Dietmar und Geli Unterwegs

8. August 2016 Wo beginnt der Ob?

Das Gewitter von heute Nacht hat uns noch seine Wolkenspuren hinterlassen. Als wir auf der Hauptstraße, der M 52 sind, beginnt richtiger Landregen. Bloß gut, dass wir nicht die Pampastrassen genommen haben. Wir wären jämmerlich versumpft. Plötzlich am Rand der regennassen Straße zwei Schirme und Tische und darauf die feinsten Pfifferling, Steinpilze und Preiselbeeren in Eimerchen. Wir kaufen trotz Regen von allem etwas. Das wird heute Abend ein Leckeressen.

Die Sonnenblumen auf den Feldern lassen genau wie wir die Köpfe bei dem Wetter hängen.

Dann sind wir schon die 83 km bis Bijsk gefahren, bei dem Regen fiel das gar nicht auf wie schnell wir voran gekommen sind. Nur rasch in irgend ein Geschäft vor dem Regen fliehen. Da entdeckt B. ein Beeline-Geschäft. D. ist glücklich und wir stürmen hinein. Zuerst versteht uns keiner, doch nach und nach beteiligt sich die ganze Kundschaft an dem Gespräch und der Übersetzung. D. bekommt für 3 Monate jeweils 6 GB Internet und ist glücklich. Ich erfahre noch, dass die junge Frau, die uns beim Übersetzen hilft, in Bijsk studiert, aus Taschkent kommt, ihre Oma gerade zu Besuch ist und dass sie in der Schule 2 Jahre Deutsch gelernt hat. Wir schwatzen noch über das sibirische und usbekische Wetter und mit den anderen Kunden über Lenins Bekleidung auf dem Denkmal in Bijsk. Keiner wusste, dass es in ganz Russland nur hier dieses eine Denkmal gibt, wo er einen Wintermantel an und eine Schapka auf hat.

Nach einem weiteren heftigen Regenschauer verlassen wir glücklichen den Laden, das Tor zum Blog ist wieder offen, die Informationen können fließen.

Schnell in den nächsten Laden retten und uns für die Mongolei mit allem eindecken. Wir haben immer noch Angst, wir könnten irgendwo verhungern obwohl es überall alles gibt und wir unsere Vorräte aus der Heimat schon

15 000 km spazieren fahren.

Endlich hat der Regen aufgehört und wir können Lenin in Winterkleidung suchen.

Er steht, wie es sich gehört, vor der Stadtverwaltung.

Dann möchten wir eine Kirche mit 5 blauen Kuppeln sehen und finden zuerst einen etwas in die Jahre gekommen Kindervergnügungspark. B. nutzt die Gelegenheit und spielt Lokführer.

In der Kirche haben wir eine berührende Begegnung. Eine Frau spricht uns an und erzählt uns, dass sie Deutsche sei und ihre Eltern als Kinder mit ihren Eltern im 2. Weltkrieg von der Wolga hierher umgesiedelt wurden. Ihre Geschwister seien nach Deutschland gezogen und nur sie lebe noch hier wegen ihrer Kinder. Sie weinte und drückte uns als wir uns von ihr verabschiedeten. Wir spüren erneut, es ist etwas anderes als Gast hier zu sein oder als Deutscher hier zu leben. Die Begegnung hat uns berührt. Doch sie ist wie alles auf dieser Reise

flüchtig und unser Weg geht weiter.

Wir verspüren Hunger und unser Blick bleibt an einer neuen, altertümlichen Fassade hängen und einem Schild ресторант. Es sah so finster und zu aus, aber es sollte ab 12 Uhr geöffnet sein. Also Tür anfassen, ziehen, sie gab nach und wir standen auf dem „Старой место“. Wir waren begeistert vom Ambiente, der Speisekarte, dem Essen und dem Preis.

Das Museum für den Tschujsker Trakt war heute leider geschlossen. Es hätte mich schon interessieren, wie diese Straße, die wir ab morgen kennen lernen werden, entstanden ist.

Bijsk, eine für uns bisher völlig unbekannt Stadt, ist erst mit den Ostfeldzügen Peters des Großen ab 1709 entstand und es hat sich schnell entwickelt, weil es auch hier bald Silberschmelzen gab und es sich zu einem strategisch wichtigen Platz im Handel zwischen Russland und China empor hob. Deswegen drängten die Händler auf den Ausbau des Tschujsker Trakts, der 1902 fertig gestellt wurde.

Heute hat die Stadt 220 000 Ew.

Ab hier nimmt der Ob, einer der größten sibirischen Ströme seinen Anfang. Hier fließen die aus dem Altai kommenden Flüsse Bija, nach dem die Stadt benannt ist und der Katun zusammen und heißen nun Ob. Später ergießt sich der Irtysch

in den Ob und sie fließen gemeinsam ins Nordmeer.

Wir suchen nun diesen Ort der Vereinigung und müssen 22 km durch verwilderte Industielandschaften und holprige Pützenstrassen fahren ohne zu wissen, ob der Ob je zu sehen sein wird. Dann, ein kleiner Waldweg und ein Blick zum träumen. Platz für alle drei Autos, Stühle und einen Tisch. Wir tronen über dem Ob am Steilufer und blicken auf seine Zuflüssen, den Bija und den Katun – beeindruckend der Anblick.

Diese Stelle im Wald ist so winzig und versteckt, der Blick scheinbar so einzig und einmalig. Es gibt keinen Hinweis auf diese Stelle und wir haben sie nur durch Zufall entdeckt. Trotzdem muss sie vielen bekannt sein, denn es hielten mehrmals Autos und die Leute kamen genau an diesen Punkt. Wir Glückspilze!!!

Den ganzen Abend sitzen wir auf unserem Aussichtsposten und beobachten die wenigen Schiffe, die hier entlang ziehen. Und wir haben noch einen weiteren Genuss – unsere Pilze.

Blick aus dem „Ufo“ in den sibirischen Birkenwald


  1. Hallo Familie M.
    ich bin jeden Tag fasziniert von Ihren Berichten und Fotos. Diese unendlichen Weiten Russlands, diese maechtigen Ströme, diese Stille, ach ich koennte Sie beneiden.
    Sie haben übrigens eine neue Leserin: Jutta G.
    Bin auch sehr gespannt auf die Mongolei!
    Nun weiterhin spannende Erlebnisse und unfallfreie Fahrt.
    Heidi K.

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