Dietmar und Geli Unterwegs
Reisetagebuch unserer Offroad-Reise mit dem Pickup Truck durch den Westen Russlands bis zum Ural

04. August 2018 Susdal und ein Gewitter

Der Tag begann warm und sonnig. Wir suchten einen richtigen Platz mit Strom, damit sich Batterie und Kühlschrank mal richtig voll fressen können. Sie schwächelten beide schon seit Wochen.

Dann kam die Frage, wie kommen wir in die Stadt? Zu Fuß, mit Taxe oder mit ausgeliehen Fahrrädern.

Neben uns standen Deutsche mit einem Wohnmobil (Kastenwagen)

die an den Baikal und über die Mongolei in den Altai wollen. Da gab es genügend Gesprächsstoff, so dass sich unsere Abfahrt in die Stadt verzögerte.

Wir entschieden uns dann für die Taxe, zumal sich der Himmel anfing zu verfärben. Zieht da ein Gewitter auf?

Die Stadt mit ihren rund 10.000 Einwohner hat eher einen dörflichen Charakter und ist praktisch ein komplettes Museumsensenble. Man braucht viel Zeit für die unendlich vielen architektonischen Schätze auf ungefähr 5 km Länge. Leider kommen wir nicht weit, weil sich eine riesige Gewitterwand auftürmt und wir zusehen, dass wir zurück zum Camp kommen.

Bleibt uns also nur ein bisschen Geschichtsstudium: Susdal liegt rund 220 km nordöstlich von Moskau und 26 km nördlich der Oblasthauptstadt Wladimir am Fluss Kamenka. Die Stadt gehört zu den ältesten Russlands und ist Teil des sogenannten Goldenen Ringes. Im 10. Jahrhundert kamen slawische Siedler aus dem Gebiet von Smolensk in die fruchtbare Region um Susdal, wobei archäologisch bereits eine Besiedlung seit dem 9. Jahrhundert belegt ist. Die erste schriftliche Erwähnung erfolgte 1024.

Zu dieser Zeit war Susdal bereits eine bedeutende Siedlung und ein wichtiges Handelszentrum der Nordost-Rus. Anfang des 12. Jahrhunderts wurde ein Kreml errichtet.

Eine erste Blütezeit erlebte Susdal, als es zur Residenz des Fürstentums Wladimir-Susdal gemachte wurde. Dem Aufschwung der Stadt wurde schließlich ein Ende gesetzt, als im Jahre 1238 das Fürstentum Wladimir-Susdal durch die Goldenen Horden erobert wurde. Dabei wurde Susdal trotz erbitterten Widerstands der Einheimischen eingenommen, ausgeraubt und teilweise zerstört.

Bereits in den Jahren 1222–1235 entstand im Susdaler Kreml die Muttergottes-Geburts-Kathedrale, die bis heute weitgehend in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben ist und damit einer der ältesten bis heute erhaltenen russische -orthodoxen Kirchenbauten ist.

Im 14. Jahrhundert versuchte Susdal die Unabhängigkeit gegen das aufstrebende Moskauer Großfürstentum zu verteidigen und verband sich dazu mit Nischni Novgorod zum Fürstentum Susdal-Nischni Novgorod. Nach einem kurzen Zwischenspiel als Bischofssitz fiel Susdal 1392 an Moskau. Damit endete die Zeit Susdals als politisches Zentrum. Es blieb aber Bischofssitz und entwickelte sich zu einem bedeutenden religiösen Zentrum. Zahlreiche steinerne Kirchen- und Klosterbauten wurden neu errichtet oder an Stelle früherer, hölzerner Bauten wiederaufgebaut. Unter den vom 13. bis zum 17. Jahrhundert in Susdal entstandenen Sakralgebäuden sind beispielsweise das Alexanderkloster, das Maria-Gewandsniederlegungs- und das Wassili-Kloster sowie der erzbischöfliche Palast, der jahrhundertelang als Wohngebäude für Susdaler Geistliche diente, zu nennen.

Die industrielle Entwicklung im 19. Jahrhundert machte um Susdal einen Bogen, die Stadt war vorwiegend landwirtschaftlich geprägt, und auch beim Bau der Eisenbahnverbindung von Moskau nach Nischni Nowgorod blieb Susdal außen vor.

Die Stadt behielt jedoch ihre große Bedeutung als religiöses Zentrum und Pilgerstätte.

Während des Zweiten Weltkrieges waren in Susdal Generalfeldmarschall Paulus und andere Generäle der 6. Armee nach der Niederlage in Stalingrad in den ersten Monaten nach ihrer Gefangennahme interniert.

Schon in der Sowjetunion entwickelte sich Susdal zu einer bedeutenden Fremdenverkehrsstätte. Die meisten Kirchen und Klöster bilden zusammen mit anderen markanten Architekturdenkmälern der Region seit den 1960ern Jahren das sogenannte Wladimir-Susdaler Museumsreservat. Es ist heute Bestandteil der touristischen Route des Russischen Goldenen Rings. Auch ist Susdal eine der von Touristen meistbesuchten Städte im europäischen Teil Russlands.

Nachdem das Gewitter abgezogen ist, gibt uns die Abendsonne über der Stadt noch Gelegenheit für einige Fotos.

3 Kommentare

  1. Danke, liebe Geli und lieber Dietmar, für Eure Berichte. Morgen startet meine Reise zum Baikal. Mit großem Interesse habe ich vor Eure Berichte vor allem vom Baikal gelesen. Die dazugehörigen Bilder liefern einen guten Eindruck. Sie geben Eure Stimmung und Empfindungen sehr gut wieder.
    Im nächsten Leben werdet Ihr wohl „Fotograf“? Künstlerische Ader habt Ihr, Empfindungen für Licht, Bildkomposition sind bemerkenswert.
    Euch wünschen wior noch eine glückliche Heimreise. (Schon Sehnsucht nach dem eigenen Bett?)
    Gabi und Jürgen

    1. Hallo ihr Lieben,
      morgen einen guten Start zum Baikal, unseren Traum.
      Wir wünschen vor allem gutes Wetter, denn wenn Väterchen Baikal stürmt und weint, wird es rau und ungemütlich.
      Danke für die vielen Komplimente zu unseren Berichten und Bildern. Es ist unser Tagebuch, um die vielen Eindrücke sortiert zu behalten.
      Heute haben wir in ein Gästebuch in Susdal geschrieben, dass wir mit Wehmut aus Russland scheiden. Nur noch 9 Tage bleiben uns. Trotzdem freue ich mich wieder auf mein Bett.
      Liebe Grüße von Angelika und Dietmar

  2. Hallo Angelika u. Dietmar,
    ein ganz lieber Gruss aus Hoyerswerda. Da ich mir Eure tollen interessante Berichte
    ausdrucke und oftmals gesammelt am Scheibesee (da ist es z.Zt. auszuhalten) lese, sind mein Kommentare nicht immer Datumskonform, aber na ja wir sehen uns doch bald ?!!
    Der Sprung von Moskau, nach so vielen tausenden Kilometern ???? Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen ! Also weiter eine gute sichere Fahrt.
    Liebe Grüsse von uns Allen
    Eure Ilse

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.