Dietmar und Geli Unterwegs

06. Juli 2016 Käsekügelchen aus dem Ferganagebirge

Die Nacht in 1275 m Höhe war bei 14 Grad sehr angenehm, fast schon warm. Morgens weckte uns wieder die Sonne und im Hintergrund lugten Schneegipfel hervor, die Babash-Ata Kirka Berge auch bis 4000m hoch, alles Ausläufer des Tienschan. Der Blick zum Ferganagebirge wurde uns noch von vorgelagerten Hügel versperrt. Gegenüber an einem Hang mähten zwei Männer mit Sensen Getreide oder Gras. Sie beobachteten uns aus der Ferne genau wie wir sie.

Die bunten Wespenfresser-Vögel, die wir schon in Usbekistan beobachten konnten, haben hier auch ideale Lebensbedingungen, ein lehmiges Flusssteilufer und viele Insekten.

Als wir gerade losfahren wollen, halten zwei verrückte Fahrradfahrer an, ein junger Mann aus Bonn und ein Italiener aus Milano. Beide fahren erst seit Kazerman zusammen und wollen sich in Osh wieder trennen. Jeder hat andere Zielvorstellungen.

Nachdem wir nach 2 Stunden Autofahrt oben auf dem Pass in 2989 m Höhe angekommen sind wissen wir, was die beiden Fahrradfahrer heute auf diesen Pisten schon geleistet haben, obwohl es für sie nur bergab ging.

Für uns geht es jetzt erst einmal los. Nach wenigen km bergan ist die gute Asphaltstraße zu Ende, Hoppelpiste beginnt 50 km bergauf. Die herrlichen Blicke in alle Richtungen entschädigen uns. Oben auf dem Pass in 2989 m Höhe waren nur 14 Grad, ein rauher Wind wehte und einige Regentropfen fielen. Trotzdem stellte ich mich mit Sandalen in den Schnee – ein selten möglicher Kontrast.

Wenige Km unterhalb des Passes beobachten wir Sommerbergnomaden bei ihrer Arbeit und stellen wiederholt fest, die Ernährungsgewohnheiten der Völker Zentralasiens ähneln sich sehr. Dazu gehört auch die Käsekugelherstellung als Vorratsnahrung für den Winter oder auf lange Reisen. Aus Ziegen-, Schafs- oder Kuhmilch wird eine stark gesalzene Frischkäsemasse hergestellt, die dann zu kleinen Kugeln geformt und an der Luft getrocknet wird. Das machen die Familien hier in dem Ferganagebirge genau so wie in Usbekistan und Tadschikistan. Heute kaufen wir frische und getrocknete Kügelchen.
In anderen Lebensgewohnheiten unterscheiden sich die Völker mehr.

Wenn in Usbekistan und Tadschikistan noch der Esel eine große Rolle für Fortbewegung und Transport spielt, ist es in Kirgisien das Pferd. Stolze Reiter sahen wir heute in jeder Altersgruppe.

Kumis, die gegorene Stutenmilch, ist deshalb auch erst in Kirgisien zu haben.

Auch in Landschaft und Vegetation unterscheiden sich alle drei Länder deutlich. Usbekistan ist geprägt von flachen, trockenen unendlich scheinenden Steppen und Wüsten und nur im Osten beginnen die Ausläufer des Tienschan, die etwas Wasser in die Trockengebiete bringen. Tadschikistan ist von trockenen, verwitterten, vegetationslose Bergen und Hochenenen mit losem Grasbewuchs charakterisiert. Nur in den Flusstälern gibt es üppige Vegetation und Landwirtschaft.

In Kirgisien dagegen sind bis jetzt alle Gebirgshänge dicht bewachsen und grün. Auch landwirtschaftlichen Anbau gibt es bis in 2000 m Höhe. Erst über 3500 m beginnt die vegetationslos Zone.

Gemeinsam ist wieder allen drei Ländern die Viehhaltung in großen und kleinen Herden im Sommer bis in über 4000 m Höhe.

Der viele Dung der Herden wird ebenfalls überall gesammelt, geformt, getrocknet und als Brennmaterial für den Winter aufbewahrt. Das ist überwiegend eine Arbeit der Kinder.

Die Ostseite der Ferganaberge hat sehr steile Kesselhänge aus denen hunderte kleine Bäche zu Tale stürzen und sich unten zu einem reißenden Gebirgsbach vereinen. Unglaublich, an diesen steilen Hängen weiden Herden und Hirten sind mit ihren Pferden unterwegs.

Nun brauchen wir eine Mittagspause. Dabei entdecken wir am Toyota eine undichte Stelle am Kühler. Nach umfangreicher Ursachenforschung entschieden wir uns, ein in Usbekistan gekauftes Kühlerdichtmittel einzusetzen. Alle sind begeistert, dass die Operation zum Erfolg geführt hat.

Tiefer, so ab 2000 m ändert sich die Landschaft. Tausende runde Bergkuppen,dicht mit saftigem Gras bewachsen, bilden den Hang. Dazwischen duftende, blühende, bunte Bergwiesen bestückt mit Bienenbeuten. Hier möchte man selbst Biene sein. Dieser Kontrast von Hochgebirge und sanften Hügel begleitet uns bis ins Tal in die Narynhochenene nach Kazerman , 1268 m hoch. Hier unten herrscht ein kontinental, trocken-warmes Klima. Als wir gegen 17.30 Uhr ankamen waren noch 26 Grad. Die drohenden Gewitterberge werden also nur Berggeistertheater sein. Am Abend hat sich alles verzogen und wir haben einen klaren Sternenhimmel.






Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.