Dietmar und Geli Unterwegs
Reisetagebuch unserer Offroad-Reise mit dem Pickup Truck durch Lettland, Littauen und Polen

19. August 2018 Mit dem Rad nach Cēsis

Das Wetter sieht gut aus und wir überlegen 🤔, was wir heute unternehmen? Ich frage bei der Rezeption, ob es Fahrräder auszuleihen gibt. Ja, eins! Und das passt auch noch für mich. Also beschließen wir nach Cēsis zu radeln. Es geht steil bergauf vom Gaujaufer zur Stadt.

Unser erstes Ziel ist die russische-orthodoxe Kirche, die direkt oberhalb des Stadtparks liegt. Cesis heißt auf deutsch Wenden, Es liegt auf Hügeln und Terrassen am nördlichen Ausgang des Nationalparks Gauja. Es wurde 1224 erstmals urkundlich erwähnt.

Die Lage am Fluss Gauja und an der Handelsstraße Riga – Pleskau förderte die schnelle Entwicklung zu einer blühenden Handelsstadt. Im 14. Jahrhundert trat Cēsis der Hanse bei. Ein Marktplatz und die Kirche bildeten den Stadtmittelpunkt. Eine Mauer aus Dolomit mit acht Türmen und fünf Toren umgab Stadt und Burg. Im Jahre 1524 wurde der erste lutherische Gottesdienst in Cēsis gehalten.1561 unterstellten sich die livländischen Städte , darunter die Stadt Cēsis, angesichts der russischen Bedrohung dem polnischen König. Dieser sicherte ihnen dafür freie Religionsausübung, die Selbstverwaltung nach deutschem Recht („Teutsche Magistrat“) und das Indigenat (die Besetzung der Ämter mit Einheimischen) zu. Sein Nachfolger König hielt sich nicht daran, er versuchte, Livland zu rekatholisieren. 1582 gründete er das katholische Bistum Wenden.

1621 wurde Cēsis vom schwedischen König erobert. Danach eroberte der russische Zar die Region. Nach dem ersten Weltkrieg gab es Freiheitsbestrebungen und Lettland wurde für rund 20 Jahre selbstständig, bis 1940 durch einen Vertrag zwischen Hitler und Stalin das Baltikum zur Sowjetunion angegliedert wurde. Die Region stand also seit dem Mittelalter unter ständig wechselnder Fremdherrschaft.

Ruine der Ordensburg

Die älteste Siedlung in Cēsis war eine hölzerne Befestigungsanlage der Lettgallen auf einem Hügel neben dem heutigen Schlosspark. Deutsche Kreuzritter des Schwertbrüderordens begannen 1209 mit dem Bau der Burg ‚Wenden‘ nahe der Bergfestung. Nachdem die Ordensburg aus Stein mit ihren drei befestigten Vorburgen vergrößert und befestigt worden war, diente sie mit verschiedenen Unterbrechungen von 1237 bis 1561 als Wohnsitz des Meisters des Deutschen Ordens und war somit ein Hauptsitz des Ordens.

1281 bis 1284 wurde die Johanneskirche in unmittelbarer Nähe der Ordensburg erbaut. 1577 sprengte sich die Besatzung des Ordens mitsamt der Burg in die Luft, als Cēsis von den Truppen Ivan des Schrecklichen belagert wurde. Die Burg wurde danach wieder aufgebaut, 1721 jedoch endgültig zerstört.

Wir durchstöberten erst die Burgruine und bestiegen mit Laternen den alten Burgturm um von oben über das Burggelände und die Stadt zu schauen und uns in den dunklen Treppenaufgängen ein wenig zu gruseln. Im Burggarten bewunderte Bettina dann jedes Kräutchen, wir erfreuten uns an den von Burgfräulein bereitgestellten Spielen und flüchteten dann vor dem beginnenden Regen ins Museum, wo wir erfuhren, wie es mit der Geschichte der Burganlage weiter ging.

Als das Anwesen 1777 durch den Grafen Karl von Sievers übernommen wurde, baute dieser sein neues Wohngebäude an die Ostseite der Burg, mit der rückwärtigen Wand an deren Befestigungsturm. Seit 1949 befindet sich das Geschichtsmuseum von Cēsis in diesem neuen Schloss.

Hier durchstreiften wir noch einmal die wechselvolle Geschichte der Stadt, fanden hier aber keine Hinweise auf das Wirken der Brüderunität Herrnhut, die hier in der Stadt seit Jahrhunderten eine aktiv wirkende Gruppe hat.

In der Nähe des Museums liegt der Schlosspark von Cēsis, der, 1812 angelegt, die üblichen romantischen Merkmale eines Gartens dieser Zeit zeigt: gewundene Fußwege, fremdartige Pflanzen und einen Teich, in dem sich die Burgruine widerspiegelt.

Der Regen hat aufgehört und wir fahren durch den Schlosspark und die Altstadt zurück zum Campingplatz.

Wir sind alle mächtig hungrig und Bettina bekocht uns wieder aufs köstlichste.

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