Dietmar und Geli Unterwegs

03. August 2016 Das Tiefland zwischen Balchachsee und Sasyk See

Die Nacht war ruhig, windstill, die Gewitterfront blieb im Tal, so dass wir alle bestens ausschlafen sind. Wieder an der Hauptstraße fahren wir weiter am Zhonghar Gebirge entlang. Es hat in der Natur eine Verbindungsfunktion zwischen Altai und Tienschan. Viele Pflanzen und Tiere, die nur in einem der beiden großen Gebirge leben sind hier gemeinsam anzutreffen. Das Zhonghar kann ohne Sondergenehmigung wegen der Grenznähe nicht bereist werden. Für Extremwanderer und Naturexperten sicher ein lohnendes Ziel. Touristisch erschlossen ist das Gebiet nicht.

27 km der Straße führen genau nach Osten und man kann am Zhonghar vorbei nach Süden und Osten blicken und hatte heute, wegen der reinigenden Wirkung des gestrigen Gewitters, eine Wahnsinnssicht zurück auf den Tien Schan und östlich bis zu den ersten hohen Gipfeln des Altai. Leider nichts zum Fotografieren weil alles viel zu weit weg war.

Dann verlassenen wir alle Berge und versinken in den Steppenniederungen zwischen dem riesigen Balchaschsee und dem Sayksee. Das alles muss früher eine Verbindung gehabt haben, denn die riesige Gegend zwischen den Seen ist sumpfig und morastig obwohl um die 300 m hoch und 100 km breit.

Die Gegend hat nur wenige Einwohner, wie überhaupt Kasachstan, das größte der fünf zentralasiatischen Länder, das Land mit der geringsten Einwohnerdichte ist. 6 Ew. kommen auf einen qkm. In Deutschland sind es 253.

Nach 150 km brauchen wir eine Verschnaufpause bei 30 Grad, heftigem Steppenwind und Chaosstrasse mit Asphaltwellblech, Schlaglöchern aller Größenkategorien, ausgefransten und aufgebörtelten Rändern.

Die Fahrt geht weiter, von Horizont zu Horizont Steppe, Sonne, Nichts. Und dann Menschen am Straßenrand mit Melonen oder Fisch(geräucherter). Wo kommen die Leute her, wo wohnen sie? Wir sehen keine Ortschaften. Mitten in der Pampa plötzlich 3 G Netz. Wo ist dafür ein Sendemast? Wir sind auch hier in der Moderne!

Die Menschen hier in Zentralasien leben im 21. Jahrhundert mit allem was dazugehört, aber sie pflegen und leben auch ihre Traditionen. Die meisten Einwohner gehören einer islamischen Glaubensrichtung an. Sie leben sie nicht fanatischer als früher sondern offener als zu Sowjetzeiten. Der Islam prägt weniger das öffentliche Leben, vielmehr das familiäre. Die familiären Strukturen der Großfamilien sind noch stark verwurzelt und werden gelebt. Mit dem modernen Arbeitsmarkt westlicher Prägung ist das schwer vereinbar. Hier ist noch familiäre, dörfliche Gemeinschaftsarbeit üblich. Der Dorfälteste entscheidet und legt fest und alle haben sich danach zu richten. Deshalb ist es auch noch selbstverständlich Fremden zu helfen. Was wir hier in allen fünf Ländern erlebt haben an Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft und was uns so beeindruckt hat, ist eine in der Tradition dieser Völker zutiefst verankerte Denk- und Handlungsweise – Wer Hilfe braucht, dem wird geholfen und dem Gast gebührt oberste Beachtung.

Dafür haben unsere Schönheits- und Ordnungsvorstellungen hier keine Bedeutung. Und auf hiesigen Autobahnen kann jeder machen, was er will, nur nicht zu schnell und ohne Licht fahren. Heute sind wieder zwei Autos von uns geblitzt worden.

Wir sind eingetaucht in eine andere Welt, die wir langsam zu verstehen beginnen und wenn wir Sie achten können, kommen wir der Völkerverständigung ein Stück näher.

Zentralasien werden wir nun bald verlassen und durch Sibiriens Wälder und den Altai ziehen.

Übrigens sind wir hier in der zentralsten Region der Welt, wo alle Meere rund 3000 km entfernt sind. Das gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Und trotzdem ist es nicht die trockenste Region. Das ist die Taklamakanwüste in China, südlich des Tienschan, also gar nicht weit von hier.

Wir haben unserer Schlafplätzchen am

Fluss Ayagöz, im gleichnamigen Ort gefunden .

heute Morgen am Übernachtungsplatz

der aufgebrochene Fahrbahnrand

unser heutige Übernachtungsplatz
der „ausgefranste“ Fahrbahnrand


  1. Die Berichte waren wieder total
    beeindruckend. Und es ist einzigartig
    das die Menschen so lieb sind.Mich
    beeindrucken immerwieder die
    Landschaften und die unendlichen
    Weiten.Wir wünschen weiterhin tolle
    Erlebnisse und viele gute Begegnungen.
    Ganz liebe Grüße von Günti und Gabi

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