Dietmar und Geli Unterwegs

09.06.2026 Auf der Via Appia

Wir entscheiden uns, nicht länger in Diamante zu bleiben. Der kleinkörnige Kieselbelag auf dem Camp macht uns wuschig. Bei jedem Schritt sind die Schuhe voller Steinchen.  

Also verabschieden wir uns von unseren neuen Schweizer Freunden und fahren getrennt Richtung Norden.

Wir bis Praia a Mare auf der ss 18. von da fahren wir auf der ss 585 in die Berge und verlassen Kalabrien.

Von Lauria Süd nach Lauria Nord fahren wir eine Abfahrt auf der A 2  um dann mitten in den Bergen in 800 m Höhe auf die ss 653, die Via Appia, abzubiegen. 

Die Via Appia (oft Via Appia Antica) ist eine der bekanntesten und historisch bedeutendsten Straßen des Römischen Reiches. Die etwa 540 Kilometer lange Route verband ursprünglich Rom mit der Hafenstadt Brindisi in Süditalien und diente als strategisch und wirtschaftlich wichtige Verkehrsachse („Königin der Straßen“). Wie früher führt sie südlich von Rom 62 Kilometer schnurgerade durch die Pontinische Ebene.

Fünf Tage nur brauchten in der Antike die Schnellsten für die Route, die Reiter. Zu Fuß rechnete man mit 14 Tagen. Herbergen, Tavernen und Wachposten säumten die Via Appia, machten das Reisen sicherer und bequemer.

Von allen römischen Straßen war die Via Appia viele Jahre lang die wichtigste. Legionäre, Bauern, Akrobaten und Wanderpriester nutzten sie, Heimatlose, Geschichtenerzählerinnen, Gewürzhändler, Pilger und Huren, Schafhirten und Unruhestifter, Kaufleute, Verbrecher auf dem Weg zur Kreuzigung. Auf ihr gelangten Gladiatoren gen Rom, wurden wilde Tiere für die Kämpfe transportiert. Über sie reisten exotische Waren aus dem Orient in den Norden, später die Kreuzritter nach Jerusalem. So beschleunigte die Fernstraße die Weitergabe von Geschichten und Wissen, auch des Christentums.

Ein italienischer Journalist, Paolo Rumiz, wollte die Reste der Strasse mit Freunden suchen und auf ihnen wandern. Er wusste, dass die Tour kein Vergnügen wird. Ihm ging es darum, das römische Meisterbauwerk wiederzuentdecken, das im Verlauf schon kurz hinter Rom verschüttet, verschwunden, oft ganz vergessen war. Er recherchierte zusammen mit Freunden antike Karten, historisches Material des Instituto Geografico Militare, las den römischen Dichter Horaz, der seine Reise auf der Via Appia beschrieb. Die Gruppe orientierte sich am aktuellen Straßennetz sowie an Satellitenbildern und Geodaten, die von Fans der Antike auf OpenStreetMap veröffentlicht wurden.

Immer wieder verschwand die Straße in Morast und dornigem Dickicht. Und einmal an den Zäunen des Stahlwerks in Tarent, unter dessen Hochöfen die Via Appia verlaufen soll. „Nicht die Barbaren haben die Straße zerstört, als sie Rom unterwarfen, es waren die Italiener selbst“, sagt Rumiz. „In den 1960ern wurde ein Großteil unseres antiken Erbes verkauft und vernichtet. Die Archäologen störten die Bauherren und die Mafia.

Insgesamt vier Mal reiste Rumiz die Strecke zwischen Rom und Brindisi, unterhielt sich mit Leuten, die er unterwegs traf, klaubte auf diese Weise das fast verlorene Via-Appia-Wissen der Einheimischen zusammen: „Unsere Anwesenheit entfachte so etwas wie vergessenen Stolz“ auf die römische Geschichte in den Dörfern. Tausende Italienerinnen und Italiener schlossen sich nach einem Aufruf spontan Rumiz an, wanderten mit ihm auf der Via Appia.

