Dietmar und Geli Unterwegs
Offroad-Reise mit dem Pickup Truck auf dem Sibirischen Trakt in den Fernen Osten Russlands

18. Juni 2018 Jakutsk, die Hauptstadt der Republik Sakha oder Jakutiens

Bevor wir uns Jakutsk näher erschließen, legen wir erst einmal einen totalen Ruhetag ein. Nach 15.000 km und 35 Reisetagen haben sich das Fahrer und Auto verdient. In unserer rosaroten Suite im Hotel „Cтерх» ist das auch bestens möglich.

Wir fragen uns, was ein „Sterch“ ist? So der Name unseres Hotels. Ein Vogel – das geht aus dem Logo des Hotels hervor. Klingt wie Storch? Nicht ganz daneben. Der Weiße Kran (Sterkh) ist ein schneeweißer, anmutiger und majestätischer Vogel, der ein Juwel vieler Naturreservate ist. Allerdings nimmt die Population in ihrer natürlichen Umgebung stetig ab. Weißer Kran (Sterkh) Nester sind nur noch in begrenzten Gebieten der nördlichen Territorien Russlands zu finden. Diese Vögel sind eng von Ornithologen überwacht. Sie sind vom Aussterben bedroht und stehen auf der „Roten Liste‘

Der Weiße Kran (Sterkh) lebt etwa 70 Jahre. Er ist ein sehr vorsichtiger Vogel, welcher Menschen meidet. Deshalb sollen die Vögel in der Brut-Zeit nicht gestört werden. Der Weiße Kran (Sterkh), der nur in Russland nistet, ist im Winter in Aserbaidschan und Indien, Afghanistan und die Mongolei, China und Pakistan. Anfang März kehren die Krane in ihre Heimat zurück. Sie sind monogame Vögel.

Was man durch so einen Hotelnamen alles über einen seltenen Vögel erfahren kann. Nun wollen wir ein wenig mehr über unseren nördlichsten Reisepunkt erfahren. Die Stadt liegt auf dem 62. Breitengrad wie Mittelfinnland oder die Färöerinseln. Sie hat 270.000Einwohner und ein ähnliches Klima wie das knapp 700 Kilometer entfernte Oimjakon, dem Kältepol der bewohnten Gebiete der Erde, und damit gilt Jakutsk als kälteste Großstadt der Welt. Hier kann es zwischen Sommer, + 40 Grad und Winter – 50 Grad zu Temperaturunterschieden bis 90 Grad kommen.

Die extremen klimatischen Bedingungen bedeuten in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung. So müssen die meisten Häuser auf Betonstelzen gebaut werden, die bis zu 10 m tief in den Boden gerammt werden, damit sie den darunterliegenden Permafrostboden nicht durch Auftauung destabilisieren. Zwischen Erdboden und Erdgeschoss befindet sich immer noch ein Luftraum, der eine Erwärmung des Untergrundes über 0 Grad verhindert, damit ein Absinken der Gebäude verhindert wird. Um Trinkwasser aus Grundwasser zu gewinnen, müssen Brunnen gebohrt werden, die die hunderte Meter dicke Permafrostschicht durchbrechen. Das Wasser wird heute aber hauptsächlich der Lena entnommen, ist dann aber nicht unbedingt für uns zu empfehlen. Genau wie die Gebäude müssen auch die Leitungen für Wasser und Fernwärme in entsprechendem Abstand zum Boden installiert werden, was überall den Eindruck einer großen Baustelle hinterlässt.

Viele Motoren laufen im Winter ununterbrochen, da sie ansonsten aufgrund der Außentemperaturen beschädigt oder am Morgen bei Temperaturen von unter −50 °C nicht mehr anspringen würden. Schulfrei gibt es erst unterhalb von −45 °C. In Jakutsk herrschen extrem kontinentale Klimaverhältnisse: Das Julimittel liegt aber mit 18,8 °C sogar über dem entsprechenden Wert in Deutschland (ca. 18 °C). Das ist dann wieder erstaunlich. Die Vegetation ähnelt ja auch sehr stark der unsrigen.

Die Stadt entstand Mitte des 17. Jahrhunderts aus einem Ostrog, also einer von einem Palisadenzaun umgebenen Siedlung, wie sie im Zuge der russischen Eroberung Sibiriens vielerorts gegründet wurden. Dieser Ostrog wurde 1632 auf der rechten Seite der Lena errichtet und 1643 auf die linke verlegt. Im ersten Jahrhundert nach der Stadtgründung lebten in Jakutsk fast ausschließlich Russen. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts siedelten sich jedoch auch Jakuten in der Stadt an. Im 19. Jahrhundert stellten sie bereits ein gutes Drittel der Bevölkerung. Seit seiner Gründung war Jakutsk der Ausgangspunkt für eine Vielzahl von Expeditionen zur Erkundung Sibiriens. In deren Verlauf weilten in der Stadt unter anderem Semjon Deschnjow, Vitus Bering und Ferdinand von Wrangel.

Heute ist es eine moderne, bunte Großstadt. Die Anbindung ans russische Straßennetz besteht nur mit Unterbrechung, da die Fernstraße M56 (A 360) von Newer über Tynda am rechten Ufer der Lena ankommt, die Stadt jedoch links der Lena liegt. Der Verkehr läuft im Sommer mit Fähren, im Winter über das Eis. Im Frühjahr und im Herbst kann der Fluss zwischenzeitlich je nach Eissituation nicht überquert werden. In dieser Zeit ist Jakutsk nur über den Flughafen erreichbar. Eine Eisenbahnverbindung zur Baikal-Amur-Magistrale und zur Transsibirischen Eisenbahn, die Amur-Jakutische Magistrale, ist seit 2011 fertiggestellt worden. Die Bahnanbindung von Jakutsk erfordert aber eine riesige Brücke über die Lena, die im Bereich der Stadt während des Frühjahrshochwassers eine Breite von bis zu 10 km erreicht. Das stellt Bauspezialisten noch vor enorme Herausforderungen und riesige Kosten.

Der Bevölkerungszuwachs trotz der extremen Witterungsbedingungen geht hauptsächlich auf die Rohstoffe in der Nähe zurück. In der Region von Jakutsk wird etwa ein Fünftel der weltweiten Menge an Diamanten gefördert. Deshalb machen auch die Dörfer um die Stadt einen relativ wohlhabenden Eindruck.

Abendessen nehmen wir im Hotel ein. Ich entscheide mich für einen lokalen Salat, ohne zu wissen, was ich bekomme. Es ist ein leicht angefrorener Fischsalat mit Ziebeln und Gewürzen. Völlig ungewohnt für meinen Gaumen, aber nicht schlecht im Geschmack. Mal sehen, was mein Magen heute Nacht dazu sagt.

Und hoffentlich hat unser Auto diese Nacht wieder nur interessierte Betrachter und nicht mehr. Vergangene Nacht soll es reichlich Jugend um das Auto gegeben haben, sagte der Nachtpförtner.

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3 Kommentare

  1. Entschuldigung bin auf die falsche Taste gekommen.

    täglich zu lesen.Das machtIhr Beide sehr gut.Auch wir lernen sehr viel dabei.

    Und immer wieder steht auch große Bewunderung für Euch im Raum.Also

    weiterhin viel Glück wünschen die drei Mortkaraner

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