Dietmar und Geli Unterwegs

15. August 2016 Weiße Jurten und reichlich Furten

Der Regen der Nacht hat uns nicht gestört. Die Wiese ist schon wieder trocken. Wir steigen die Piste weiter bergan, überall blinken uns wie aus dem Boden schießende Champignons weiße Jurten , hier Ger genannt, an. Sie sind für die Nomaden die ideale Wohnung, da sie schnell auf und abzubauen sind und vor den extremen Temperaturunterschieden schützen, im Sommer vor der extremen Hitze, von der wir nichts merken, und im Winter vor der eisigen Kälte. Die oberste Schicht ist wasserabweisend getränkt, deshalb schützt das Ger auch vor Regen und Wind.

Uns begegnen immer wieder kleine Umzugs-LKW mit der verstauten Jurte und der ganzen Familie. Eine 4-6 köpfige Familie schafft den Auf- und Abbau in jeweils einer Stunde. Die Bestandteile eines Gers wiegen 300 kg. Früher wurde alles auf Lasttiere verpackt, oft Kamele oder Karren mit Yaks als Zugtiere beladen. Heute sind es eben LKW. Wir sahen aber auch ältere Geländewagen mit Anhänger.Die Nomaden müssen 2-4 mal im Jahr umziehen um für die Herde neue Weiden zu finden.

Unser Weg geht an vielen Weideplätzen mit großen Herden vorbei, alles gesunde kräftige Tiere, die erstaunlich wohlgenährt sind von diesem spärlichen Graswuchs. Und bei diesem häufigen Regen staunen wir, dass das Gras nicht kräftiger sprießt.

Wir kommen trockenen Fußes bis an die Hauptpiste und glauben, nun gibt es über jeden Fluss Brücken. Vor uns kommt schon die erste,aber oh Schreck, zwischen Straße und Brücke hat der Fluss einen breiten Spalt gespült. E. startet den Motor und hinten bleibt uns die Spucke weg, so gefährlich sieht die Durchfahrt aus. Zum Glück, er schafft es. Das Problem,der „Kanal „war nur ca. 2 m breit, sehr tief und der Ein.-und Ausstieg war sehr steil.Für unser Auto unakzeptabel, da saufen wir ab. Ein Motorradfahrer fährt rechts von uns und kommt sicher durch. Und E. macht sich frei und läuft einmal durchs Wasser als Demonstration für den sichersten Weg. Wir folgen seinem Beispiel und kommen sicher auf die Brücke.

Jetzt sehen wir die Ursache für den Dammbruch , der Rohrdurchmesser unter der Brücke ist für das viele Wasser viel zu gering. Also sucht es sich andere Wege und gräbt neben der Brücke einen Graben.

Da kommt ein junger Mann mit Motorrad, wir zeigen ihm den günstigsten Weg durchs Wasser, dafür hilft er uns bei den 3 nächsten Furten den besten Pfad zu finden. Wieder so ein hilfreicher Engel. Er fliegt in die andere Richtung und wir bis Ulaangom. Vor der Stadt stärken wir uns und sehen schon die nächste Gewitterwand entstehen.

In der Stadt suchen wir eine Autowerkstatt wegen des undichten Tanks und des fehlenden Schildes. Keiner versteht uns, niemand spricht russisch, englisch oder gar deutsch. Trotzdem finden wir eine Werkstatt, der Meister versteht sein Handwerk, er ist hilfsbereit und er bastelt gern. So haben wir nach drei Stunden einen dichten Tank und ein selbstgebasteltes Schild. Das originale Kennzeichen von hinten kommt nun nach vorn, und der Nachbau nach hinten.Wichtig, da an den meisten Grenzen die Fahrzeuge beim Einfahren zur Grenzabfertigung von vorn fotografiert werden.Am Tank ist durch die kilometerlangen „Wellblechpisten“ eine Scheißnaht neben der Halterung zum Rahmen gerissen. Mit „Metallgehäuse Kitt“

wird die undichte Schweißnaht versiegelt.

Dieser Kitt wird in der Hand wie Knete weich gemacht und dann aufgetragen, er härtet schnell aus und wird sehr fest!

Mal schauen wie lange es dicht bleibt.

In unserem „Nothilfekoffer“ für das Auto haben wir auch noch diesen Kitt mit, so das wir ggf. „nachhelfen“ können.

In der Zeit gehen das heutige Gewitter und der Regen nieder. Die anderen warten geduldig, denn der Stadtbummel hat nicht so lange gedauert.

Ulaangom hat 23 000 Ew., viel Neubauten, ein Theater, ein Museum und einige Geschäfte. Aber sonst ist zum Zeitvertreib nicht viel zu sehen.

Erst 19 Uhr ist der Meister mit seiner Bastelei fertig, seine Familie hat schon mehrmals nach ihm geschaut. Vielen Dank.

Ein Hoch auf die hilfsbereiten Mongolen. Ohne ihre Hilfe würden wir noch irgendwo im Wasser sitzen oder wir würden die Umwelt mit Diesel verpesten.

Endlich können wir starten, der Regen regnet noch😂🌧⛈ und die Stadtstrassen sind wegen fehlender Kanalisation überflutet. Doch das ist uns alles egal, uns bringt eine gut geteerte Straße einem neuen Ziel entgegen, unserem Schlafplatz. Nach 24 km lassen wir es für heute gut sein, abseits der Straße gehen wir in Deckung und erholen uns von den heutigen Abenteuern.

 


  1. Hallo, Ihr da draußen in der Steppe,
    was ein kleines „w“ doch aus einer Naht durch die Wellblechpisten so machen kann!
    Weiterhin alles Gute
    Heidi K.

  2. Hallo,Ihr Weltenbummler,
    gestern habe ich im 3Sat eine Reportage über
    die Mongolei gesehen. Da haben sie auch gezeigt, wie
    man eine Jute auf und abbaut.Und das alles im Orginal
    zusehen, muss schon sehr interessant sein.Noch viele
    schöne Erlebnisse.
    Herzliche Grüße von Gü&Ga

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