Dietmar und Geli Unterwegs
Reisetagebuch unserer Wohnmobil-Reise an den Küsten Spaniens und Portugals

07.-08. April 2019 Am britischen Vorposten – Gibraltar

Von Ronda aus fuhren wir über eine phantastische Bergstraßen, die A 397 durch die Sierra de Ronda nach Süden. Wir kamen wieder bis in 1245 m Höhe bei kalten 6 Grad. Im Naturschutzgebiet sahen wir seltene Pflanzen, dabei kleine Orchideen. Über uns kreisten 8 stolze Gänsegeier. In die Talhänge schien punktuell die Sonne und beschien die weißen kleinen Dörfer.

Je tiefer wir kamen und uns dem Meer bei Marbella näherten, um so mediterráner wurde die Vegetation. Vor La Linea hatten wir einen ersten Blick auf den Felsen und die Straße von Gibraltar. Trotz dicker Wolken konnten wir Afrika am Horizont erkennen. In La Linea steuerten wir direkt an der Grenze zu Gibraltar am Jachthafen einen tollen Stellplatz an.

Am Montag, wir sind nun schon 14 Tage unterwegs und über 3200 km von zu Hause entfernt, besserte sich das Wetter und wir machten uns zu Fuß auf den Weg, den Felsen Gibraltar zu erkunden.

Der Felsen mit seinem geringen Umland steht seit 1704 unter der Souveränität des Vereinigten Königreiches und wurde 1713 von Spanien offiziell im Frieden von Utrecht abgetreten, wird jedoch seitdem von Spanien beansprucht. Gibraltar ist eine Halbinsel, die die Bucht von Algeciras östlich begrenzt, und liegt an der Nordseite der Meerenge der Straße von Gibraltar, an der Europa und Afrika sich am nächsten sind. Das Territorium umfasst eine Landfläche von 6,5 km², wobei die Grenze zwischen Gibraltar und Spanien nur 1,2 Kilometer lang ist.

Gibraltar besteht aus einem flachen, größtenteils sandigen Gebiet und dem Felsen, der an der Ostseite spektakulär steil aus dem Meer aufragt. Er ist von Nord nach Süd etwa 4 Kilometer lang und bis zu 1,2 Kilometer breit. Die Spitze des Felsens erreicht eine Höhe von 426 m. Er besteht hauptsächlich aus dem im Jura gebildeten Kalkstein und ist damit älter als die benachbarten südspanischen Felsen. Der flache Teil Gibraltars konnte durch Landgewinnung etwas vergrößert werden. Das Material stammt zum großen Teil aus dem Inneren des Felsens, wo es beim Bau der insgesamt etwa 50 Kilometer Tunnel anfiel. Neben den künstlichen Hohlräumen, die zur Verteidigung des Gebietes angelegt wurden, besitzt der Felsen eine ganze Reihe von natürlich entstandenen Tropfsteinhöhlen.

Gibraltar gliedert sich in das Naturschutzgebiet Upper Rock, das Stadtgebiet, die Ostseite und den zu Gibraltar gehörenden Teil des Mittelmeeres, insbesondere der Bucht von Gibraltar. Das Naturschutzgebiet wurde am 1. April 1993 gegründet und ist heute für Touristen gegen Gebühr zu besichtigen. Die Stadt Gibraltar erstreckt sich auf dem schmalen Streifen der Westseite, auf der der Felsen flacher zum Meer abfällt. Während die Westseite stark bevölkert ist, leben auf der Ostseite nur wenige Menschen in den beiden Dörfern.

Im Norden der Halbinsel befinden sich an der Grenze zu Spanien der Flughafen, dessen Rollbahn über die Verbindungsstraße zwischen Spanien und Gibraltar geht. Landet oder startet ein Flugzeug, wird der Straßen- und Fußgängerverkehr gestoppt. Da es keine natürlichen Süßwasservorkommen gibt, wurde lange Zeit Regenwasser aufgefangen und, wo möglich, Salzwasser verwendet. So entstand beispielsweise 1908 ein 130.000 m² großes Auffangbecken für Regenwasser auf der Ostseite der Halbinsel, das allerdings inzwischen abgebaut wurde. Heute wird das benötigte Süßwasser durch Meerwasserentsalzung produziert.

Neben dem Naturschutzgebiet Upper Rock ist auch das gesamte Meeresgebiet von Gibraltar seit dem 1. Januar 1996 unter Schutz gestellt.

Gibraltar ist der einzige Ort in Europa, an dem Berberaffen freilebend vorkommen. Deswegen nennt man Gibraltar auch den „Affenfelsen“. Die Affen werden zwar allgemein als freilebend bezeichnet, führen aber eher eine Art von Leben im Wildpark, bei dem sie regelmäßig von Menschen gefüttert werden. Die Herkunft dieser Tiere ist nicht genau geklärt, wahrscheinlich wurden sie irgendwann aus Marokko von Menschen eingeführt. Allerdings waren Berberaffen früher auch in Süd- und Mitteleuropa heimisch, die Affen von Gibraltar könnten also auch von europäischen Vorfahren abstammen. Eine Legende besagt, dass die britische Herrschaft in Gibraltar beendet sei, sobald der letzte Affe den Felsen verlassen hätte. Hintergrund dieser Legende ist eine Geschichte aus der Zeit der Belagerung Gibraltars von 1779 bis 1783: Damals sollen die Engländer von den Tieren vor einem Nachtangriff der Spanier und Franzosen gewarnt worden sein. Der britische Premierminister Winston Churchill ließ Berberaffen aus Marokko importieren, um den vermutlich wegen Inzucht kränkelnden Affenstamm wieder zu stärken, und hatte damit Erfolg.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind:

  • die Tropfsteinhöhle, die für Konzerte genutzt wird,
  • die Gorham Höhle mit Neandertaler-Funden. Diese Höhlen gelten als das letzte Rückzugsgebiete der Neandertaler vor 28000 Jahren,
  • die in den Felsen geschlagenen Verteidigungsanlagen der Belagerung von 1779 bis 1783 (Great Siege Tunnels),
  • die Tunnelanlage und Geschützstellungen aus dem Zweiten Weltkrieg.

Zum Schluss bummeln wir durch die „Main Street“, lassen uns aber nur zum Einkauf von Eis und Aufklebern verführen, der weitgehend steuerfreien Alkohol und preisgünstiger Tabak interessiert uns nicht.

Gibraltar ist eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Erde. 32.577 Personen wohnen hier. Die Bevölkerungsdichte beträgt 5012 Einwohner pro Quadratkilometer.

Wir schaffen es, vor dem nächsten Regenschauer wieder in unsere WOMOS zu kommen und verarbeiten das Erlebte bei einem kräftigen Kaffee.

2 Kommentare

  1. Hallo Reisende
    Danke für die vielen schönen Bilder und Ortsbeschreibungen. Ronda und Gibraltar haben wir auch besucht. Einfach genial und hoch interessant.
    Wir wünschen Euch weiter schöne Erlebnisse und gutes Wetter.
    Ich war Heute beim HNO. Habe eine gravierende Kehlkopf- und Luftröhrenentzündung. Viele Medikamente einschließlich Antibiotika und Prednisolon.
    Es geht langsam aufwärts.
    Beste Grüße von Sigrid und Jürgen aus Cottbus

    1. Danke für die ausführliche Info, wir wünschen gute Besserung!
      Ja, wir hatten in Erinnerung das ihr hier gewesen seit!
      Es ist sehr beeindruckend!
      Bei 26 Grad sind wir heut wieder einmal in Sevilla , sehr schön !
      Liebe Grüße

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