Dietmar und Geli Unterwegs
Reisetagebuch unserer Offroad-Reise mit dem Pickup Truck durch den Westen Russlands bis zum Ural

08. August 2018 Auf der früheren Allunionsausstellung

Wenn nun doch Moskau auf unserem Reiseplan steht, dann wollen wir auch die „Allunionsausstellung“ sehen, denn hier waren wir vor über 40 Jahren das letzte mal. Als wir mit dem Bus aus der Enge der Straßen auf einen riesigen Platz kommen, sehen wir als erstes das gigantische 24 m hohe Denkmal „Arbeiter und Kolchos-Bäuerin“, das mit Sockel 59 m hoch ist. Es ist uns bekannt vom Anfang aller „MOS-Filme“.

Dann kommt der Fernsehturm „Ostankino“ in das Blickfeld, Europas höchster Fernsehturm und dann halten wir vor dem Eingangstor der „Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft“ russisch ВДНХ – Выставка достижений народного хозяйства. Von 1992–2014 hieß es Allrussisches Ausstellungszentrum. Es befindet sich in Moskaus Norden am Prospekt Mira.

Wir haben traumhaftes Wetter, Sonne, kühler Wind, angenehme Temperatur, so können wir ohne Hitzeschock staunen und verweilen. Ich war damals an einem frostklaren, sonnigen Januartag hier und war begeistert. Heute blüht und grünt alles und die Fontänen sprudeln überall, der krasse Gegensatz.

Von der Geschichte der Ausstellung wussten wir bisher nichts.

Das Gelände mit einer Reihe thematischer Pavillons wurde 1939 als All-Unions-Landwirtschaftsausstellung angelegt und war zunächst bis 1941 in Betrieb. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Ausstellung geschlossen und konnte mit rekonstruierten und neu errichteten Pavillons zum 1. August 1954 wiedereröffnet werden.

Zur Saison 1959 ging die Landwirtschaftsausstellung auf erweitertem Territorium in der Ausstellung der Volkswirtschaftlichen Errungenschaften der UdSSR (ВДНХ – Выставка достижений народного хозяйства СССР) auf. Sie war als Schau der Errungenschaften des Sozialismus gedacht und galt in der Sowjetunion als Vorzeigeobjekt, das die Leistungsstärke der sowjetischen Planwirtschaft demonstrierte.

In etwa einhundert zum Teil aufwändig gestalteten Pavillons befanden sich Ausstellungsstücke aus mehreren Regionen und Ländern, aber auch zu verschiedenen Gebieten der Volkswirtschaft. Besondere Bekanntheit errang der Pavillon zur Weltraumfahrt. Hier konnte und kann man Exemplare der Sputnik-Satelliten, Trainingsgeräte zur Vorbereitung der Kosmonauten, Raumanzüge und Teile der Sojus-Raketen besichtigt werden.

Nach der Auflösung der Sowjetunion wurden die Pavillons ausgeräumt und als Marktfläche vermietet – bei den jungen Moskauern stand ВДНХ lange Zeit vor allem für den Einkauf von Unterhaltungselektronik.

Das Gelände wurde in eine Offene Aktiengesellschaft umgewandelt und erhielt 1992 den Namen Allrussisches Ausstellungszentrum (Всероссийский выставочный центр). Die Metrostation ВДНХ wurde jedoch nicht umbenannt.

Ab 2005 wurde das WWZ als Messeplatz ausgebaut. Es beherbergte Fach- und Publikumsmessen, u. a. die Internationale Handwerksmesse (2006) in deutscher Kooperation. Das Gelände wurde auch weiterhin als Erholungspark sowie für Kultur-, Vergnügungs- und Sportveranstaltungen genutzt. Es zieht jährlich zirka 20 Millionen Besucher an.

Anfang 2014 übernahm die Stadt Moskau alle Anteile der OAO WWZ. Auf Anregung des Moskauer Bürgermeisters fand eine Online-Umfrage statt, bei der mehr als 90 % der teilnehmenden Moskauer für eine Rückkehr zum vorherigen Namen stimmten. Das Ausstellungsgelände wurde daraufhin am 14. Mai 2014 in ВДНХ zurückbenannt. Ende Juli 2014 wurde der Botanische Garten und der Ostankino-Park in den ВДНХ- Komplex eingegliedert.

Ich glaube, jetzt sind alle glücklich und zufrieden und der Park ist an so einem schönen Sommertag von Jung und Alt besucht. Es wird gebummelt, aber auch mit verschiedensten Elektomobilen gefahren, Rollern aller Größen, Fahrrädern, anderen Zweirädern, aber auch Inlinern, Skateboards.

Wir verweilen an den riesigen Brunnen der „Völkerfreundschaft“ und der „Steinernen Blume“.

Die meisten Pavillons werden noch restauriert, tragen zum Teil aber noch ihre Ländernamen.

Im Weißrussischen Pavillon werden landestypische Produkte verkauft. In einem anderen ist eine interaktive Ausstellung über russische Geschichte.

Es ist spannend, was die kommenden Jahre hier bringen werden. Die Moskauer nehmen ihre ВДНХ jedenfalls mit Begeisterung an, so sehr, dass mich unerwartet eine sehr chice Frau plötzlich umarmte. Sie meinte, sie müsse das jetzt tun, sagte aber nicht warum.

In der berühmten „blauen Stunde“ gingen alle Lichter an und der Himmel färbte sich immer dunkler.

Der Fernsehturm ragte als farbig umstrickter Spargel in den Himmel.

Um 22 Uhr war der Park noch immer voller Menschen.

Wir suchten nach dem Ausgang unsere Bushaltestelle und stiegen getrost in den Bus ein, hatten wir doch den Namen unserer Haltestelle abfotografieren. Dann wurde mir die Fahrt zu lang und ich frage den Busfahrer. Er meinte wir sollen die nächste Haltestelle aussteigen. Das Display im Bus zeigte aber einen anderen Namen an. So blieben wir sitzen und sahen, wie wir an unserer Straße vorbei fuhren. So drehten wir eine Schleife bis zur Endhaltestelle und zurück. Dann sagte uns der Fahrer, dass wir jetzt aussteigen müssen. Auf dem Weg zum Campingplatz wurde es richtig kühl. Wir waren erst 0.30 Uhr wieder am UFO, Nachtschwärmer wie immer.


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