Dietmar und Geli Unterwegs

16. August 2016 Die neue Straße 

Und wieder sehen wir am Morgen einen schneebedeckten Berg, den Kharkhiraa mit 4037 m, der gestern in den dicken, schwarzen Wolken steckte. Es dauert nicht lange und er zieht auch jetzt schon sein Wolkenkleid an. Um uns herum waren morgens drei große Herden unterwegs, die von jungen Frauen zu Pferde getrieben wurden, wahrscheinlich zu neuen Weidegründen. Später folgte der LKW mit der Jurte und dem ganzen Hausrat einschließlich Fahrrädern, SAT-Anlage und Solarplatten. Das macht das Leben hier draußen nicht einfacher, nur ein bisschen angenehmer. Die Motorräder sind neue Alternative zum Pferd, sie beschleunigen sicher das Leben und machen es lauter, aber durch die Furten kommt ein Reiter trockener. Wenn die ganze Familie vor der Furt steht, bewundere ich die Frauen schon, wie sie ihre Kinder durchs Wasser tragen und dann nass wieder auf die Maschine steigen zu ihrem Mann.

Doch wir hatten heute erst einmal eine andere Entscheidung zu treffen, welche Piste oder Straße nehmen wir heute? Das eine Navi empfiehlt eine Piste, das andere eine Straße im Norden, der gesunde Menschenverstand und die Sonne sagen, wir sollen die Asphaltstraße nehmen. So fahren wir gegen die Navis

75 km nach Südosten auf bester Straße bis Naranbulag, einem kleinen Nest mit bunten Häuschen. Den Abzweig zu der Hot Springs danach verpassen wir, es gibt ja kaum Hinweisschilder und wenn, können wir sie nur selten lesen. Wir sind über die hervorragende Straße zu glücklich,um zu wenden und sie zu verlassen.

Wir erreichen den Chjargas See, der Naturschutzgebiet ist und man deshalb nur an einem kleinem Areal ans Ufer darf. An dieser Stelle ist so etwas wie eine Feriensiedlung, leider in einem völlig desolaten Zustand.

Der See ist leicht salzhaltig und liegt inmitten einer Wüstensteppe, da es hier selten regnet. Am Nordufer ist er von Sandsteinfelsen mit sehr unterschiedlichen Farben und Zerklüftungen umgeben. Das sieht aus, als hätten Kinder von Riesen im Sand gebuddelt und Riesenburgen gebaut.

Zum Baden ist es uns zu windig und zu kühl, von dem heißen Sommer erleben wir bisher in der Mongolei nichts. Das Wasser ist klar und wäre angenehm temperiert, trotzdem kann uns nichts ins Wasser locken.

Wir fahren lieber weiter und hoffen, einen Abzweig in die Berge zu finden.

Nach 193 km geht unser Traum und der Asphalt zu Ende.

Auf den erwarteten Schock brauchen wir erst eine Mittagspause. Dann suchen wir die Piste in die Berge. Nichts zu finden. Auch die Berge sind Naturschutzgebiet, wahrscheinlich führen da keine Pisten mehr rein.

Also fahren wir verbotenerweise über die schon aufgezogene Teerdecke der neuen Straße noch einmal 30 km bis es klebrig wird. Die Abfahrt über die hohe Böschung war gar nicht so einfach.

Nun haben wieder alle Piste, Reisebusse, LKW, Autos, Motorräder. Das aufgeschüttete Bett der neuen Straße immer neben uns. Alle weiteren Versuche frecher Autofahrer, wie wir es sind, dieses Bett zu befahren, wird mit Barrieren vereitelt. An einem Abschnitt wird intensiv an einer Brücke gebaut und wir sehen auch warum. Vor uns ist wieder eine breite Bachdurchfahrt. Ein Mann zeigt uns, wo wir am besten durchfahren sollen. Danke! Das war doch heute ein Kinderspiel für uns.

Manchmal entfernt sich die neue Straße von der Piste, doch dann entdecken wir sie wieder in der großen Weite.

Der Blick von Horizont zu Horizont ist oft extrem, weil die Luft durch den täglichen Regen klar und wegen fehlender Industrie sauber ist.

Bleiben wir stehen ist sofort Ruhe um uns, wir hören nur den Wind, Tiere (Vögel, Fliegen) und uns.

Das Gras wird wieder dichter, gleich stehen Jurten da und Herden weiden.

Und auf einmal sehen wir eine kleine Pagode und daneben einen Ovoo, einen Steinberg als Glücksbringer für Reisende. Es sind heilige Stätten, die die Mongolen errichtet haben, um eine gute Reise von den örtlichen Gottheiten oder Geistern zu erflehen.

Wir umrunden den Ovoo mit drei Steinen drei mal in Uhrzeigerrichtung, legen bei jeder Runde einen Stein auf den Berg und am Ende eine kleine Opfergabe dazu und bitten um eine gute Weiterreise. Nun sind wir sicher, dass unsere Tour gut weitergehen wird.

Nach 343 km haben wir Songino erreicht. Kurz davor endet das vorbereitete Strassenbett für die neue A 18. Wahnsinn, was dieses Land noch vor sich hat im Straßenbau. Für Pferde und Kamele als Transport- und Verkehrsmittel waren die Pisten bestens geeignet, aber für die motorisierten Vertreter sind diese Verkehrswege zu zeitraubend und materialschädigend. Doch die himmlische Ruhe wird es nicht mehr geben und manches Tier wird nicht schnell genug seinen Ruheplatz auf der Straße verlassen. Auf der Piste ist jedes Fahrzeug so entschleunigt, dass es für jedes Tier rechtzeitig halten kann.

In Songino, einem kleinen Dorf mit moderner Straßenbeleuchtung, mehreren kleinen Läden, einer Bank und Tankstellen kaufen wir ein, tanken und werden von einem Autofahrer gefragt, ob wir Hilfe brauchen, einfach so.

Können wir auch so schnell sehen und reagieren, wenn jemand Hilfe braucht?

Wir lassen uns etwas abseits vom Dorf zum Schlafen nieder, aber nur so weit entfernt, dass wir noch Netz haben, stoßen mit einem Glas Sekt auf den gelungenen Tag an und genießen die letzten Sonnenstrahlen, dann wird es schnell empfindlich kühl, 8 Grad.

Die Sonne geht erst 20.30 Uhr unter und taucht alles noch in ein wunderschönes Abendlicht. Die Regenwolken werden wohl nicht bis hier her wandern, so hat der Fast-Vollmond freie Bahn seine kalten Strahlen über Berge und Steppe auszubreiten.

Übrigens, das Internet ist hier in der Steppe ab 13.08.zu schwach um Bildet zu senden.

 



  1. Hallo Weltreisende, ich bewundere euch und euern Elan und den Mut mit allem fertig zu werden unendlich. So viel Eindrücke kann man doch gar nicht mehr verarbeiten. Früher war man mit dem Pferd monate- wenn nicht jahrelang unterwegs, was ihr mit dem Auto in Wochen schafft. Mal ehrlich, habt ihr’s nicht manchmal dicke und sehnt euch nach „eurer Ordnung“ zu Hause? Für mich wäre das nichts! Hut ab wer das durchhält ohne zu müssen. Also, ich hoffe ihr kommt wieder heil zu Hause an. Die „Kriegsberichterstattung“ verfolge ich gerne weiter, immer interessant und unterhaltsam.
    Besondere Grüße an Dietmar.

    Liebe Grüße aus Bautzen

    Lutz Körnig (noch Allianz, aber a. D.)

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