21. Mai 2018 Ein Frühlingstag an der Wolga in Samara
Der Aufbruch von unserer Schlafstelle ging heute sehr schnell. Ein Tankwagen kam und wir trauten uns nicht, in unmittelbarer Nähe Gas anzuzünden. Also Start ohne Kaffee trinken. Bald erblickten wir die Wolga, Mütterchen Wolga!!! Dass wir schon wieder bei ihr sind, 3.000 km von zu Hause entfernt. Und abermals kommen die Bilder unserer deutschen Vergangenheit. Doch der Frühling vertreibt die traurigen Gedanken. Das Leben pulsiert.
Uns beeindruckt wieder das gigantische Kuibyschewer Wasserkraftwerk, über dessen Damm wir fahren. Es gehört zu den 15 mächtigsten Anlagen dieser Art. Wir kommen wieder durch Togliatti und denken an unseren Lada. Ein Besuch im hiesigen Automuseum wäre sicher auch interessant. Aber alles geht nicht. Wir nähern uns Samara und beschließen, in der Fußball-WM-Stadt einen Bummel an der Wolga zu machen. Die Stadt bereitet sich kräftig auf die WM vor. Sie wirkt sehr einladend, hell, großräumig.
An der Uferpromenade bereitet man sich auf den Sommer vor, Spiel- und Sportgeräte werden neu installiert, die Cafés sind geöffnet. Wir schlendern am Ufer entlang und freuen uns, dass wir diesen Abstecher gemacht haben. Den Wolgatreidlern wurde hier, dem berühmten Gemälde von I. Repin nachempfunden, am Ort des Geschehens ein Bronzedenkmal gesetzt.
Lenin ist auch gegenwärtig. Er hat als junger Mann hier gearbeitet 1889 – 1893. Und seine Geburtsstadt Uljanovsk ist nur 130 km entfernt. Samara hieß von 1935–1990 Kuibyschew (Ку́йбышев)). Sie hat 1.164.685 Einwohner und ist damit die sechstgrößte Stadt Russlands und die Hauptstadt der Oblast Samara. Das Wort Oblast ist im russischen weiblich, ich dachte immer männlich.
Samara liegt am hochgelegenen linken Wolgaufer der „Samarer Krümmung“ zwischen den Mündungen der Flüsse Samara und Sok. Die Stadt dehnt sich auf 50 km entlang der Wolga und auf 20 km nach Osten aus.
Erstmals wird Samara in einer russischen Chronik aus dem Jahr 1361 erwähnt. Um 1850 wurde die Region zum wichtigsten Zentrum des Weizenanbaus des gesamten Russischen Reiches. Ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann die Entwicklung der Mühlenindustrie in der Stadt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Samara bereits das größte Getreideverarbeitungszentrum Russlands. Die Oktoberrevolution selbst verlief in Samara ohne einen einzigen Schuss. 1935 wurde Samara in Kuibyschew umbenannt zu Ehren des Staatsmannes und Parteifunktionärs Walerian Kuibyschew.
Die Stadt bekam nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Jahr 1941 eine besondere politische und strategische Bedeutung, als im Oktober, kurz vor der historischen Schlacht um Moskau, die Regierungsorgane mit Michail Kalinin an der Spitze, sowie ein Teil der militärischen Verwaltung, das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten und das ganze diplomatische Korps (20 Botschaften und Missionen) nach Kuibyschew gingen.
Ihnen folgten das Ensemble des Bolschoi-Theaters und zahlreiche andere Künstler, darunter Dmitrij Schostakowitsch, Ilja Ehrenburg, Fjodor Gladkow und Emil Gilels. Für Stalin wurde der „Stalinbunker“ mit einem Arbeitszimmer in einer Tiefe von 37 Metern eingerichtet, der heute ein Museum. Kuibyschew spielte eine wichtige Rolle beim Sieg über Deutschland. Bereits in der Anfangsphase des Krieges wurden größere Betriebe in die Stadt verlagert. Es wurde mit der Produktion von Waffen und Munition begonnen. Beispielsweise wurden während des Krieges über 30.000 Schlachtflugzeuge Il-2 von Kuibyschew aus an die Front geschickt. Am stärksten entwickelte sich die Stadt in den Nachkriegsjahren. Kuibyschew wurde zu einem großen industriellen und kulturellen Zentrum der Sowjetunion. Nach 1990 konnte Samara seinen hohen Rang unter den führenden Wirtschaftsstandorten des Landes halten.
Berühmt ist die Stadt für ihre schier endlose Wolgapromenade, auf der wir gerade gewesen sind, und die Aussicht auf die Schiguli-Berge, eine Hügelkette am gegenüberliegenden Ufer. Samara ist mit der russischen Hauptstadt Moskau über die Fernstraße M5 verbunden, die von hier über den Ural weiter in die Metropolen Sibiriens führt und mehrere andere Überland-Hauptstraßen kreuzt; diese führen u. a. nach Saratow, Orenburg und Uljanowsk. Wir wählen die Straße nach Orenburg und verlassen damit unsere Strecke von 2016. Wir wollen in den Südural nach Arkaim, einem uralten, spirituellen Ort. Ein herrliches Abendrot lässt uns anhalten und einen Schlafplatz suchen. Und wir stellen fest, dass wir schon wieder eine Zeitzone weiter östlich sind, also 3 Stunden Unterschied mit zu Hause.













Schreibe einen Kommentar