Dietmar und Geli Unterwegs

07. Juli 2016 Die Hochebene von Naryn – 220km nichts als gerade aus?

Nachts hatten es die Regenwolken doch über die Berge geschafft und die Gipfel über 3500 m in ein weißes Tuch gehüllt. „Doch die Sonne duldet kein Weißes…“Das Dorf liegt im Morgenlicht und sieht mit seinen neuen Dächern von unserem Platz richtig schmuck aus. Als wir wenig später hindurch fahren, ist es wie jedes Dorf, sehr, sehr einfach. Lediglich eine neue Kaufhalle sticht extrem anders hervor. Hier kaufen wir alles, was wir brauchen.

Das normale Leben für hier – ein Bäcker backt unter einem Dach im Freien frisches Brot. Seine Frau verkauft es so wie es aus dem Ofen kommt. Er freut sich sichtlich, dass wir ihn bei der Arbeit fotografieren und filmen. Jeder ist uns behilflich, den wir nach etwas fragen.

Nun geht es 220 km auf der Hochebene nach Naryn mit Pistenflair. Das wird sicher eine etwas eintönige Fahrt.

Nach wenigen Km müssen wir den Narynfluss queren und die Straße beginnt sich nach oben durch eine enge Schlucht mit sehr brüchigen roten Felsen zu winden. Oben angekommen sind wir schon wieder 2170 m hoch und haben einen traumhaften Blick über ein Dorf im Tal und rund um uns abermals die buntesten, duftenden Blumenwiesen. So etwas gibt es bei uns durch die allgemeine Überdüngung nirgends wo mehr. Dann sehen wir einen Bauern mit Pferden und Pflug arbeiten. Ein Bild, das ich noch aus meiner Kindheit oder von Bildern kenne.

Ja, das Pferd in Kirgisien, noch ist es der ganze Stolz des Mannes. Und schon die kleinen Jungen reiten. Überall sehen wir frei laufende Pferde bei den Jurten und Sommerweiden. Für Pferdeliebhaber dürfte Kirgisien ein Paradies sein.

Aber das Pferd bekommen Konkurrenz – das Auto. Für die täglichen Erledigungen ist es schneller und kann mehr transportiert auch wenn die Straßen überwiegend Pisten sind.

Und wir fahren weiter an den stolzen Pferden vorbei auf atemberaubenden Serpentinen hoch und runter die gut ausgebaute Piste entlang wieder auf einen Pass jetzt 2780 m hoch. Es ziehen dicke Wolken auf, erste Tropfen fallen, es wird empfindlich kühl.

Und dann eröffnet sich ein Blick, wir können es nicht beschreiben. Ein riesiges Tal voller Hügel, die aussehen wie eine Tagebauabraumkippe, aber viel gewaltiger. Dazwischen ein vielfach verzweigtes Flussbett und das alles in blaue Luft getaucht. Ich habe noch niemals blaue Luft gesehen. Hier gibt es das.

Und hinab in dieses Tal führte eine überdimensionale Serpentinenstraße.

Das waren die ersten 136 km der Hochebene und nicht einen Meter eintönig.

Also wer Berge und Pisten liebt und gern offroad unterwegs ist, mit was auch immer, findet in Tadschikistan und Kirgisien alles, was er sucht. Für Autofahrer sei angemerkt, dass es ein robustes Allradfahrzeug sein sollte. Wohnwagen und Wohnmobil sind hier fehl am Platz und wir haben auch noch kein einziges solches Gefährt gesehen.

Als wir dann endlich die letzte Serpentinenkehre genommen haben und unten am Fluss immer noch in 1600 m Höhe sind, beginnt die eigentliche Hochebene und damit auch eine Asphaltstraße. Diese ist nun wieder von vielen Löchern zerfressen, die in Handarbeit geflickt werden. Das ist für uns unvorstellbar und das kann ich hier auch nicht beschreiben. Jedenfalls waren die nächsten 50 km schlaglochfrei – danke!!!

Als wir unser Nachtlager aufgeschlagen hatten,ca.20 Km vor Naryn,zogen von allen Seiten dicke schwarze Wolken heran, die uns schon seit Stunden begleiteten. Und bald gab es kein Halten mehr, die Wassereimer wurden über uns entladen und es rumpelte und blitzte heftig dabei.Die Temperatur fiel auf 10 Grad herab.

Hoffentlich sind unsere Autos sauber nach dieser himmlischen Wäsche.


2 Kommentare

  1. Hallo, was man hier zu sehen und zu lesen bekommt, ist schon toll. Da wir Overlanding sehr schön finden und uns in der nächsten Zeit auf eine Wohnkabine hin bewegen, ist diese Dokumentation Wasser auf unsere Mühle.
    Wir wünschen Euch noch eine gute Fahrt, große Erlebnisse und freuen uns auf weitere, tolle Berichte.
    Der Almtaler

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