10. Juni 2018 Wladiwostok von oben
Ansichtskarten aus Wladiwostok? Nicht so einfach. Bis jetzt haben wir nirgendwo welche gesehen. Und Briefmarken, на почте. Die hat aber heute geschlossen, verständlich, es ist Sonntag. So bummeln wir zum ЦУМ, dem Zentralen Einkaufsmarkt. 5 Etagen, komplett saniert, nur die wundervoll geschwungene Treppe erinnert noch an die Gründerzeit 1902 bis 1906, als zwei Hamburger Kaufleute das Handelshaus Kunst & Albers hier gründeten.
Alles hochmoderne Kleidung, Kosmetik, Schmuck und Schuhe, was hier angeboten wird. Wenn ich noch meine frühere Figur hätte, fiele es mir schwer, hier nicht eine Menge Geld zu lassen. Doch so gehen wir lieber in die Essetage und blicke über den Marktplatz, wo heute wieder reges Treiben herrscht. In einem Souvenirkiosk erfahre ich, dass ich Ansichtskarte im Zeitungsladen bekomme. Die hängen hier nicht so rum wie bei uns, sondern sind ganz versteckt im Zehnerpack. Erste Aufgabe erfüllt!
Dann suchen wir die Bushaltestelle und fahren zur Drahtseilbahn „Funikulats“, die 1962 eröffnet wurde. Dort angekommen, stellen wir fest, wir sind ja schon oben auf dem Berg. Lustig, der Bus bringt uns einfacher hoch, wir brauchen die Drahtseilbahn gar nicht. Aber wie jetzt über den riesigen Kreisverkehr kommen? Alles abgesperrt? In der Mitte des Kreisverkehrs ist ein großes Becken. Über Treppen und Tunnel kommt man hinein und auf der anderen Seite wieder hinaus. Das Becken ist als Minipark mit Rasen und Bänken zum Verweilen und als Spielplatz gedacht. So etwas haben wir noch nirgendwo gesehen.
Wir wollen hinauf zur Aussichtsplattform, auf der wir auch ein Denkmal für Kyrill und Method finden, die bulgarischen Brüder, Gelehrten und Priester, welche das kyrillische Alphabet entwickelten und die christliche Missionierung slawischer Völker im 9. Jh. betrieben, weshalb sie als Slawenapostel bezeichnet werden und hier einen symbolträchtigen Platz haben. Die Plattform bietet einen wunderbaren Rundblick über die ganze Stadt und das Meer. So können wir noch einmal verfolgen, welche Strecke wir gestern mit dem Boot zurück gelegt haben.
Es fällt schwer, diesen Vorposten Russlands, Eurasiens, unserer Reise wieder zu verlassen. Für uns wird es diese Aussicht nur einmal geben am Ende der Welt. Ich würde dieses Bild so gern in mir festhalten, aber Augenblicke sind rasch vergänglich.
Eine fotografierende Familie holt mich zurück in die Realität, jeder hilft dem anderen beim Bilder „schießen„, danach das immer wiederkehrende Woher und Wohin. Es hilft alles nichts, auch wir müssen uns losreißen von diesem Ausblick auf eine rasant wachsende fernöstliche Großstadt. Der Bus bringt uns wieder in den Trubel zu einem weiteren Kaufhaus. Hier werde ich dann doch schwach und kaufe ein Kleid passend für meine jetzige Figur. Nun fehlt noch eine Erinnerung für Dietmar – ein T-Shirt. In einem Souvenirladen werden wir fündig.
Die Verkäuferin, eine sehr angenehme ältere Dame, erzählte mir, dass sie schon viele Länder bereist hat, auch in Deutschland war sie schon, aber hier in ihrer Heimatstadt ist es am Schönsten. So soll es sein. Dieses Gespräch war ein wunderbarer Abschluss unseres Besuches hier. Nun können wir uns mit Freuden auf den Rückweg begeben mit noch einigen spannenden Haken, die wir schlagen wollen.








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