Dietmar und Geli Unterwegs
Reisetagebuch unserer Offroad-Reise mit dem Pickup Truck durch den Westen Russlands bis zum Ural

31. Juli 2018 Stadtrundfahrt durch Kasan

Gestern, vor dem Kreml, hatten wir eine Verabredung mit einem privaten Stadtführer getroffen, der heute pünktlich 11.30 Uhr am Hotel auf uns wartete. Mit sprechendem Translator machte er uns mit der Stadt, ihrer Geschichte und ihren Sehenswürdigkeiten bekannt.

Die Stadt wurde wahrscheinlich von den Wolgabulgaren 1177 gegründet. Mit dem Einfall der Goldenen Horde verloren die Wolgabulgaren im 13. Jahrhundert ihre Unabhängigkeit.

Der Niedergang der mongolischen Herrschaft führte 1393 zur Bildung des Khanats von Kasan (ca. 1437–1552). Als Hauptstadt des Khanats entwickelte sich Kasan zur Mitte des 15. Jahrhunderts zu einem wichtigen Handels- und Handwerkszentrum. Die an Handelsrouten gelegene Stadt war bekannt für ihre prächtigen Paläste und Moscheen, durch Lederwaren und Goldschmiedearbeiten.

Kasan war die erste nichtrussische Stadt, die Zar Ivan lV. 1552 dem russischen Reich einverleibte. Er war da erst 22 Jahre alt. Damit gilt Kasan als Ausgangspunkt des russischen Vielvölkerstaates. Kasan brannte infolge der Kampfhandlungen vollständig ab, wurde aber wieder aufgebaut und entwickelte sich zu einem wirtschaftlichen Zentrum.

Iwan IV. ließ die Stadt zur Festung gegen Angriffe aus dem Osten ausbauen, damit entstand der Kasaner Kreml. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte sich Kasan zum industriellen, Handels- und Kulturzentrum der Wolgaregion entwickelt. Öffentliche und geistliche islamische Schulen wurden gebaut.

Die Universität Kasan gehört zu den ältesten Russlands. Nennenswert ist, dass Kasan zwischen 1807 und 1854 ein Zentrum für Orientalistik war. Hier konnte man Türkisch, Persisch und Arabisch sowie, ab 1844, Mongolisch studieren. Es gab deutsche Dozenten, die kein Russisch sprachen und in lateinischer Sprache unterrichteten.

Ab 1844 studierte Tolstoi in Kasan Orientalistik. Der Jurastudent Lenin beteiligte sich hier Ende der 1880er Jahre in Kasan an Studentenprotesten. Es gibt ein Denkmal von ihm als junger Mann, da sieht er aus wie Leonardo DiCaprio. Am 27. Mai 1920 wurde Kasan mit Gründung der Tatarischen ASSR deren Hauptstadt.

Seit dem Ende der Sowjetunion ist Kasan Hauptstadt der Autonomen Republik Tartarstan innerhalb Russlands.

Die Bevölkerung besteht zu 48,6 % aus Russen und zu 47,6 % aus Tataren. Damit sind die am stärksten vertretenen Religionen das Christentum mit der Russisch Orthodoxen Kirche sowie der Islam. Von den acht offiziell anerkannten islamischen Erziehungsinstitutionen der Republik Tatarstan befinden sich drei in Kasan. Die Stadt gilt als eine Perle der Architektur, die Orient und Okzident in sich vereint.

Wir fahren am Kasaner Kreml vorbei, der als einer der schönsten seiner Art gilt. Wir besuchten ihn ausgiebig gestern.

Dort steht auch der ehemalige Gouverneurs-Palast, der von 1843 bis 1853 an Stelle des Khan-Palastes errichtet wurde und heute Sitz des Präsidenten ist.

Seit 1556 steht im Kasaner Kreml eine prachtvolle orthodoxe Kathedrale: die Mariä-Verkündungs-Kathedrale. Diese ist das älteste Baudenkmal des Kasaner Kremls.

Nahe der Mariä-Verkündigungs-Kathedrale befindet sich ein Turm aus rotem Ziegelstein: der Sujumbaike-Turm. Der nach der letzten Regentin des Kasaner Khansts benannte Turm entstand im 18. Jahrhundert. Hinter dem Turm befindet sich ein Mausoleum mit den Sarkophagen der tatarischen Khane.

Anlässlich des 1000-jährigen Bestehens im Jahr 2005 wurden der Kreml und andere Gebäude renoviert.

Der Hauptturm des Kasaner Kremls ist der Spasskiturm oder der Erlöser-Turm. Dieser Turm wurde im 19. Jahrhundert errichtet.

Weiter geht die Fahrt am neu erbauten Palast der Landwirte vorbei.

Dann fahren wir über die Kasanka in das für die Sommer-Universiade 2013 neu errichtete Sport- und Wohnviertel, wo auch das Fußball-WM-Stadion entstanden ist.

Hier wollen wir das Familiencenter, im Volksmund „Suppenschüssel“ genannt besichtigen. Es ist Kasans Hochzeitspalast.

Über die Millenium-Brücke mit dem „M“ darüber, geht es zurück in die Altstadt, vorbei am neuen Puppentheater und zur

Peter-und-Paul-Kirche, die gerade von außen renoviert wird.

Dann besuchen wir noch das am Kabansee gelegene Tatarenviertel mit seinen bunten Holzhäusern.

Unsere Rundfahrt hat uns viele Seiten der rund 1.2 Millionen Einwohner zählende Stadt gezeigt. Sie kann sich mit jeder anderen europäischen Millionenstadt messen und sie ist eine Reise wert.

2005 wurde anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums der Stadt die Kasaner Metro eröffnet.

Abend lassen wir uns mit der Taxi noch zu Kasans Flaniermeile, der Baumanstr., bringen und genießen die Abendstimmung.

Hier finden wir auch den „Kasaner Kater“, ein Denkmal für die berühmten Mäusejäger, die es bis Sankt Petersburg an den Zarenhof geschafft haben, um dort der Mäuseplage Herr zu werden.

In einem cubanischen Café beschließen wir den Tag.

2 Kommentare

  1. Mit dem heutigen Bericht habe ich klugerweise Güntis Geschichtskenntnisse geprüft, ha,ha, .Also es waren wieder wunderschöne Aufnahmen, und für uns wieder sehr lehrreich . Man stellt immer wieder fest das unser Geschichts wissen lückenhaft ist. Alle Berichte sind für uns von Vorteil, weil man einfach auch viel lernt. Den Geburtstag von Günti haben wir trotz der Hitze gut über die Runden bekommen. Jetzt warten wir jeden Tag auf Regen , der leider noch nicht in Sicht ist. Heute sind jetzt schon 35 Grad, und es sollen 39 Grad werden. Euch weiterhin eine tolle Tour.LG aus Mortka

    1. Danke, schön das euch die Berichte gefallen, haltet durch wir bewegen uns langsam weiter Richtung Heimat!
      LG Geli & Dietmar

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