Was als Idee eines Einzelnen begann, wurde zu einer Bewegung. In Kampanien, Brindisi und Apulien halfen Wandervereine und Fahrradclubs, die Via Appia zu kartieren, taten sich Bürgerinitiativen zusammen, um sie wieder begehbar zu machen. Als eine illegale Müllkippe in Itri in der Region Latium aufgrund von Protesten abgetragen wurde, tauchte ein Stück der Via Appia wieder auf. Bestens konserviert unter dem Dreck und Schrott, der den Steinen nichts anhaben konnte.

„Eigentlich ist es egal, ob man auf der echten Appia läuft. Die Via Appia ist ein Band, eine Linie, eine Idee, eine Gelegenheit, in den Süden zu reisen, auch meine eigene Familiengeschichte wiederzufinden“, sagt Andrea Frazzetta, der Fotograf dieser Geschichte. Sein Großvater lebte im apulischen Mesagne, das direkt an der alten Appia-Route liegt. Auch Frazzetta stammt aus Süditalien: „Wenn mehr Menschen von der Via Appia wissen und auf ihr unterwegs sind, kann das den Süden stärken, vielleicht sogar verändern.“ In Mesagne wird gerade ein Teilstück der Via Appia ausgegraben.

Das italienische Kulturministerium beantragte schließlich bei der UNESCO den Welterbestatus für die Via Appia, den die alte Römerstraße im Juli 2024 tatsächlich bekam. Eine wundersame Entwicklung: Nicht nur, dass Italien mit 60 Welterbestätten jetzt die Nummer eins ist (vor China). Wahrscheinlich schützt Italien auch als einziges Land mit der Via Appia ein Kulturerbe, das zu großen Teilen gar nicht mehr existiert, dessen Wiederentdeckung im Moment nur ein Versprechen ist.

20 Millionen Euro hat das Kulturministerium jetzt für neue archäologische Grabungen und für den touristischen Ausbau der Via Appia als Fernwanderweg versprochen. 29 Etappen zwischen Rom und Brindisi sollen demnächst mit Wegweisern versehen werden. „Schon jetzt streiten sich Gemeinden darum, auf der Route zu liegen“, sagt Andrea Frazzetta. „Sie wollen vom zukünftigen Tourismus profitieren.“

Allerdings wird es noch eine Weile dauern, bis Wanderern der gesamte Verlauf der Via Appia wirklich offensteht. Selbst Antike-Fans aus den Niederlanden, die wild entschlossen waren, die gesamte Strecke im Römerkostüm zu gehen, mussten aufgeben, erzählt Rumiz. Die Gruppe hatte vor, sich in Tunika und Sandalen entlang der Strada Statale (Staatsstraße) ss 7 und ss 653 bis in den Süden zu schlagen, durch Schlamm, Gebüsch, Olivenhaine und wilden Knoblauch. Sie scheiterte. Der Weg war einfach zu schlecht. 

Wir biegen von der A 2 Autobahn auf die ss 653 ab und sind damit einige km auf der Via Appia unterwegs. 

Der Weg führt uns durch die Berge des  Appennino Lucano und durch den Nationalpark Pollino durch den wir vor Wochen schon auf der südwestlichen Seite der Berge ans Meer gefahren sind.

Wir sehen Bergdörfer oben auf den Bergen, durchqueren Sandsteingegenden, die aussehen wie Tagebauhalden und fahren an einem Stausee vorbei,

von dem viele Kilometer weit ein dickes Betonrohr ins Tal führt. 

Unser Kalabrienkreis hat sich geschlossen. Wir kommen heute am Meer in der Basilikata an bei Nova Siri. 

Das Camp hat wieder festen Untergrund, zudem mit 15 € incl. Strom sehr günstig!

Der Weg zum Strand ist nicht weit, als einzige Gäste besuchen wir die Strandbar ! 

Als wir zurück laufen, kommt eine junge Frau vorbei, hinter der Katzen herlaufen. Wir wundern uns.

Da erklärt sie uns, dass sie Futter im Rucksack habe und die Katzen wissen, dass sie das an bestimmten Stellen verteilt. 

Die Strandpromenade war einmal modern angelegt, macht aber jetzt einen etwas verwilderten Eindruck, vielleicht da noch Vorsaison ist. 

Zu uns kommen am Abend auch mehrere Katzen. Nur gut, dass wir genügend Futter dabei haben.