27. Mai 2018 Wir erreichen Krasnojarsk und den Jenissei
Nun haben wir endgültig das westsibirische Tiefland verlassen. Rund um uns sanfte Hügel und überall Frühlingsblumen in den lichten Mischwäldern. Aber das nasskalte Wetter, 8 Grad und Regen, früh sogar Gewitter, lässt alle Frühlingsgefühle einfrieren. In 270 m Höhe sind wir sogar im dicken Nebel. Und hier „oben“ sind die Birken noch blattlos.
Hinter Miriinsk kommt endlich die Sonne zum Vorschein und die Temperatur steigt rasch an bis 19 Grad. Sibirien hat so viele Gesichter: seine riesigen Großlandschaften und gewaltige Flüsse, seine winzigen, verfallenden Dörfer, die großen, modernen Städte, den Reichtum an Bodenschätzen und, und, und. Das ganze Gebiet wird heute eingeteilt in Westsibirien vom Ural bis an den Jenissei , Ostsibirien beginnt vom Jenissei an nach Osten und der Ferne Osten ist die Pazifikküstenregion. Die gewaltige Größe dieses Gebietes wird deutlich, wenn man Deutschland zum Vergleich einmal in die Mitte Sibiriens setzt.
Von 1582 bis 1639 eroberten die Kosaken schrittweise Sibirien für den Zaren bis an die Pazifikküste. Bering eroberte 1741 Alaska für die russische Krone. 1857 verkauft es der Zar an Amerika. Die Erforschung und Entwicklung geht unaufhaltsam voran. Von 1891 bis 1916 wird die Transsibirische Eisenbahn gebaut. Heute ist sie vollständig elektrifiziert.
Es gebe noch sehr viel zu berichten. Kurz vor Krasnojarsk wird es richtig warm. Die Temperatur steigt auf 28 Grad. Krasnojarsk liegt am Jenissei und an der Transsibirischen Eisenbahn. Sie hat 973.826 Einwohner und ist damit nach Nowosibirsk und Omsk die drittgrößte Stadt Sibiriens. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Krasnojarsk 40.000 Menschen. Durch Evakuierung der Zivilbevölkerung aus dem Westen der Sowjetunion während des Krieges wuchs die Stadt.
1941 nahm das nach Krasnojarsk verlegte Lokomotivwerk „Krasny Profintern“ seine Arbeit auf. Auch andere kriegsgefährdete Industrien wurden hinter den Ural nach Krasnojarsk verlegt. Im Laufe der Kriegsjahre stieg so die Industriekapazität um das Siebenfache, so dass Krasnojarsk Irkutsk überholte. Dadurch wurde die Stadt zum Industriezentrum Ostsibiriens. Im September 1961 wurde der erste Kubikmeter Beton für den Bau des Krasnojarsker Wasserkraftwerkes verarbeitet.
Drei Wahrzeichen der Stadt sind auf dem 10-Rubel-Schein – der seit 2009 durch Münzen ersetzt wird – abgebildet: die Kapelle Paraskewa-Pjatniza, die Kommunale Brücke über den Jenissei und – auf der Rückseite – das Kraftwerk am Krasnojarsker Stausee. Der Prospekt Mira ist die Haupteinkaufsstraße der Krasnojarsker Bewohner. Wir wohnen im Hotel „Krasnojarsk“ und haben den Blick auf den Jenissei und die Kommunale Brücke und damit nach Ostsibirien, das wir ab morgen „erobern“ werden.
Nach 522 km haben wir das Hotel erreicht. Wir schlendern über den Opernplatz und bleiben vor dem Tschechovdenkmal stehen, der den Jenissei als großartigsten Strom, als mächtigen, unzähmbaren Recken preist. Uns schüttelt der Recke mit seinem kalten Abendwind und so ziehen wir die Wärme des Hotels vor und endlich mal wieder duschen.











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