Dietmar und Geli Unterwegs
Reisetagebuch unserer Offroad-Reise mit dem Pickup Truck auf dem Sibirischen Trakt in den Fernen Osten Russlands

27.Juli 2018 Berjosovka, im Dorf der Trassenbauer

Die Ausfahrt aus Jekaterinburg gestaltete sich bei 33 Grad in einer engen Parkstrasse ein bisschen schwierig. Wir bekamen Punktkontakt mit einem parkenden weißen Mazda CX 5,aber dann meisterte Dietmar das Wendemanöver perfekt. Gespannt fuhren wir gen Westen und warteten auf die Stelle zwischen Europa und Asien. Eine braune Linie quer über die vierspurige Straße und ein kleines Denkmal und schupp waren wir ohne anhalten zu können in Europa. Adieu Asien!!!

Jetzt fahren wir durch den Ural, hier ein Bergland zwischen 250 und 500 m Höhe. Das war zwischen Cheljabinsk und Ufa alles viel beeindruckender. Ein Versuch, in die Pilze zu gehen, scheiterte, der Waldboden ist meterhoch mit Grünpflanzen bedeckt, es ist kein Durchkommen.

Dann wendet sich die Straße nach Norden, Richtung Perm und wir kommen zur Eingangsstele von Kungur. Davor hat eine Hochzeitsgesellschaft ihr Fotoshooting. Großes Hallo als wir halten, woher seid ihr? Und schon werden Gläser und Essen gereicht. Wir übergeben ein kleines Geschenk.

Die Oma der Braut, Ludmilla, jünger als wir, kramte gleich ihre Deutschkenntnisse vor und wäre am liebsten noch eine Weile bei uns geblieben. Aber das Protokoll ruft und weg sind alle mit kräftigem Hupkonzert. Dann fahren wir durch Kungur, das etwa 100 km südöstlich der Regionshauptstadt Perm am Fluss Sylwa liegt, welcher zum Flusssystem der Kama gehört.

Kungur entstand im Jahre 1648 und hat eine wechselvolle Geschichte. Heute leben in der Stadt 66.000 Einwohner. Es gibt Maschinenbaubetriebe sowie mehrere Fabriken zur Herstellung von Textilien und Nahrungsmitteln. Bis heute nimmt die aus früheren Ledermanufakturen hervorgegangene Schuhfabrik einen bedeutenden Anteil an der wirtschaftlichen Leistung der Stadt ein. Durch die landschaftlich attraktive Lage der Stadt am Rande des Ural erlebt auch der Tourismus Aufschwung. Wir entdecken einige architektonische Kleinode.

Dann geht es weiter nach Berjosowka, den Ort, in dem unsere Kathi einige Zeit ihrer Jugend an der „Trasse“ beim Bau der Erdgasleitung verbracht hat. Der Ort liegt etwa 75 km Luftlinie südöstlich von Perm im westlichen Vorland des Ural, 30 km entfernt von Kungur. Er befindet sich an einem gleichnamigen Flüsschen, das in der Ortslage zu einem größeren Teich angestaut ist. Heut, bei den hochsommerlichen Temperaturen, ist hier wie auch an anderen Flüssen reger Badebetrieb.

Der tatarische Bevölkerungsanteil ist mit etwa einem Sechstel für die Region relativ hoch. Der Ort wurde erstmals 1652 als Wosnessenski ostroschok urkundlich erwähnt; Wosnessenski von russisch Wosnessenije Gospodnje für „Christi Himmelfahrt“ nach der dort befindlichen Kirche. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte die Umbenennung in Berjosowskoje nach dem Fluss, dessen Name sich auf russisch berjosa für „Birke“ bezieht.

In den 1980er-Jahren verdoppelte sich die Einwohnerzahl des Dorfes, als eine Erdgaspipeline aus Westsibirien durch das Gebiet geführt und dort Kompressorstationen errichtet wurden, woran in diesem Bereich auch Arbeiter und Technik aus der DDR im Rahmen des Projektes „ERDGASTRASSE“ beteiligt waren. Im Ort wurde im östlichen Teil eine Plattenbausiedlung ebenfalls von der DDR errichtet, in der heute einheimische Bewohner leben.

Als wir dort fotografieren, spricht uns eine ältere Frau an und läd uns zum Kaffee trinken in ihre Wohnung ein. Wir sagen sofort zu und finden uns wenig später in der 5. Etage eines DDR-Plattenbaus wieder. Tansilja bewirtet uns mit Kaffee, Tee, Kuchen und Hühnchenschenkelchen. Wir plaudern über die Familien, die frühere Arbeit, sie ist 75 Jahre und war 30 Jahre Verkäuferin. Sie zeigt mir mit Stolz all ihre Blumen und den Vorgarten, der von ihr gepflegt wird. Dann bekomme ich noch Samen für meinen Vorgarten. Wir suchen im russischen Atlas, wo wir wohnen und finden tatsächlich Хойерсверда darin.

Nach gut zwei Stunden verabschieden wir uns mit dem Versprechen Fotos zu schicken und zu schreiben. Als wir den Ort verlassen, finden wir noch mehrere Gastationen, die heute von Gasprom betrieben werden. Die Arbeit unserer Trassenbauer war also nicht umsonst.

Was für ein Tag!!! Nach Mitternacht bestaunen wir noch die totale Mondfinsternis, ein beeindruckendes Schauspiel. Unweit von unseren Schlafplatz entfernt, befinden sich wieder einmal die Hauptstrecke der Transsibirischen Eisenbahn, so dass uns die Züge oder die brummenden LWK ein Schlaflied summen.

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