Dietmar und Geli Unterwegs

16. Juli 2016 Wir stürmen den Tian Shan

Auch heute wieder ein blank gefegter Himmel nach der Regennacht. Dafür sind die Pfütze auf dem Weg noch voller geworden. Jetzt haben alle Autos eine dicke Schlammschutzschicht. Nach wenigen km trennen wir uns, ein Teil will ins Kosmonautensanatorium, die anderen suchen Internet.

Die Frau am Eingang des Sanatoriums war sehr nett. Auf unsere Frage, ob wir uns umsehen dürfen, antwortete sie, „kanjeschno“ und sie erklärte uns, was es alles zu sehen gibt.

Wir lesen, dass die Anlage 1932 für 125 Menschen eröffnet wurde. Im Krieg war es ebenfalls Sanatorium und in den 60iger Jahren wurde es für die Kosmonauten zur Rekonvaleszenz nach den Weltraumeinsetzen genutzt. Heute steht es allen Kirgisen offen. Die ganze Anlage ist großzügig gestaltet, es sind viele medizinische Behandlungen möglich. Für Sport und Kultur ist gesorgt. Die Menschen fühlen sich wohl hier und sind stolz auf das Sanatorium. Wir werden sofort wieder angesprochen und gefragt, ob wir auch zu Erholung hier seien und wie es uns gefällt. Im Park unter den riesigen alten Bäumen ist ein wunderbares frisches Klima auch wenn es in der Sonne ziemlich heiß ist. Des Klimas wegen wäre das Sanatorium sehr zu empfehlen und wer den russischen Charme der 50iger/60iger Jahre liebt, wird sich hier sicher wunderbar erholen. Und in der Wandelhalle gibt es sogar Internet.

Das sagten wir per Telefon dann den anderen, denn die waren in der Stadt erfolglos.

Gemeinsam suchten wir dann die A 364, die uns endlich wieder ins Gebirge führen sollte. An einer gut ausgebaut Piste vermuteten wir die richtige Road, einen Hinweis gab es nicht, nur Warnschilder. Also begaben wir uns auf die Piste und hinein ins nächste Abenteuer. Schnell stieg die Piste bergan immer am Fluss Barskoon entlang. Die Berge wurden höher und steiler, sie blieben aber sattgrün und mit lichtem Nadelwald bewachsen. Überall weideten Pferde und Kühe mit vielen Jungtieren. Vor uns und zwischen den Bergspitzen blitzten immer wieder schneebedeckte Gipfel hervor. Die Sonne blendete uns beim Staunen und fotografieren, keine Regenwolken brauten sich zusammen. An einer Bergwiese hatte eine Familie mit Jurten ein kleines Restaurant eröffnet, es war Fisch im Angebot. Doch zum Abendessen war es noch zu zeitig.

Also weiter zum Barskoonwasserfall. In beeindruckender Weise stürzt aus vielleicht 200 m Höhe das Wasser in die Tiefe und erfüllt die ganze Schlucht mit dem Wasserdunst.

Ein näheres Herankommen an das Getöse wäre sicher nur auf gefährlichem Wege möglich. Wir versuchen es nicht da es auch keinen Hinweis gibt.

Auf einer großen Wiese steht ein Gagarindenkmal, drumherum Kühe und Pferde und eine große Gruppe Menschen. So wie wir aus den Autos aussteigen sind wir umringt und eingeladen. Wir bekommen Brot, Salat, Bonbons, Wodka, alles durcheinander und ohne Widerrede. Wir erfahren, dass es eine Gruppe Freunde sei aus Naryn, die einen Ausflug zum Barskoonwasserfall gemacht haben. Noch eine Menge Fotos, dann packen sie alles zusammen und weg sind sie.

Wir fragen einen Milizionär, der hier seine Station hat, ob die Straße über die Berge offen sei und er sagt „otkryt“. Uns wird also zum zigsten Male bestätigt, die A 364 über den Tienschan unweit der chinesischen Grenze ist geöffnet und dieses Mal sogar amtlich. Es geht weiter zügig bergan, das Auge kann sich nicht satt sehen. Ab und an kommen schwere Laster aus der Goldmine mit Affentempo. Der Mine ist diese hervorragende Piste zu verdanken. Alle Verschüttungen werden sofort beseitigt.

Dann ist vor uns eine fast senkrechte Wand und eine Schranke. Wir sind inzwischen bald 3000 m hoch. Wir sollen uns ausweisen und registrieren lassen und man fragt uns, wie wir weiter fahren wollen. Wir erklären alles und erfahren hier, dass die Straße doch gesperrt sei für den Durchgangsverkehr. So ein M…..

Wir besprechen uns und beschließen, bis zu dem Jurtenrestaurant zu fahren, Fisch zu essen und dort zu nächtigen. Gesagt getan, zurück geht es auf 2300 m. Die Jurtenbesitzer freuen sich, wir bestellen 8 Fische für 18 Uhr.

In der Zwischenzeit schauen wir beim Pferdemelken zu. Das ist viel schwerer als Kühe melken, da das Euter so klein und versteckt ist. Am Ende dürfen wir kosten – sehr süß die frische Stutenmilch und sie soll sehr gesund sein. Im Anschluss dürfen die Fohlen bei ihren Müttern schlecken.

Jetzt ist unsere Schlemmerzeit gekommen. Der Fisch ist gegrillt, die Kartoffeln gebraten, der Salat angerichtet. Wir nehmen in der Jurte ohne Schuhe und ohne die Schwelle zu betreten Platz und lassen uns verwöhnen. So haben wir heute nicht den Tienschan gestürmt aber in einer Jurte ein schmackhaftes Abendessen genossen auch im Tienschan.

Danach hat sich die Familie in der Jurte zum Essen zusammen gefunden. Diese Jurte ist für diese Bergfamilie Restaurant, Wohnzimmer, Schlafzimmer, der Sommersitz. Und in einem Zelt daneben wird gekocht. Die Tiere werden daneben gehalten, der Käse wird gerollt und getrocknet, ein kleiner Kiosk wird betrieben und alle müssen davon leben. Jeder hat seine Aufgabe, ein Junge holt mit dem Pferd noch schnell etwas aus dem Kiosk, kleine Mädchen holen die Kälber nach Hause, andere kleine Jungen gehen Holz sammeln.

Bewundernswert, wie sie bei diesem schweren Leben so freundlich und frohen Mutes sind und Zeit finden, sich mit uns Exoten zu unterhalten. Die kleinen Landesfahnen mit Landesnamen darauf am Auto haben uns bei der Beantwortung der vielen Fragen schon oft geholfen.

Jetzt stehen wir im hellen Mondschein,in 2300 m Höhe ,im Barskoontal und die Nacht verspricht kalt zu werden

 



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