keine Bank hat offen und kein Automat will unsere Karten. Trotzdem finden wir nette Menschen, die uns zu Geld und Dietmar zu einer Simkarte für Kirgisien verhelfen. Dazu braucht man einen kirgisischen Pass, wie auch in den Ländern vorher.

So ausgestattet schlendern wir durch den Nawoi-Park, benannt nach einem usbekischen Dichter. Der Park ist eine Vergnügungsmeile für Jung und Alt mit riesigen alten Bäumen direkt am Fluss. Eine ausgeschlachtete Jak 40 und ein noch noch baufälligeres Riesenrad sind die Attraktionen des Parkes. Vom Riesenrad aus hat man einen guten Rundblick auf die Stadt und die Berge, aus denen wir kamen. Der Abend wird angenehm zum Atmen und Schlendern.

das Krankenhaus
Die „Straße der Besten“
Verabschiedung am Morgen

beide 90 Jahte alt und 77 Jahre verheitatet

Einfahrt nach Osh

Hotel“Kristal“Innenhof PP
chic

Auf dem Riesenrad

die Universität

Ein Kommentar

  1. Liebe Geli, als ich Ute einen Geburtstagsglückwunsch aus weiter Ferne ankündigte, war sie erst einmal ein wenig erschrocken. Hinterher erzählte sie mir, dass sie in letzter Zeit schon öfter seltsame Anrufe erhalten hätte. Deshalb dachte sie an einen Stalker-Anruf. Umso größer war dann die Verblüffung und die Freude, wer ihr da gratuliert. „Geli, na das gibts doch nicht!“ (Orginalton Ute) Sie bedankt sich ganz, ganz herzlich!! für die lieben Geburtstagsgrüße. Wir haben in der Schrebergartengaststätte „Grüne Gurke“ ganz wunderbar gefeiert und nebenbei noch die Fußballer mit ihrem Elfmeterkrimi bejubelt. Nun brauchen wir 2Tage um uns von dieser langen Nacht zu erholen; wir sind eben nicht mehr 17.
    Eure Unternehmung findet sie ganz toll. Für sowas Verrücktes war sie ja immer. Ansonsten hätte sie ja auch die Radtouren mit mir nicht mitgemacht.
    Ich habe heute deine Berichte wieder mit Begeisterung gelesen und bin fasziniert von den Begegnungen mit den Menschen, die ja unterschiedlicher nicht sein können. Sicher ist so manche Strecke mehr als anstrengend, jedoch bei solchen „Prämien“ wie diese Aussichten und Bekanntschaften sicher gut zu meistern. Ich wünsche Euch gute Weiterfahrt auch ohne Scout!
    Ihr seid doch eine gute Truppe und diese irren Einzelwanderer fuddeln sich ja auch durch, oder?!
    Herzliche Grüße Bettina und Harald

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