Dietmar und Geli Unterwegs

7. August 2016 Durch die Pampa oder über Barnaul?

Wo fange ich heute an? Die Nacht hatte es in sich, Gewitter und heftiger Regen. Der Weg neben uns aufgeweicht, nass, glitschig. Der Reiter mit seinem Fohlen war wieder da. Er hatte uns schon gestern gefragt, woher wir kommen und wohin wir wollen und das Dorf per Handy über uns informiert.

Die Zeitumstellung haben wir jetzt auch von ihm bestätigt bekommen. Also die Uhr eine Stunde vorstellen, der Zeitunterschied zu D beträgt jetzt 5 Stunden. K&Y fahren eine Stunde eher. Sie verlassen uns heute, weil sie eher in der Heimat zurück sein müssen und deshalb nicht mit über die Mongolei kommen. Adieu und gute Fahrt!!!

Der Aufstieg zum Dorf war ein wenig rutschig ging aber problemlos. Oben im Dorf warten wir aufeinander, da kommt ein Fahrradfahrer und fragt, wer von uns russische spreche. Er will uns erklären,dass wir nicht über die Nebenstraßen zum Ob fahren sollen wegen des häufigen Regens, sondern über die Hauptstraße nach Barnaul und dann die M 52 nach Süden. Was sagt man dazu, da macht sich ein Dorf Gedanken, wie bringen wir den verrückten Deutschen bei, dass sie auf unseren Nebenstraßen stecken bleiben. 😴😰😅Danke, spasivo!!! Wir haben es endlich verstanden!!!🤔😜

Dann fragt uns der Fahrradfahrer noch, wer denn der Kommandeur sei und wir antworten, bei uns sei jeder Kommandeur. Da lacht er nur und meint, da werde bald jeder in eine andere Richtung fahren. Die Russen verstehen unsere Demokratievorstellungen nicht. Deshalb haben sie auch mit ihrem Putin weniger Probleme als die europäischen Politiker.

Dann kam noch ein 2. Mann, der die Ansichten des ersten verstärkte und uns erzählte, dass er in Königsbrück stationiert war. Was für eine Begegnung, irgendwo im tiefen Sibirien am Ob treffen wir einen Mann, der vor 30 Jahren ganz nahe bei uns zu Hause seinen Militärdienst geleistet hat.

Wir folgen dem Rat der Männer und fahren nicht durch die Pampa sondern auf einer vorbildlich ausgebauten Straße nach Barnaul, der Gebietshaupstadt mit ca.

600 000 Ew. Die Stadt entstand Mitte des 18. Jh. als hier russische Industriellen Kupfer- und Silberschmieden errichteten. Barnaul war damit eines der ersten industriellen Zentren Sibiriens. Hier wurde die Dampfmaschine noch vor J. Watt erfunden. Und es gab ab 1838 ein meteorologisches Observatorium.

1902 wurde der Bau des Tschujsker Traktes, der Verbindungsstraße zwischen Russland und der Mongolei, damals China, über den Altai abgeschlossen , auf dem wir jetzt fahren. Damit entwickelte sich der Grenzhandel und die Stadt. 1917 wurde das Zentrum durch einen Großbrand zerstört und danach als Gartenstadt wieder aufgebaut. Mit der Asphaltierung der Straßen wurde aber erst nach dem 2. Weltkrieg begonnen. Heute ist die Straßenführung in die Stadt sehr großzügig und modern. Wir wollen zum Ob und an den Flusshafen. Vorher haben wir schon gelesen, dass es nur noch Personenflussfahrtschiffe gibt.

Da sich das Wetter im Laufe des Tages gebessert hat, beschließen wir, mit dem „Dampfer“ einen Sonntagsausflug zu machen. Nun fahren wir doch noch auf dem Ob mit dem Schiff. Auch hier gibt es wieder nette Gespräche.

Am Ende der Fahrt im Hafen wartet schon eine Schar Spatzen auf die Restkrumen der Fahrgäste. So eine kluge, kleine Bande.

Unweit vom Hafen strahlen die goldenen Kuppeln einer russischen Kirche, die wir uns ansehen wollten. Es ist ein aktives Frauenkloster, in das wir hinein gehen dürfen, allerdings nur mit Rock und Kopftuch, was für Ungläubige immer bereit liegt. Wir können der Liturgie beiwohnen aber nicht fotografieren. Interessant wären die Lebensgeschichten der Nonnen. Und wenn wir aus dieser kleinen Klosteroase treten stehen wir mitten im hochmoderne pulsierenden Leben zwischen Hochhäusern und Schnellstraßenanbindungen.

Durch die Stadt fuhren wir dann nicht mehr da die Brücke gebaut wird.

Die Straße nach Süden Richtung Mongolei ist ebenfalls in einwandfreiem Zustand. Aus der Gegenrichtung kommen die Wochenendurlauber vom Picknick oder Wandern aus dem Altai, alle mit großen, modernen Autos. Wir wähnen uns zu Hause, auch die Landschaft ist total heimisch. Vom Altai ist noch nichts zu sehen.
In einem kleinen Birkenwald finden wir eine Lichtung. Die Männer sind sofort wie die Kinder mit Begeisterung am Holz sammeln und Feuer machen. Es ist noch sonnig, ein lauer Sommerabend ohne viele Mücken, einfach eine ideale Stelle.

Für uns ist es so unglaublich, dass wir bisher überall ohne Verbote stehen konnten und die Menschen an jedem Ort hilfsbereit und nett waren.

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: